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Samstag, 30.12.2017 Rückblick 2017

Umstrittener Häuser-Abriss bringt Preis

Radeberg bekommt ein erlebbares Röder-Ufer. Das begeistert zunächst außerhalb mehr als in der Stadt selbst …

Von Jens Fritzsche

Ende September wurden die beiden Häuser Bebelstraße 3 und 5 mitten in Radeberg abgerissen. Dem war ein durchaus hitziger Streit in der Stadt vorausgegangen. Nun soll hier der erste Teil des neuen „Grünen Bandes“ entstehen.
Ende September wurden die beiden Häuser Bebelstraße 3 und 5 mitten in Radeberg abgerissen. Dem war ein durchaus hitziger Streit in der Stadt vorausgegangen. Nun soll hier der erste Teil des neuen „Grünen Bandes“ entstehen.

© Thorsten Eckert

Radeberg. Am Ende gab’s für Radeberg sogar einen Preis! Für eines der umstrittensten Projekte des Jahres 2017 nämlich. Für den Abriss der beiden morschen Häuser Bebelstraße 3 und 5 mitten im Stadtzentrum, gleich gegenüber des Radeberger Biertheaters. Wobei das nicht ganz richtig ist, für den Abriss gab es den Preis nicht, sondern für die Idee, die auf der Fläche der beiden Häuser nun umgesetzt werden soll.

Denn die seit Jahren nicht mehr wirklich ansehnlichen und zu großen Teilen auch nicht mehr bewohnten Gebäude sollten Platz machen für den Start der Idee vom Grünen Band. Das soll sich bekanntlich in den kommenden Jahren Stück für Stück entlang der Röder durch Radeberg schlängeln, soll das Ufer des Flusses sozusagen erlebbar machen. Eine grüne Verbindung zwischen dem Hüttertal auf der einen Seite und dem Beginn des Seifersdorfer Tals im Ortsteil Liegau-Augustusbad auf der anderen Seite.

Dafür hat sich im Stadtrat extra eine Arbeitsgruppe gebildet, in der nicht nur Stadträte, sondern auch Bürger mit spannenden Ideen sitzen. Und so ist für das Areal an der Bebelstraße – zwischen der Straßenbrücke und dem Parkplatz in der Kurve zur Pulsnitzer Straße – nun also vorgesehen, einige grüne Ruhezonen zu schaffen, aber auch Spielplätze und sogar einen erlebbaren Strandbereich. Läuft alles nach Plan, will sich Radeberg das Ganze sozusagen zum Geschenk machen. 2019 nämlich, wenn die Stadt ihr 800. Jubiläum feiert, soll dieser erste Schritt des Grünen Bandes übergeben werden.

In Blickfeld von Dresdnern

Und weil das Ganze eben gut in die aktuell in Deutschland laufende Diskussion um mehr Grün in Städten passt – gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels samt immer trockenerer Sommer –, gab’s für das Projekt jetzt im Rahmen des sächsischen Innenstadt-Wettbewerbs „Ab in die Mitte“ einen 20 000 Euro-Preis.

Aber unumstritten war das Projekt, war vor allem der Abriss der beiden Häuser letztlich nicht. Wobei sich noch vor Jahren in Radeberg niemand wirklich darüber aufgeregt hatte, dass hier die Abrissbagger an den beiden Häusern nagen sollten. Als der Stadtrat den Abriss schon mal vor gut fünf Jahren ins sprichwörtliche Auge gefasst hatte, war kein Proteststurm losgebrochen, nicht mal ein lauer Protestwind. Doch seit in den vergangenen Jahren immer wieder morsche Ruinen nicht abgerissen, sondern stattdessen von Investoren gekauft und saniert worden waren, weil Radeberg zunehmend ins Blickfeld von Dresdnern gerückt ist, die hier preiswerten Wohnraum suchen, seither wird zunehmend der Ruf laut, historische Anblicke zu erhalten. Und so war der zwar seit Jahren geplante, bisher aber wegen fehlender Fördermittel vertagte Abriss der Bebelstraßen-Häuser dann doch noch zum Streitthema geworden.

An der Niederstraße direkt am Markt zum Beispiel wurde ins Diskussionsfeld geführt oder auch die alte Verleger-Villa am Eingang zur Hauptstraße. Hier waren auf den ersten Blick kaum noch zu rettende Häuser doch noch zu neuem Wohnleben erweckt worden. Warum also nicht hier an der Bebelstraße auch? Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) hatte die Antwort dabei fast schon gebetsmühlenartig immer wieder gegeben: Auch Experten waren zum Ergebnis gekommen, dass eine Sanierung hier nicht mehr möglich sei. Zumindest die Bebelstraße 3 sei nicht mehr zu retten – „da aber beide Häuser baulich zusammenhängen, kann auch die Nummer 5 nicht gerettet werden“, so Lemm. Zudem mache eine Sanierung auch nur Sinn, wenn am Ende der komplette Straßenzug bebaut werden würde. Aber das ist nicht geplant. Letztlich gab es wohl aber sogar doch noch einen Investor, der sich an eine Sanierung wagen wollte. Und so stand der Stadtrat dann doch noch vor der Frage: Häuser retten oder Grünes Band? Die Entscheidung war eindeutig. Zu einer lebenswerten Innenstadt, so die einhellige Meinung im Stadtrat, gehöre neben Gebäuden eben auch Grün. Und so rollten die Abrissbagger dann im Herbst an.

Ende November gab’s dann den erwähnten Preis. Und wenn demnächst hier das neue Grün gewachsen ist, werden wohl auch die Kritiker versöhnt sein …