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Samstag, 07.10.2017

Tribünentest für größeres Stadion

Die Projektgesellschaft hält an der Erweiterung des Dresdner Fußballstadions fest. Jetzt soll mit einer Mustertribüne herausgefunden werden, wie der Ausbauplan am besten umgesetzt werden kann.

Von Ralf Hübner

Die steilste Tribüne

Gewagte Konstruktion: Das DDV-Stadion soll erweitert werden. Die neuen Tribünen sind ungewöhnlich steil. Ein Musterbau soll Ende des Jahres einen Eindruck vermitteln.
Gewagte Konstruktion: Das DDV-Stadion soll erweitert werden. Die neuen Tribünen sind ungewöhnlich steil. Ein Musterbau soll Ende des Jahres einen Eindruck vermitteln.

© bam sports gmbh/phase10

Dresden. Der Bau einer Mustertribüne für eine mögliche Erweiterung des DDV-Stadions rückt näher. „Noch in diesem Monat wollen wir das Projekt dem Stadion-Beirat vorstellen. Wenn dieser zustimmt, kann begonnen werden“, sagte der Chef der Stadion-Projektgesellschaft, Axel Eichholtz.

Die steilste Tribüne

Die geplanten Tribünen seien eine absolute Neuheit, für die Entwicklung müsse ausreichend Zeit gegeben werden. „So etwas ist noch nie gemacht worden.“ An den Plänen zu einer Erweiterung des Stadions in den nächsten Jahren von jetzt 32 000 auf etwa 45 000 Zuschauer werde festgehalten. Das Stadion solle zudem auch technisch wieder an die aktuellen Anforderungen angepasst werden. „Wir wollen dem Trend immer etwas voraus sein.“

Mit der höheren Kapazität wäre das Stadion auch für Spiele der Nationalmannschaft geeignet. Weil es um das Bauwerk jedoch kaum freie Flächen gibt, muss in die Höhe gebaut werden. Und auch das an nur drei Seiten. Zur Lennéstraße hin würde das Stadion eine Verglasung bekommen. Den Plänen zufolge sollen an den aufgesetzten Tribünen die Sitzplätze noch steiler angeordnet werden, als sie es im DDV-Stadion ohnehin schon sind. Möglicherweise entsteht damit der steilste Fußballtempel Europas. „Das ist dann etwas, mit dem wir uns von anderen Stadien abheben“, sagte Eichholtz. Vor allem bei vollem Stadion könnte das die Atmosphäre weiter befeuern. Das Fassungsvermögen im K-Block, wo sich der Stehplatzbereich befindet, würde von 9 000 auf etwa 14 000 Plätze ansteigen.

Schon im August hatte das Bauaufsichtsamt genehmigt, eine Mustertribüne zu errichten. Die Kosten dafür beliefen sich laut Antrag auf etwa 80 000 Euro. Weil es solch steil angeordnete Tribünen noch offensichtlich in keinem Stadion gibt, soll dort getestet werde, „wie sich das anfühlt“, wie Ronny Erfurt vom Architekturbüro Phase 10 sagte.

Die Mustertribüne ist nur 16 Sitzplätze breit und vier Reihen hoch. Dabei soll unter anderem die Anordnung der Sitzplätze sowie die Gestaltung der Zugänge für die Zuschauer, die sogenannten Mundlöcher, genauer unter die Lupe genommen werden. Danach könnte sich entscheiden, ob der angedachte Stadionausbau so überhaupt genehmigt werden kann. Eichholtz ist überzeugt, dass viele Vertreter von Erstliga-Vereinen und Architekten kommen werden, um die neue architektonische Idee in Augenschein zu nehmen.

Eichholtz zufolge werden die Teile für die Mustertribüne vorgefertigt und dann mit einem Kran auf die vorhandene Konstruktion aufgesetzt. Wann damit begonnen werden könne, hänge auch etwas vom Wetter und dem Spielplan von Dynamo Dresden ab. Zudem solle die Bauleistung ausgeschrieben und danach eine Firma mit der Ausführung beauftragt werden. Allerdings solle die Mustertribüne noch bis zum Jahreswechsel stehen und dann bis Ende 2018 bleiben.

Wann später mit der Erweiterung des Stadions begonnen wird, ist jedoch noch völlig offen. Unbestätigten Angaben zufolge werden die Kosten zwischen 25 und 40 Millionen Euro liegen. Unklar ist auch, wer die Finanzierung übernimmt. Dynamo und die Stadt werden sich vermutlich kaum beteiligen wollen.

Derzeit zahlt die Landeshauptstadt einen ligaabhängigen Zuschuss von 2,3 Millionen Euro sowie weitere 1,5 Millionen Euro als Mietzuschuss an die Stadion-Projektgesellschaft als Eigentümer. Trotzdem könnte sich ein Ausbau für sie lohnen. Denn neben höheren Einnahmen durch mehr Zuschauer kann sie auch mit Mehrerlösen durchs Aufstocken teurer VIP-Plätze rechnen. Außerdem könnten zusätzliche Werbeflächen entstehen.

Das jetzige DDV-Stadion war von 2007 bis 2009 in 22 Monaten Bauzeit für rund 43 Millionen Euro neu gebaut worden. An jener Stelle befand sich zuvor eine Arena, die 1923 eröffnet worden war. Von 1951 an hieß sie wechselweise Rudolf-Harbig-Stadion und Dynamo-Stadion. Durch das Jahrhunderthochwasser hatte auch die Anlage 2002 Schaden genommen.

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