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Freitag, 08.12.2017

Und ewig lockt das Buch

Digitale Medien machen sich in der Görlitzer Stadtbibliothek immer breiter. Trotzdem ist das Interesse am Gedruckten ungebrochen.

Von Daniela Pfeiffer

Ines Thoermer leitet die Görlitzer Stadtbibliothek. Ihre Herausforderung ist es, das Buch hoch zu halten, aber auch die elektronische Welt Einzug halten zu lassen. Das gelingt ganz gut – etwa mit Spielen für die Playstation, die an einer Extra-Wand präsentiert werden.
Ines Thoermer leitet die Görlitzer Stadtbibliothek. Ihre Herausforderung ist es, das Buch hoch zu halten, aber auch die elektronische Welt Einzug halten zu lassen. Das gelingt ganz gut – etwa mit Spielen für die Playstation, die an einer Extra-Wand präsentiert werden.

© Pawel Sosnowski

Görlitz. An die 300 Besucher strömen an normalen Tagen in die Görlitzer Stadtbibliothek. An sehr guten Tagen – meist Freitag und Sonnabend – können es auch mal 500 sein. Laut einer Umfrage, die Bibliothekschefin Ines Thoermer vor einiger Zeit machen ließ, sind auch alle hochzufrieden. Trotzdem hat in der Bibliothek auf der Jochmannstraße jetzt eine hochkarätig besetzte Konferenz stattgefunden. Thema: Wie können Bibliotheken der Zukunft aussehen, was müssen sie leisten, damit die Menschen auch inmitten einer digital bestimmten Welt noch kommen.

Ein Stück weit ist das in den Räumen der Bibliothek auf der Jochmannstraße schon jetzt zu sehen. E-Book-Reader, Computerspiele, aber auch Online-Angebote wie Apps zum Sprachen lernen oder Online-Lexika – all das bietet die Stadtbibliothek längst. „Und die Nutzung der digitalen Medien steigt auch von Jahr zu Jahr“, sagt Ines Thoermer. Vor vier Jahren wurden die ersten Angebote in dieser Richtung gemacht, inzwischen ist der Bestand deutlich gewachsen, die Menschen werden im Umgang immer sicherer. Für diejenigen, die es nicht sind, gibt es Beratung. Treffpunkt Onleihe heißt das und findet zweimal im Monat statt. Der nächste Termin ist der 18. Dezember um 16.30 Uhr.

Die Bibliotheksnutzer hatten sich mehr digitale Angebote übrigens selbst gewünscht. Das ergab eine Umfrage vor zwei, drei Jahren. „Wo wir uns umstellen müssen, darüber denken wir schon länger nach“, sagt Frau Thoermer. Die Fachkonferenz neulich hat eines ganz deutlich gezeigt: In Zukunft werden Bibliotheken noch mehr zu Verweilorten. Bürgermeister Michael Wieler hat an der Konferenz teilgenommen. Ein Beispiel aus Dänemark hat ihn besonders beeindruckt. In der Stadt Aarhus gibt es eine Bibliothek, zu der auch Computer gehören, an denen Nutzer verschiedene Dienste angeboten bekommen – zum Beispiel den neuen Personalausweis zu beantragen. Weiterhin gibt es in besagter Bibliothek eine Fahrradreparaturwerkstatt, eine 3-D-Drucker-Werkstatt, und viele andere Aufenthaltsräume. „Das ist ein sozialer Ort der Kommunikation, und hier geht es um keine Vision, sondern um gebaute Bibliotheken. Eine Bibliothek rein als Ort, an dem Medien hinterlegt sind, muss man in Zukunft vielleicht hinterfragen.“ Mit der Görlitzer Stadtbibliothek sei er als zuständiger Bürgermeister zwar sehr zufrieden, jedoch sagt er auch: „Vor diesen Hintergründen müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie man Bibliothek auch in Görlitz neu denken kann.“ Die Idee einer Soziothek, dieser Begriff wurde für ein solches neues Bibliotheksmodell geprägt, gefällt Wieler gut. Dazu müsste die Bibliothek noch stärker Kooperationen mit Vereinen und Institutionen in der Stadt eingehen, um eine solch bunte Angebotspalette bieten zu können. Aber wäre überhaupt Platz dafür? Auch das sei zu bedenken.

In jedem Fall möchte Bürgermeister Wieler noch einmal die Bevölkerung dazu befragen. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung soll der bereits abgeschlossene Wettbewerb „Wie soll die Bibliothek der Zukunft aussehen“ noch einmal aufgelegt werden. Ines Thoermer kann sich für die neuen Ideen ebenfalls begeistern. Ihr Haus sei eigentlich auch jetzt bereits ein Ort der Begegnung – für manche gar ein zweites Zuhause. Sie wundert sich darüber nicht, immerhin gebe es in der Stadt viele Einzelhaushalte, viele hätten auch immer noch kein W-Lan daheim, Senioren kommen bewusst, um sich hier zu treffen. Deshalb ist in den vergangenen Jahren schon viel für einen gemütlichen Charakter getan worden, etwa mit schönen Räumen und Sitzecken. In dieser Richtung soll es weitergehen. Eine wichtige Zielgruppe sind auch die Kinder. Bei den Kinderbüchern seien die Ausleihzahlen immer noch steigend. Eine wunderschöne neu gestaltete Kinderbibliothek lockt die Kleinen.

Frau Thoermer kann sich als digitale Ergänzung unter anderem einen Touch Table vorstellen, eine Art Computertisch mit vielen interaktiven Möglichkeiten zum Lernen. Natürlich gehen alle Veränderungen mit Umstrukturierungen in den Aufgaben einher. 16 Kolleginnen teilen sich die Arbeit und stellen sich der Herausforderung Digitalisierung. „Aktualität ist unsere Prämisse“, fasst Ines Thoermer zusammen, beruhigt aber zugleich alle, die das gute alte Buch schätzen und nicht missen möchten. Natürlich werde es Bücher weiterhin geben. Sie werden garantiert nicht verschwinden, um digitalen Angeboten Platz zu machen.

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