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Dienstag, 17.04.2018

Treffpunkt statt Tankstelle?

Die Betriebserlaubnis für die Anlage läuft bald ab. Mancher kann sich für das Gelände eine ganz andere Nutzung vorstellen.

Von Eric Weser

Zweieinhalb Jahre nach der Stilllegung der Strehlaer Gulf-Tankstelle an der Bahnhofstraße herrscht Ruhe sanft auf dem Gelände.
Zweieinhalb Jahre nach der Stilllegung der Strehlaer Gulf-Tankstelle an der Bahnhofstraße herrscht Ruhe sanft auf dem Gelände.

© Eric Weser

Strehla. Das Areal an der Bahnhofstraße ist verwaist. Fast zweieinhalb Jahre ist es her, dass die Gulf-Tankstelle in Strehla zugemacht hat. Die Zapfsäulen sind vorschriftsmäßig abgebaut, von der typischen Preistafel steht nur noch die Halterung. Damit niemand irrtümlich auf die Idee auf die Idee kommt, von der Straße in das Gelände einzubiegen, versperren Bauzäune die Zufahrten. Verlottert wirkt das Gelände zwar nicht, eher sauber. Doch was damit wird? Das fragen sich nicht nur Strehlaer, die dort täglich vorbeifahren.

Denkbar wäre eine Wiederbelebung als Tankstelle. Denn es gibt nach wie vor eine gültige Betriebserlaubnis, erklärt die zuständige Behörde – die Landesdirektion Sachsen. Neben der Installation der rückgebauten Ausstattung sei dafür „eine umfangreiche Wartung/Durchsicht durch eine Fachfirma“ erforderlich, heißt es weiter. Außerdem bedürfe es einer technischen Prüfung. Geschehen müsste all das bis zum 21. März nächsten Jahres. Das ist der Tag, bis zu dem die Betriebserlaubnis nach Auskunft der Landesdirektion gilt.

Erstaunlich, denn solche Genehmigungen gelten drei Jahre lang. Die Verlängerung für die Strehlaer Tankstelle wurde also am 21. März 2016 erteilt – und damit nach der Außerbetriebnahme. Erhofft sich der Antragsteller, die Station in den nächsten Monaten noch wiederzubeleben?

Beim einstigen Betreiber und mutmaßlichen Eigentümer, der Firma Gulf, gibt es keine Auskunft. Eine SZ-Anfrage hat das Unternehmen trotz Zusicherung, dass man sich äußern wolle, bislang unbeantwortet gelassen. Auf der Internetseite der Firma, wo die mehr als 50 Gulf-Tankstellen im Land gelistet sind, taucht Strehla indes nicht mehr auf. Und auch unter den acht Tankstellen, für die das Unternehmen momentan nach Pächtern sucht, ist die Strehlaer Station nicht zu finden. – Was gute Gründe haben könnte. Denn einfach sei das Tankstellen-Geschäft in der Nixenstadt nicht. Sagt zumindest Andreas Reckzeh, Betreiber der letzten verbliebenen Strehlaer Tankstelle an der Hauptstraße. Werde irgendwann die Ortsumgehung gebaut, werde es wohl noch schwieriger, meint der Geschäftsmann. Auch deshalb rechnet er nicht damit, dass die Gulf-Tankstelle wiederbelebt wird.

Eigentümer kümmert sich

Die Stadt Strehla, bei deren Gewerbeamt eine Wiederbelebung unter anderem angezeigt werden müsste, hat nach eigenem Bekunden keine Informationen, ob der ehemalige Betreiber oder ein neuer die Tankstelle wieder eröffnen will.

Was die Stadt durchaus zu hören bekomme, sei Kritik an der allgemeinen Ordnung und Sauberkeit des Grundstücks. Die Beschwerden habe man an den Eigentümer weitergegeben, der sich dann sofort gekümmert habe, heißt es. Ob die Stadt Handlungsbedarf bei dem Gelände sieht? „Natürlich wäre es für das Stadtbild schön, wenn auf diesem Gelände wieder etwas neues entsteht“, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Was das sein könnte, da hätte Linken- Stadtrat Erich Knott eine Idee. Er könne sich vorstellen, dass man das Grundstück der Jugend als Treffpunkt zur Verfügung stellt, so der Strehlaer Stadtpolitiker. Knott hat eine Art Schrauberwerkstatt im Sinn, in der die jungen Leute an Autos oder Mopeds basteln. „Man kann ja dort direkt ranfahren.“ Eine solche Art von Jugendclub würde besser angenommen als das jetzige Jugend- und Freizeitzentrum an der Leckwitzer Straße in der Oberstadt, ist der Stadtrat überzeugt.

Was eine Zukunft als Tankstelle angeht, ist Knott jedenfalls äußert skeptisch. Er habe gehört, dass es jemanden gibt, der sich für die Tankstelle interessiert. „Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das funktionieren würde“, sagt er. Für zwei Zapfstationen im kleinen Strehla sei kein Platz.

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