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Samstag, 22.04.2017

Urteil gegen Unfallfahrer

An das Unglück auf der Autobahn bei Kodersdorf erinnern sich noch viele. Der Verursacher hat nun seine Strafe erhalten.

Von Sabine Ohlenbusch

Ein Geisterfahrer hat am 13. Februar 2016 auf der A4 bei Kodersdorf einen schweren Unfall verursacht. Mittlerweile ist der Mann deshalb verurteilt.
Ein Geisterfahrer hat am 13. Februar 2016 auf der A 4 bei Kodersdorf einen schweren Unfall verursacht. Mittlerweile ist der Mann deshalb verurteilt.

© Archivfoto: Jens Trenkler

Es ist einer der spektakulärsten und schwersten Verkehrsunfälle des vergangenen Jahres, den die kürzlich erschienene Statistik der Polizeidirektion Görlitz verzeichnet: Ein 36-Jähriger fährt Mitte Februar 2016 über die Abfahrt Kodersdorf in die falsche Richtung auf die Autobahn auf. Nach rund einem Kilometer ungehinderter Fahrt stößt der silberfarbene Skoda mit einem polnischen Lkw zusammen, der in Richtung Görlitz unterwegs ist.

Der Lastwagen kippt um und geht in Flammen auf. Die Flammen und Rauchschwaden sind kilometerweit zu sehen – die Ladung bestand aus Gummiteilen für eine Müllverbrennungsanlage. Außer an den Fahrzeugen entsteht erheblicher Schaden an der Autobahnbrücke, die über Teile von Kodersdorf führt. An Fahrbahn und Technik allein beläuft er sich auf rund 50 000 Euro – es dauert mehrere Wochen, bis die Schallschutzscheiben ersetzt und die letzten Spuren beseitigt sind.

Der Geisterfahrer hat das Glück, schwer verletzt zu überleben. Allerdings muss er sich wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und fahrlässiger Körperverletzung verantworten, wie die Staatsanwaltschaft Görlitz auf Nachfrage bestätigt. Denn der 39-jährige Fernfahrer hat in seinem umgekippten Fahrzeug Schnittwunden am Fuß und einige Prellungen erlitten.

Auch diese relativ leichten Verletzungen bedeuten Glück im Unglück – für beide Beteiligten. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Till Neumann, mitteilt, bleibt es für den Unfallverursacher bei einer Geldstrafe von drei Monatsgehältern und dem Verlust des Führerscheins. Warum die Strafe so gering ausfällt, sagt er nicht. Das Urteil ist zum Beginn dieses Jahres in Kraft getreten. „Ich gehe davon aus, dass mehrere Gutachter für den Fall tätig geworden sind“, erklärt Till Neumann die etwas längere Prozessdauer.

Aus den Unterlagen der Staatsanwaltschaft lässt sich außerdem entnehmen, dass die Unfallfahrt in dem Skoda mit Görlitzer Kennzeichen an jenem Sonnabendmorgen von Rothenburg aus ihren Lauf genommen hat. Außerdem hat der junge Mann auf der falschen Spur wohl zunächst den Standstreifen genutzt und das Auto erst nach einigen Hundert Metern auf die reguläre Fahrbahn gelenkt. Ob aus Unvermögen, das Fahrzeug zu steuern, oder ob Absicht dahintersteckte, ist aus den Informationen der Staatsanwaltschaft nicht zu beurteilen.

In besonderer Weise betroffen hat der Unfall die Anwohner, die ihre Häuser nahe der Autobahnbrücke haben. Augenzeuge Harald Fohl hat damals erzählt, wie Glassplitter auf Oberrengersdorf regneten. Zuvor hat es einen lauten Knall gegeben. Und dann noch einen. Was der Kodersdorfer sieht, ist eine schwarze Rauchwolke. Und Flammen, die aus einem Fahrzeug lodern. All das ist hoch oben auf der Fahrbahn zu sehen. Harald Fohl und seine Familie wohnen unterhalb der Brücke.

Auch die Einsatzkräfte hat das Unglück an ihre Grenzen geführt. Zeitweise sind bis zu 70 Feuerwehrmänner aus Kodersdorf, Horka, Niesky, See und Nieder Seifersdorf im Einsatz. Auch das Technische Hilfswerk kommt mit 14 Einsatzkräften hinzu. Die Bergungs- und Aufräumarbeiten ziehen sich über den gesamten Tag: Als der Verkehr gegen 1 Uhr am Sonntagmorgen wieder rollt, können die Beteiligten erst einmal aufatmen.

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