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Dienstag, 14.11.2017

Trio Infernale auf Tour

Eine Dreiergruppe soll für eine ganze Latte von Straftaten verantwortlich sein. Sie hatte auch eine Explosion geplant.

Von Christoph Scharf

So sah die Brandstelle in Nünchritz aus, als die Feuerwehr damit fertig war. Am frühen Donnerstagmorgen hatten Wehren aus vier Orten ausrücken müssen, weil ein Trio an der Glaubitzer Straße gezündelt hatte – und offenbar nicht nur dort.
So sah die Brandstelle in Nünchritz aus, als die Feuerwehr damit fertig war. Am frühen Donnerstagmorgen hatten Wehren aus vier Orten ausrücken müssen, weil ein Trio an der Glaubitzer Straße gezündelt hatte – und offenbar nicht nur dort.

© Feuerwehr Glaubitz

Zeithain/Nünchritz. Wie blöd kann man sein? Diese Frage drängt sich nach einer Reihe Straftaten auf, die einem Trio zur Last gelegt werden. Das hatte sich vergangene Woche zwischen Zeithain, Glaubitz und Nünchritz offenbar eine wilde Nacht geleistet. Das Finale war ein Brand an der Glaubitzer Straße in Nünchritz, wo die Täter neben einem unbewohnten Gebäude offenbar einen Busch angezündet hatten.

Dort waren Donnerstag früh nicht nur die Feuerwehren aus Glaubitz, Radewitz, Nünchritz und Zeithain im Einsatz (SZ berichtete). Auch die Polizei war alarmiert worden. Sie hatte in der näheren Umgebung drei Tatverdächtige aufspüren können. Zwei von ihnen gelang die Flucht; ein 17-Jähriger allerdings wurde geschnappt. Den Vorfall hatte die Polizei bereits vermeldet – auch die Tatsache, dass der junge Mann einen Dönerspieß bei sich hatte. Damit war schnell klar, dass der Brand nicht der einzige Vorfall ist, der nun Folgen für das Trio haben dürfte: Denn der Dönerspieß stammte aus einem Einbruch in einen Imbiss in der Umgebung.

Noch immer laufen allerdings die Ermittlungen. Und so stellt sich nach und nach heraus, dass der 17-Jährige und seine Komplizen offenbar eine anstrengende Nacht hinter sich hatten. Den Ermittlern half der Stolz des Trios: Einer der Drei hatte laut Polizei gleich neben der Brandstelle den Schriftzug „Aldi und Döner waren geil“ auf die Straße gesprüht.

Welches Objekt sich hinter dem Begriff „Döner“ verbarg, offenbarte der mitgeführte Dönerspieß. Der Begriff Aldi dagegen dürfte sich auf einen gut fünf Kilometer entfernten Supermarkt beziehen: Denn in den Aldi am Zeithainer Wohngebiet Nikopol war in der Nacht ebenfalls eingebrochen worden. Dort hatten die Täter mit einem Gullideckel die Ladentür eingeschlagen und sich anschließend in einer Verkaufsvitrine bedient, aus der sie laut Polizei drei Mobiltelefone und eine Freisprecheinrichtung für gut 660 Euro gestohlen hatten. Sachschaden: 4 500 Euro.

Tatsächlich aber werden der 17-Jährige und seine beiden Komplizen auch noch verdächtigt, den Getränkehandel direkt neben dem Aldi angegriffen zu haben: Dort hatten in derselben Nacht mehrere Leute einen Brandsatz auf ein Gasflaschen-Lager geworfen. „Auf den Aufzeichnungen der Überwachungskamera sind keine Gesichter zu erkennen, weil alles ganz verraucht ist und Blitze von der Pyrotechnik blenden“, heißt es vom Getränkehandel. Allerdings hätten die stählernen Gasflaschen der Attacke widerstanden – und es sei glücklicherweise bei einigen Rußspuren geblieben.

In Zeithain vermutet man, dass dieselben Täter auch für einen Einbruch in der Kita verantwortlich seien. Laut Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos) könnte der Einbruch in ein Gerätehaus für Spielgeräte auf das Konto des Trios gehen – dort waren zwei Tage zuvor Tretautos gestohlen worden, später aber wieder aufgetaucht. Die Polizei verweist darauf, dass man ausreichend Zeit für die Ermittlungen brauche.

Denn auch diese Taten sind womöglich noch nicht das Ende der Fahnenstange: Auch ein Einbruch im Thomas-Philipps-Sonderpostenmarkt und geknackte Gartenlauben lassen sich dem Trio möglicherweise zuordnen. Die Frage ist, welche Taten sich gerichtsfest beweisen lassen. Besonders schlau haben sich die Drei aber nicht angestellt: So trug einer vom Sprühen des Schriftzugs „Aldi und Döner waren geil“ noch Farbspuren an den Fingern.

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