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Freitag, 12.01.2018

Unfreiwillige Panzerparade

Nach zweieinhalb Tagen Zwangspause kann der auf der A 4 bei Bautzen gestoppte Militärtransport seine Reise fortsetzen.

Ungewöhnliches Spektakel auf dem Rasthof Oberlausitz: Eine amerikanische Panzerhaubitze wird umgeladen.
Ungewöhnliches Spektakel auf dem Rasthof Oberlausitz: Eine amerikanische Panzerhaubitze wird umgeladen.

© Uwe Soeder

Bautzen. Dieser Anblick ist schon ziemlich speziell: Ein polnischer Schwerlastkonvoi mit sechs US-amerikanischen Panzerhaubitzen steht seit Dienstagmittag auf dem Autobahnrasthof Oberlausitz-Nord. Viele Neugierige kommen, um sich das anzusehen. „Das hat man ja nicht alle Tage“, sagt ein Mittsechziger aus Herrnhut, der im Radio von den Panzern gehört hatte und nun extra ins Auto gestiegen ist. Die polnischen Fahrer allerdings sind genervt. Sie stehen im Grüppchen und rauchen. Reden wollen sie nicht. „Nix verstehen“, sagen sie und winken ab. Zwei Tage und zwei Nächte haben sie jetzt schon auf dem Rasthof verbracht, der dritte Tag ist gleich um, die dritte Nacht steht bevor.

Bilder vom Umladen der Panzer

Ihre Rast auf dem Rasthof ist ziemlich unfreiwillig. Eine Polizeistreife hatte die Fahrzeuge am Dienstagmittag allesamt aus dem Verkehr gezogen und die Weiterfahrt untersagt: Die aufgeladenen Panzer waren für die Sattelschlepper zu groß und zu schwer, die Transportgenehmigungen fehlten, es gab kein Begleitfahrzeug, die Fahrer hatten die Lenkzeiten überschritten.

„Es war einfach gar nichts in Ordnung“, sagt ein Beamter der Autobahnpolizei, der mittlerweile ebenfalls ziemlich genervt ist. Denn auch zwei Tage später, am Donnerstagnachmittag, ist längst noch nicht alles in Ordnung. Aber wenigstens kommt nun langsam wieder Bewegung in den gestoppten Konvoi.

Eine der beiden polnischen Speditionen, die von der US-Armee mit dem Transport beauftragt sind, hat drei Ersatzfahrzeuge geschickt, auf die die Panzer umgeladen werden sollen. Das „Umparken“ aber können nur Panzerfahrer der US-Armee bewerkstelligen. Auch die müssen am Donnerstag extra aus ihrem Stützpunkt in Bayern anreisen. Nach und nach treffen die erforderlichen die Transportpapiere und Genehmigungen ein. Aber die Papiere kommen alle einzeln und scheibchenweise. Die Polizeibeamten, die schon seit dem Morgen vor Ort sind, müssen sie sortieren und zusammenpuzzeln. „Ein Chaos, das wir jetzt zuordnen müssen“, schimpfen die Kollegen. Die polnischen Fahrer schimpfen, weil die Polizei in ihren Augen nicht schnell genug arbeitet.

Thomas Gollmer versucht zu beruhigen. Der Spezialist und Dienstleister für Schwerlast- und Großraumtransporte aus Bautzen ist eigentlich nur zufällig vorbeigekommen. Er bleibt, um den Polizeibeamten in dem Papierwirrwarr zu helfen. Der 49-Jährige schüttelt immer wieder ungläubig den Kopf, wie dilettantisch die polnischen Speditionen diesen Transport abwickeln wollten. Auch Thomas Gollmer hat – der Zufall will es – als Speditionsdienstleiter an eben dieser Verlegung von militärischem Gerät der US-Armee von Torun in Nordpolen zum Truppenübungsplatz Grafenwöhr in Bayern mitgearbeitet, ebenfalls mit einer polnischen Spedition. Die beiden Schwerlaster des von ihm organisierten Transports sind längst wohlbehalten in Bayern angekommen, erzählt er. „Die Spediteure sind jetzt in der Pflicht“, erklärt der Experte. Wenn alle Papiere vollständig und die technischen Mängel abgestellt sind, werden die Spezialisten der Autobahnpolizei erneut ein strenges Auge auf die Fahrzeuge werfen. Erst, wenn die Verkehrssicherheit in allen Punkten gegeben ist, darf der Konvoi seine Reise fortsetzen.

„Für uns ist das ein ganz normaler Schwerlasttransport“, sagt Polizeisprecher Thomas Knaup. Immer wieder kommt es vor, dass auch militärisches Gerät über die A 4 transportiert wird. „Die Panzer sind selbstverständlich nicht aufmunitioniert“, fügt Knaup hinzu.

Am späten Donnerstagabend ist es geschafft: Drei Panzer sind umgeladen, die Papiere sind vollständig, die Polizisten haben an der Sicherheit des Transports nichts mehr zu beanstanden. Die Schwerlaster mit den amerikanischen Panzerhaubitzen dürfen weiterfahren. Das ungewöhnliche Spektakel auf dem Rasthof ist beendet.

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