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Montag, 09.10.2017 Gerichtsbericht

Unfall mit 3,48 Promille

Erheblich unter Alkohol stehend, hatte ein Mann in Freital einen Unfall verursacht. Eine Strafe droht ihm dennoch nicht.

Von Yvonne Popp

© Symbolbild/dpa

Von seinen früheren Trinkgewohnheiten habe sie nichts gewusst, sagte die Schwester des Angeklagten. Seit er bei ihr wohne, so versicherte sie, sei er trocken, habe nicht einen Tropfen Alkohol angerührt. „Da kann eine Flasche herumstehen, das juckt ihn überhaupt nicht“, erklärte sie am Amtsgericht in Dippoldiswalde.

Es gab aber offenbar Zeiten, in denen das anders war. Am 20. Dezember vergangenen Jahres, so steht es in der Anklage, soll Gottfried T. mit seinem Pkw in Freital unterwegs gewesen sein – schwer angetrunken. Beim Abbiegen in die Bahnhofsstraße war er zu weit nach rechts abgedriftet und hatte dabei ein parkendes Auto gestreift.

Knapp 1400 Euro betrug der Schaden. Doch statt anzuhalten, war der 61-Jährige weiter gefahren, konnte aber wenig später von Zeugen und Polizei gestoppt werden. Ein Blutalkoholtest hatte einen Wert von 3,48 Promille ergeben. Für einen nicht an Alkohol gewöhnten Menschen eine lebensgefährlich hohe Dosis.

An die Fahrt konnte sich der Mann aus Dresden, der für kurze Zeit auch in Freital lebte, zur Hauptverhandlung in Dippoldiswalde nicht mehr erinnern. Seine Schwester, die seit Anfang dieses Jahres für ihn sorgt und auch als Betreuerin für ihn eingesetzt ist, musste für ihn sprechen.

Die Seniorin erklärte, dass ihr Bruder an alkoholbedingter Demenz leidet. Das bestätigte dann auch die Hausärztin des Angeklagten. Sie erklärte, dass sich dessen Gesundheitszustand im letzten Jahr dramatisch verschlechtert habe. Ursprünglich sei Gottfried T. wegen eines Rückenleidens bei ihr in Behandlung gewesen. Später habe sie auch Anzeichen für Alkoholmissbrauch festgestellt, sagte die Ärztin. Bei den ersten Besuchen in ihrer Praxis sei der Angeklagte noch selbstständig gewesen, berichtete sie weiter. Später habe er dann bei allem die Unterstützung seiner Schwester gebraucht. Auch dass der Mann damals schon Gedächtnisprobleme hatte, war der Ärztin aufgefallen. „Er wiederholte sehr oft Sätze, die er gerade erst gesagt hatte“, teilte sie mit. Eine alkoholbedingte Demenz sei also nicht auszuschließen.

Nachdem die Schwester des Angeklagten außerdem noch mehrere andere ärztliche Gutachten vorlegen konnte, entschied das Gericht, das Verfahren wegen fahrlässigen Vollrauschs einzustellen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der schwer kranke Mann zuvor dauerhaft auf die Herausgabe seiner Fahrerlaubnis verzichtet hatte.