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Samstag, 30.12.2017

Trostlose Leere im Handwerkerheim

Einst war das Haus eine feine Adresse in Johnsbach. Doch das ist Geschichte. Um Schlimmeres zu verhindern, greift Glashütte ein.

Von Maik Brückner

So sieht das ehemalige Handwerkerheim Johnsbach aus der Vogelperspektive aus. Der Plan, hieraus ein Hotel zu entwickeln, ging nicht auf.
So sieht das ehemalige Handwerkerheim Johnsbach aus der Vogelperspektive aus. Der Plan, hieraus ein Hotel zu entwickeln, ging nicht auf.

© Egbert Kamprath

Glashütte. Das Handwerkerheim hat seine besten Zeiten lange hinter sich. Der Gebäudekomplex in der Johnsbacher Ortsmitte steht leer und gammelt vor sich hin. Nun hat sich die Stadtverwaltung bereiterklärt, das Gebäude für einen symbolischen Preis von einem Euro zu kaufen, um es abzureißen. Einen entsprechenden Antrag legte die Verwaltung jetzt dem Stadtrat vor. Dort formulierte sie auch die Bedingungen. Der Kaufvertrag werde erst vollzogen, wenn sichergestellt ist, dass die Stadt für den Abriss Fördermittel erhält.

Zuvor ist aber eine Planung notwendig, die rund 10 000 Euro kosten wird. Das überraschte einige Räte. Schließlich könnte es sein, dass dieses Geld ausgegeben wird, ohne dass die Stadt einen Nutzen davon hat, weil es keine Förderung gibt, erklärte Stadtrat Lothar Mauer (Wählervereinigung Zeitlos). Doch mit diesem Risiko müsse die Stadt rechnen, beschwichtigte Gotthard Müller. Der CDU-Stadtrat leitete über viele Jahre das Bauamt des Weißeritzkreises. „Planungen sind notwendig“, sagte Müller. Die Verwaltung brauche sie, um den Kostenrahmen abzuschätzen und die Förderung zu beantragen. Ohne Planung gehe da nichts. Das bestätigte Glashüttes Bauamtsleiter Mario Wolf. Er wies auf die Anforderungen hin, die die Stadt beim Abriss der früheren Ausflugsgaststätte Klein-Tirol und einer Wohnhaus-Ruine in Dittersdorf erfüllen musste. Die Stadt musste zum Beispiel bei jedem der Objekte nachweisen, ob dort Fledermäuse leben. Kostenpunkt: jeweils 5 000 Euro. Um den Abriss ausschreiben zu lassen, musste die Stadt auch angeben, welche Art von Bauschutt dort anfallen wird. Daraus ergebe sich letztlich die Kostenschätzung für den Abriss. Und der könne teuer werden, weil die verschiedenen Materialien unterschiedlich entsorgt werden müssen, erklärte Wolf.

Allerdings haben solche Planungen auch ihre Grenzen. „Wir können nicht alles untersuchen lassen“, sagte Wolf. Das werde zu teuer. Deshalb bleibe immer ein Risiko. So wurde beim Abbruch von Klein-Tirol unter dem Beton eine Teerschicht gefunden, die als Sondermüll entsorgt werden musste. Wolf und Müller konnten die Skeptiker überzeugen. Nach kurzer Debatte stimmte der Stadtrat dem Vorschlag der Verwaltung einstimmig zu.

Eine Sorge weniger

Ortsvorsteher Udo Herm (Wählervereinigung Johnsbach) zeigt sich erleichtert. „Der Ortschaftsrat hat sich schon mehrmals Gedanken gemacht, wie es mit dem Handwerkerheim weitergehen könnte“, erklärt er. Schließlich handelt es sich um eine ortsbildprägende Immobilie.

Deren ältester Teil wurde um 1800 gebaut. Später wurde er um Saal und Gästezimmer erweitert. Zu DDR-Zeiten gehörte der Gebäudekomplex der Dresdner Handwerkskammer, die ihn als Ferienanlage nutzte. Handwerker aus der Dresdner Region machten hier Urlaub. Mit der Wende stellte die Handwerkskammer den Betrieb ein. Kurz danach war das Haus ein Kandidat, um zum Hotel am Golfplatz zu werden. Doch dieser Plan wurde nie verwirklicht. Stattdessen blieb das Gebäude über Jahre leer. 2011 ersteigerte es ein Holländer. Er hatte vor, den Komplex zu sanieren. 150 000 bis 200 000 Euro seien notwendig, hieß es damals. Der größere Teil des Geldes werde gebraucht, um das zum Dorfplatz hin stehende Haus zu sanieren, denn hier war das Dach undicht geworden. Bei der Sanierung sollten holländische Jugendliche helfen, die in Heimen leben und unter sozialpädagogischer Aufsicht ein mehrwöchiges Auslandspraktikum absolvieren. Doch auch dieser Plan ging nicht auf. Stattdessen nutzte ein Kumpel des Besitzers das Areal, um hier seine Trödelwaren zu lagern und zu verkaufen. Doch inzwischen ist auch das Geschichte.

Der Ortschaftsrat, der sich immer mit dem Handwerkerheim beschäftigte, fand auch keine Lösung. „Deshalb sind wir dankbar, dass die Stadt sich der Sache angenommen hat“, sagt Ortschef Herm. „Der Ortschaftsrat unterstützt die Stadt bei dem Vorhaben, das Haus zu kaufen, um es abzureißen.“ Nur so könne verhindert werden, dass das Haus zu einem Problemfall wird.