• Einstellungen
Freitag, 08.09.2017

Unzufrieden mit dem Unentschieden

Dynamo kommt gegen Greuther Fürth nicht über ein 1:1 hinaus – weil die Defensivprobleme nicht behoben sind.

Von Tino Meyer und Sven Geisler

8 Das Dynamo-Zeugnis: Duljevic ist eine Verstärkung

Ja, was soll ich machen, habe ich ihn halt reingeschossen, scheint Philip Heise hier zu sagen. Sein Tor zum 1:0 ist sehenswert, doch zum Sieg reicht das nicht.
Ja, was soll ich machen, habe ich ihn halt reingeschossen, scheint Philip Heise hier zu sagen. Sein Tor zum 1:0 ist sehenswert, doch zum Sieg reicht das nicht.

© Robert Michael

Dresden. Schritt nach vorne oder Rückschlag? Für Marco Hartmann, den Kapitän von Dynamo Dresden, gibt es nach dem 1:1 gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth keine zwei Meinungen. „Das ist sehr bitter, weil wir eine gute Leistung gezeigt haben“, sagt Hartmann und hadert – mit dem späten Ausgleich der Gäste, die am Freitagabend als punktloser Tabellenletzter angetreten sind, vor allem aber mit der Chancenverwertung. „Wir haben es einfach verpasst, die Konter besser auszuspielen“, meint er.

Die eigenen Unzulänglichkeiten sind zu groß, wie Hartmann gesteht. Ein ungenauer Pass, ein überhasteter Abschluss, die knappe Abseitsstellung oder der Fürther Torwart – irgendwas ist immer. „Wir müssen die Überzahl- und Kontersituationen viel besser nutzen und das Spiel für uns entscheiden“, betont auch Uwe Neuhaus. Der Cheftrainer ist eine halbe Stunde nach Abpfiff immer noch hin- und hergerissen: zum einen das verbesserte Auftreten, für das er seine Mannschaft ausnahmslos lobt, andererseits der Ausgleich in der 82. Minute, bei dem alles zusammenkommt.

Dynamos Innenverteidiger Florian Ballas lässt sich von Philipp Hofmann düpieren. Der eingewechselte Fürther nimmt bei der Ballmitnahme aber die Schulter zu Hilfe. Oder den Oberarm? Schiedsrichter Martin Thomsen lässt ihn gewähren. Die Szene ist strittig – für Neuhaus jedoch eindeutig. „Absolute Frechheit, ein irreguläres Tor. Das konnte man schon vom Bewegungsablauf fühlen“, schimpft Neuhaus, der bereits auf dem Weg zum vierten Offiziellen an der Seitenlinie gewesen ist, als der Ball die Torlinie überquert. Protest zwecklos.

Deshalb steht am Ende doch ein 1:1 an der Anzeigetafel und nicht der laut Hartmann aufgrund von Spiel- und Chancenanteilen verdiente, klare Sieg. „Es war eine gute Reaktion von uns auf die letzten beiden Spiele. Fußballerisch lief es gut, wenn auch nicht optimal. Sonst hätten wir mit drei oder vier zu null gewonnen“, sagt der Kapitän. Dabei scheint zumindest der knappe Heimsieg durch Philip Heises fulminanten Schuss zum 1:0 in der 36. Minute besiegelt zu sein – trotz der vergebenen guten bis sehr guten Chancen danach. Sascha Horvath steht in der 44. Minute frei vorm Tor, spielt jedoch einen Fehlpass auf den ebenso freistehenden Aias Aosman. Nach der Pause, als Dynamo vermehrt kontert, verpassen Heise (49.), Horvath (52.) sowie Hartmann (59.) die Entscheidung. „Wenn Dynamo das 2:0 macht, ist für uns die Tür zu“, gesteht Fürths Interimstrainer Mirko Dickhaut, der an dem Abend rundum zufrieden ist. Hartmann macht sich und den Kollegen dagegen Mut: „Man muss das Gute rausziehen, weil es ein Fortschritt war.“

Das Dynamo-Zeugnis: Duljevic ist eine Verstärkung

1 von 15

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Marvin Schwäbe: Note 3: Muss sich bei den Freistößen von Gjasula strecken (25., 41.), mindestens genauso wichtig: seine Sicherheit im Passspiel.

Paul Seguin: Note 4: Offensiv geradezu schüchtern, erste Flanke nach gut 26Minuten hinters Tor. Defensiv mit Problemen. Erkennbare Anpassungsprobleme.

