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Dienstag, 14.03.2017 Gerichtsbericht

Und plötzlich war da Schnee

Drei Menschen wurden verletzt, als ein junger Mann mit seinem Auto ins Schlingern geriet. War er zu schnell unterwegs?

Von Yvonne Popp

Der Polo war gegen die Leitplanke und gegen einen entgegenkommenden Wagen gekracht.
Der Polo war gegen die Leitplanke und gegen einen entgegenkommenden Wagen gekracht.

© Archiv: M. Förster

Osterzgebirge. Ein Unfall bei Liebenau am 20. Februar vergangenen Jahres beschäftigte jetzt das Jugendgericht in Dippoldiswalde. Damals befand sich ein junger Mann zusammen mit einem Bekannten auf dem Rückweg von Dresden nach Altenberg. Auf halber Strecke zwischen der Autobahnabfahrt Bad Gottleuba-Berggießhübel und Liebenau verlor der heute 20-Jährige die Kontrolle über seinen VW Polo. Er prallte an die Leitplanke und schließlich auch noch in ein entgegenkommendes Fahrzeug, dessen Insassen dabei schwer verletzt wurden. Auch der Beifahrer des jungen Mannes zog sich Knochenbrüche und ein Schädel-Hirn-Trauma zu.

Unfallgegner und Polizei hatten anschließend Anzeige erstattet. Nun musste sich das Gericht mit der Frage beschäftigen, ob der junge Autofahrer damals grob gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen und sich somit einer fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht hatte.

Zu den näheren Umständen befragt, erklärt der Angeklagte, dass die Staatsstraße am Unfalltag zwar nass, aber nicht glatt gewesen sei. Kurz bevor die S 174 vor Liebenau in eine große Kurve mündet, habe ihn sein Beifahrer aber gewarnt. „Pass auf, dahinter ist es meistens glatt. Mach langsamer“, soll er gesagt haben. „Genau in dem Moment fuhr ich schon auf einen verwehten Straßenabschnitt“, schildert der junge Mann, der erst drei Wochen vor dem Unfall den VW Polo bekommen hatte, weiter. Aber statt vom Gas zu gehen und herunter zu schalten, habe er gebremst. Deshalb war sein Auto ins Rutschen geraten. „Ich hatte einfach zu wenig Fahrpraxis“, räumt er ein.

Außer ihm kann sich heute nur noch der Fahrer des entgegenkommenden Fahrzeugs, ein Geschäftsmann aus Dresden, an den Unfallhergang erinnern. Denn die beiden anderen Zeugen, die die Beifahrer in beiden Autos waren, hatten durch den heftigen Zusammenprall das Bewusstsein verloren. Der Mann sagt, dass die Straßen damals streckenweise stark verweht gewesen seien. Die Ortsdurchfahrt Liebenau aber nicht. Die sei frei gewesen. Erst nach dem Kreisverkehr, als die Straße anzusteigen begann, habe zunehmend mehr Schnee auf der Fahrbahn gelegen, so der Zeuge.

Auf der Anhöhe hatte der 46-Jährige dann den Polo kommen sehen. „Guck mal, wie schnell der ist“, will er noch zu seiner Beifahrerin gesagt haben. Genau in dem Moment war der Kleinwagen schon ins Schlingern geraten. „Zuerst prallte er in seine Leitplanke, dann schlitterte er auf unsere Fahrbahn, krachte hier in die Leitplanke und schließlich gegen mein Auto“, berichtet der Geschädigte. Durch den Aufprall wurden beide Autos stark beschädigt. Der Geschäftsmann hatte einen Lendenwirbelbruch erlitten, die Frau auf der Beifahrerseite ein Schädel-Hirn-Trauma und einen Brustbein-Bruch. Noch an der Unfallstelle, so der Geschädigte, habe sich der Angeklagte bei ihm entschuldigt und sich um Hilfe für die Verletzten gekümmert.

Ob der Polo-Fahrer tatsächlich mit deutlich überhöhter und der Witterung unangepasster Geschwindigkeit unterwegs gewesen war, wie der Geschädigte kritisiert, kann die Polizei nicht bestätigen. Der zuständige Ermittlungsbeamte berichtet, dass die Straßen tatsächlich über weite Strecken schneefrei waren. Er und auch der Beifahrer des Angeklagten halten es für wahrscheinlich, dass sich die Fahrbahnverhältnisse recht plötzlich geändert hatten.

Auch der vorsitzende Richter glaubt, dass es damals keine konkreten Hinweise auf Glätte gegeben hatte. Zu spät, so sagt er, habe der fahrerisch noch unerfahrene Angeklagte die Gefahr erkannt und dann zu heftig reagiert. Damit habe er in einem weit geringeren Maße gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen, als wenn er bei komplett schneebedeckter Fahrbahn zu schnell unterwegs gewesen wäre, erklärt er und stellt das Verfahren gegen den 20-jährigen Mann vorläufig ein. Allerdings muss dieser eine Zahlung in Höhe von 400 Euro an die Helene-Maier-Stiftung leisten.

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