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Mittwoch, 06.12.2017

Überflüssiger Alzheimer-Test

© dpa

Die Vergesslichkeit nimmt zu, man kann sich nicht mehr richtig orientieren, das Sprechen fällt schwerer: All das sind typische Anzeichen einer Demenz. Rund eine Million Deutsche sind davon betroffen, etwa 200 000 erkranken jährlich daran. In der Praxis ist es dagegen nicht einfach, zwischen dem altersüblichen geistigen Abbau und einer krankhaften geistigen Einschränkung zu unterscheiden.

Diverse Tests sollen helfen, frühe Anzeichen einer Demenz zu erkennen. Krankenkassen übernehmen die Kosten nur bei deutlichem geistigen Abbau oder bei geriatrischen Untersuchungen. Andernfalls müssen sie als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) selbst bezahlt werden. Doch dieses Geld kann man sich offenbar sparen, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung des IGeL-Monitors hervorgeht. Die Internetplattform arbeitet im Auftrag des Medizinischen Dienstes der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Für ihre aktuelle Bewertung wollten die Wissenschaftler herausfinden, welchen Nutzen und Schaden Menschen erwarten können, wenn sie ihre geistige Leistungsfähigkeit mit einem sogenannten Hirnleistungs-Check abklären lassen. Die Tests, die verschiedene geistige Fähigkeiten mit Aufgaben überprüfen, kosten in der Regel zwischen sieben und 21 Euro.

Doch die Wissenschaftler fanden keine Studien dazu. Stattdessen stießen sie auf eine Übersichtsarbeit, die zu dem Ergebnis kommt, dass die derzeit verfügbaren Arzneimittel in einer frühen Phase der Krankheit die geistigen, körperlichen und Verhaltens-Einschränkungen der Patienten nicht aufhalten können: „Folglich ist es unnötig, eine Demenz möglichst früh zu erkennen.“ Schäden durch unnötige Beunruhigung und unnötige Therapien seien dagegen unausweichlich, da sich jede zweite leichte Demenz ohnehin nicht zu einer schweren Demenz weiterentwickelt. Insgesamt wird der Hirnleistungs-Check zur Früherkennung einer Demenz bei Menschen ohne Symptome „tendenziell negativ“ bewertet.

Die Einschätzung deckt sich mit der aktuellen ärztlichen Leitlinie „Demenzen“. Sie spricht sich gegen eine Untersuchung von Personen ohne Beschwerden oder Symptome aus. Das Fazit: „Wer sich geistig auf der Höhe fühlt, sollte auch darauf vertrauen.“ (rnw/sk)

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