Jannik Müller: Note 3: Einige Fehler im Aufbau, den schlimmsten bügelt er selbst aus (16.). Eigentlich passen solche hektischen Szenen nicht zu seinem ruhigen Spiel.

Florian Ballas: Note 4: Verpasst das Führungstor nach 75Sekunden. Sein Stellungsfehler führt zum Ausgleich – ihm fehlt die Souveränität der Vorsaison.

Philip Heise: Note 2: Teilweise wie ein Linksaußen, mit überragender Schusstechnik, Flankengeber und – Traumtorschütze. Hinten zwei, drei kleine Wackler.

Marco Hartmann: Note 2: Der Abräumer zu Land und in der Luft beherrscht auch die Grätsche. Ist mit seiner Präsenz für die Stabilität unverzichtbar.

Rico Benatelli: Note 3: Verrichtet unspektakulär, aber effektiv seine Arbeit als Lückenschließer und Balleroberer, beim Konter einmal zu zögerlich (17.).

Aias Aosman: Note 3: Ist als Spielmacher viel unterwegs und oft am Ball, leitet ihn meist gut und sicher weiter. Später auch auf links sehr aktiv.

Sascha Horvath: Note 4: Kann seine körperlichen Defizite zunächst kaum kompensieren, verschludert ein mögliches 2:0 (44.). Steigert sich.

Haris Duljevic: Note 2: Harmoniert auf Anhieb sehr gut mit Heise auf links – nicht nur beim 1:0. Laufstark, technisch versiert – eine echte Verstärkung.

Lucas Röser: Note 5: Den Kampf um seinen Stammplatz hatte er wohl schon vorher aufgegeben, versteckt sich vor der Pause nahezu komplett.

Niklas Hauptmann: Note 3: Das langersehnte Comeback des Dribblers, sorgt sofort mit Tempo und Technik für Überraschungsmomente.

Peniel Mlapa: Note 3: Seine ersten 20Minuten in Schwarz-Gelb lassen noch nicht viel erkennen.

Nicht zu bewerten: Niklas Kreuzer. (SZ/-ler)

Tatsächlich präsentiert sich Dynamo deutlich verbessert – und mit neuen Gesichtern. Zwei der vier nach Saisonbeginn verpflichteten Neuzugänge stellt Neuhaus in die Startelf: Paul Seguin und Haris Duljevic. Vor allem der Bosnier steht auf Anhieb immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens. Zusammen mit dem ähnlich auffälligen Außenverteidiger Heise beackert er eindrucksvoll die linke Seite – mit Tempo, Spielwitz und Zug zum Tor. Dass beide in Co-Produktion für die Führung sorgen, indem Heise das Zuspiel von Duljevic verwertet, ist nur folgerichtig – und Dynamos großes Glück. Denn ansonsten läuft nach guten Anfangsminuten nicht viel zusammen.

Was auch mit der anderen, der rechten Seite zu tun hat. Neben Seguin spielt dort Horvath, auch er in der Liga erstmals von Anfang an. Das überrascht schon eher, weil der agile Niklas Kreuzer ebenso zu den Reservisten gehört wie der zuletzt schmerzlich vermisste, inzwischen aber wiedergenesene Niklas Hauptmann. Die Sturm-Riesen Peniel Mlapa und Eero Markkanen setzt Neuhaus ebenfalls erst einmal auf die Bank – und gibt Lucas Röser als Mittelstürmer den Vorzug. Auch diese Personalentscheidung kommt einigermaßen unerwartet, weil sich Röser abgesehen von den zwei Toren bislang kaum in Szene setzen konnte. Andererseits wäre es wohl ein zu großer Affront gegenüber Röser gewesen, ihn gleich bei der erstbesten Gelegenheit aus der Anfangself zu nehmen.

Zittern, staunen und hoffen

Auch ein anderes Problem besteht weiter: die Abwehr, mit neun Gegentoren der Sorgenfall in den ersten vier Partien. Daraus, das betont Innenverteidiger Jannik Müller, haben sie in der Länderspielpause aber gelernt und ihre Schlüsse gezogen. Trotzdem gelingt es den Franken, nach vier Niederlagen selbst alles andere als gefestigt, immer wieder zu leicht, bis vors Dresdner Tor zu kommen. Nur dass Fürth seine zwei, drei Vorstöße anders als die Gegner in den Vorwochen nicht konsequent nutzt.

So bleibt es spannend bis zum Schluss. Die letzten 10, 15 Minuten sind Zittern bei Fürther Angriffsversuchen, Staunen über den eingewechselten Hauptmann und dessen Vermögen, auf Anhieb die Offensive zu beleben, und Hoffen auf das erlösende 2:0. Stattdessen fällt das 1:1. Das Resultat ist für Dynamo auf jeden Fall ein Rückschlag.

