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Freitag, 11.05.2018

Trinkwasserpreise steigen

Verbraucher müssen immer mehr für sauberes Wasser bezahlen. In Sachsen kostet es überdurchschnittlich viel.

Von Alexander Buchmann

© Lino Mirgeler/dpa (Symbolfotos)

Gut 237 Euro brutto hat ein durchschnittlicher Haushalt in Sachsen 2016 für Trinkwasser gezahlt. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor. Damit ist der Preis seit 2014 jedes Jahr gestiegen, wenn auch nur leicht um insgesamt 1,26 Euro. Sachsen liegt damit preislich im oberen Mittelfeld in Deutschland und über dem Bundesschnitt. Der lag 2016 bei 233,24 Euro. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit 296,76 Euro, am wenigsten zahlt ein Durchschnittshaushalt mit 172,46 Euro in Berlin.

Wie die Grünen-Bundestagsfraktion am Mittwoch in einer Analyse auf Basis der Daten des Statistikamts bemängelte, sei der Trinkwasserpreis für Verbraucher in Deutschland zwischen 2005 und 2016 um ein Viertel gestiegen. Für einen Zwei-Personen-Haushalt bedeute das Mehrausgaben von 50 Euro. Der Verband der kommunalen Unternehmen stellt diese Preisangaben aber infrage. So habe das Statistische Bundesamt 2013 die Berechnungsmethode geändert, was auch die Behörde bestätigt. Bei gleicher Grundlage ergebe sich ein Anstieg von nur 17,2 Prozent. Damit entspricht dieser in etwa der Inflation, die im gleichen Zeitraum bei 17,6 Prozent lag.

Die Grünen machen für die gestiegenen Preise indes die Verwendung von Düngern verantwortlich. Sie fordern schärfere Gesetze für den Einsatz von Gülle, Pestiziden und Arzneien, die das Grundwasser verunreinigen. Brunnen müssten zunehmend wegen Verschmutzung durch Nitratdünger sowie Arzneien aufgegeben werden. Zudem sinke der Wasserverbrauch pro Kopf seit Jahren, wodurch höhere Kosten für das Spülen der Leitungen entstünden. Teils müssten auch Netze verkleinert werden. Wasserversorger legten die Kosten oft auf Verbraucher um.

Verband spricht von Panikmache

Der Bauernverband entgegnet, die Auflagen für Landwirte in Trinkwassergebieten seien bereits „exorbitant“. Ein Verbandsvertreter sprach von „Panikmache“ der Grünen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erklärt, dass die Trinkwasserpreise erst seit 2015 schneller als die allgemeine Teuerung steigen. Die Versorger hätten ferner mehr in die Infrastruktur investiert, alleine für 2018 seien 2,7 Milliarden Euro vorgesehen.

Das Trinkwasser müsse jedoch besser geschützt werden. „Die zunehmende Verschmutzung des Grundwassers erfordert eine immer kostenintensivere Trinkwasseraufbereitung“, erklärt Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer beim BDEW für Wasser und Abwasser. Zudem steige mit der Überalterung der Gesellschaft der Einsatz von Medikamenten. Es gebe aber „keinerlei Anlass zur Sorge um die hohe Trinkwasserqualität“, sagt er. (mit dpa)

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