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Freitag, 21.04.2017

Toleranzbündnis macht weiter

Das Thema der Integration von Flüchtlingen bleibt aktuell, sagt Tilo Moritz. Und man wolle auch mit dem neuen Betreiber des Kamenzer Heimes gut zusammenarbeiten.

Von Frank Oehl

Im Kamenzer Toleranzbündnis spielt das Gotthold-Ephraim-Lessing- Gymnasium eine wichtige Rolle. Maßgeblich aus der Lehrerschaft heraus war die Initiative – auch mit dem Verweis auf die Ringparabel – schließlich befördert worden. Das bleibt auch weiter so, heißt es.
Im Kamenzer Toleranzbündnis spielt das Gotthold-Ephraim-Lessing- Gymnasium eine wichtige Rolle. Maßgeblich aus der Lehrerschaft heraus war die Initiative – auch mit dem Verweis auf die Ringparabel – schließlich befördert worden. Das bleibt auch weiter so, heißt es.

© Schule

Kamenz. Richard Boes, langjähriger Sprecher des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, hatte vor einigen Wochen den Fortbestand der Initiative zur Unterstützung und Integration von Asylbewerben und Flüchtlingen intern infrage gestellt. Inzwischen steht fest: Das Kamenzer Bündnis macht weiter. Es hat sich neu aufgestellt, jetzt mit einer noch flacheren Hierarchie. Mitglied Tilo Moritz: „Wir haben keine Sprecher mehr.“ Stattdessen gibt es jetzt eine neue Online-Plattform zum schnellen und direkten Informationsaustausch. Hier werden die Arbeitsschwerpunkte breitgestreut – zum Beispiel zu Sprachkursen, zur Patenarbeit, zum Kontaktbüro und zur Gremienarbeit. Und auch ein wichtige Personalie wurde geklärt. Die bisher von Richard Boes, der in der Einzelfallhilfe aktiv bleibt, angebotene Sprechzeit des Bündnisses bleibt abgesichert. Michael Ehrlich vom Verein „Willkommen in Kamenz“ führt sie montags von 15 bis 17 Uhr in den Vereinsräumen des Kamenzer Stadttheaters weiter.

Das Bündnis sehe sich nach wie vor als eine Art „Andock-Station“ für jene, die sich bei der Flüchtlingsintegration einbringen wollen. Tilo Moritz: „Es geht um das gewollte Engagement der Leute, zunächst ganz unabhängig von Behörden und Institutionen.“ Gleichwohl sehe man sich als eine wichtige, notwendige Ergänzung des gesetzlich vorgeschriebenen staatlichen Handelns, insbesondere auch in Konfliktfällen, also auch als „Nothilfe“ wie bisher. Dabei pflege man Kontakte nicht nur in das neue Sachgebiet Integration im Landratsamt, sondern auch zu solchen Projekten wie dem „Quartierbüro Asyl“, das von der Kamenzer Bildungsgesellschaft auch über eine staatliche Förderung angeboten wird.

Auf den Aufruf an alle bisherigen Bündnispartner, sich für die neue Struktur über einen E-Mail-Verteiler zu interessieren, haben sich mehr als 30 Interessenten gemeldet. „Das ist der Beweis, dass das Bündnis lebt“, sagt Tilo Moritz. „Wir sind jetzt dabei, die Aufgaben auf mehr Schultern zu verteilen und die Grenzen des Leistbaren kritisch auszuloten, denn: Ehrenamt ist keine Verfügungsmasse, sondern die individuelle Entscheidung jedes Einzelnen.“ Einmal im Monat wolle man wie bisher zusammenkommen, um die aktuellen Probleme bei der Integration zu besprechen. „Insbesondere in Einzel- und Härtefällen, treffen die ehrenamtlichen Paten immer wieder auf Hindernisse.“ OB Roland Dantz, der anfangs selbst Bündnismitglied war, hat gegenüber der SZ klargestellt, dass das Rathaus nach wie vor die Arbeit des Bündnisses hoch schätzt und selbstverständlich unterstützt. „Direkte Ansprechpartner sind Sozialdezernentin Elvira Schirack und mein Referent Thomas Kaeppler.“

Ziel des Bündnisses bleibt es, die Integration vor Ort zu stärken. Gegenwärtig leben etwa 500 Asylbewerber in Kamenz, davon rund 100 anerkannte. Wichtig bleibe in jedem Fall ein enger Kontakt in das zentrale Asylbewerberheim am Flugplatz. Hier wird es ab 1. Juli einen neuen Betreiber geben. Tilo Moritz: „Wir wollen weiter gut zusammenarbeiten.“ Gut wäre es da, würde es in der Heimleitungsbesetzung Kontinuität geben. Das hängt nun von der Hera Norge AS aus Stavanger ab.

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