Der Vorgriff auf die Zukunft, den Sportchef Ralf Minge bekanntgibt, gerät zur Randnotiz: die Vertragsverlängerung bis 2022 mit Vasil Kusej. Den Namen wird man sich merken müssen. Der 17-jährige Tscheche, schon jetzt im Training bei den Profis, gilt nicht nur in seinem Heimatland als das Toptalent seiner Altersklasse. Aktuell kann er aber Dynamo noch nicht helfen.

Wie haben Ihnen die Dynamo-Spieler gegen die SpVgg Greuther Fürth gefallen?


Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Seite 1 von 2

Insgesamt 8 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Legende53

    Die Mannschaft scheint ein großes mentales Problem zu haben. Die Einstellung hat sich verbessert, aber die Chancenverwertung in Verbindung mit der wackligen Abwehr ist einfach tödlich. Anstatt den Sack Anfang der 2. HZ zuzumachen spielt man auf Halten, wird imer nervöser und kassiert folgerichtig den Ausgleich. Und das gegen einen Gegner, der vor dem Spiel völlig am Boden und schon zur 60. Minute stehend k.o. war! Vom Supereinkauf Mlapa war wie erwartet außer einem Umfaller nichts zu sehen.

  2. Martin H.

    Wir müssen dringend die Spielregeln ändern. Schon wieder ein Spiel in den letzten 10 Minuten vergeigt. Gefühlt das 100te in den letzten Jahren. Ein Spiel dauert ab sofort nur noch 80 Minuten. Bundesliga wir kommen.

  3. Glocke 22

    Dynamo lässt unnötig Punkte liegen und schlägt sich selbst! Mann lässt das 2 zu 0 liegen und spielt wie so oft in den letzten 15 min weder richtig nach vorn noch sichert mann hinten ab. Balals macht viele Fehler die oft auch zu Gegentore führen. War aber auch keine weitere Absicherung dabei! Trainer hat auch überhaupt kein glückliches Händchen! In meinen Augen völlig falsch ausgewechselt! Ein aosmann muss längst raus. Wahrscheinlich hat Neuhaus immer seine Lieblinge die spielen dürfen! Auf jeden Fall sind wir zu brav. Mut und Hoffnung war aber die spielerische Steigerung und unser Bosnier. Hauptmann muss von Anfang an spielen. Der Finne im Sturm sehe ich nicht als Verstärkung! Bin gespannt ob Aufsteiger Regensburg uns an die Wand spielt oder wir endlich sehen was Dynamo kann. Trotz Abgänge hörte ich zu viel wie schwer die neue sasion wird. Wenn man das überall täglich hört dann glauben das auch die Spieler! Auf Dynamo und habt Bock Tore zu schießen. Wie heißt es, kämpfen und siegen??

  4. Glocke 22

    Dynamo lässt unnötig Punkte liegen und schlägt sich selbst! Mann lässt das 2 zu 0 liegen und spielt wie so oft in den letzten 15 min weder richtig nach vorn noch sichert mann hinten ab. Balals macht viele Fehler die oft auch zu Gegentore führen. War aber auch keine weitere Absicherung dabei! Trainer hat auch überhaupt kein glückliches Händchen! In meinen Augen völlig falsch ausgewechselt! Ein aosmann muss längst raus. Wahrscheinlich hat Neuhaus immer seine Lieblinge die spielen dürfen! Auf jeden Fall sind wir zu brav. Mut und Hoffnung war aber die spielerische Steigerung und unser Bosnier. Hauptmann muss von Anfang an spielen. Der Finne im Sturm sehe ich nicht als Verstärkung! Bin gespannt ob Aufsteiger Regensburg uns an die Wand spielt oder wir endlich sehen was Dynamo kann. Trotz Abgänge hörte ich zu viel wie schwer die neue sasion wird. Wenn man das überall täglich hört dann glauben das auch die Spieler! Auf Dynamo und habt Bock Tore zu schießen. Wie heißt es, kämpfen und siegen??

  5. Wilischgeist

    Meyer&Geisler !!! Aosman als Spielmacher - was habt ihr gesehen ? Er ist völlig verunsichert, immer im Rückwärtsgang und hätte zur Pause unter die Dusche gehört. 28.000 x heissss 11 x lauwarm so gewinnt man nichts, es wird eine sehr schwere Saison.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 2

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.