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Freitag, 18.05.2018

„Toleranz tut nicht weh“

Noch immer werden Minderheiten wegen ihrer Sexualität angefeindet. Dagegen wurde in Bautzen ein buntes Zeichen gesetzt.

Von Franziska Springer

50 farbenfrohe Luftballons, versehen mit Wünschen nach mehr Respekt und Toleranz, stiegen am Donnerstag in den Bautzener Himmel.
50 farbenfrohe Luftballons, versehen mit Wünschen nach mehr Respekt und Toleranz, stiegen am Donnerstag in den Bautzener Himmel.

© Uwe Soeder

Bautzen. Jace ist 15 und transsexuell. Das wissen bislang nur enge Freunde – und das Internet. In der Öffentlichkeit und vor ihrer Familie hält das junge Mädchen geheim, dass sie lieber als Mann leben würde.

So, wie Jace geht es vielen, deren Sexualität vermeintlich nicht der Norm entspricht. Vor allem Trans- und Intersexuelle sind weder rechtlich noch sozial mit Heterosexuellen gleichgestellt, weiß Britta Borrego, Geschäftsleiterin beim Queeren Netzwerk Sachsen: „Homosexuelle haben es heute bedeutend einfacher als noch vor einigen Jahren“, sagt sie. „Vor allem im Hinblick auf deren rechtliche Gleichstellung ist viel passiert.“ Trans- und Intersexuelle – also Menschen, die sich entweder dem falschen Geschlecht zugehörig fühlen oder keinem Geschlecht zugeordnet werden können – haben es da noch schwerer. Nach wie vor gelten transsexuelle Menschen als psychisch gestört, müssen ärztliche Gutachten vorlegen, um ihr Geschlecht ändern zu lassen.

Um darauf aufmerksam zu machen, gibt es keinen besseren Tag als den 17. Mai. Der Tag, an dem Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen wurde, jährte sich zum 28. Mal. Seit 1990 wird an diesem Datum weltweit der IDAHIT begangen – der Internationale Tag gegen Homo-, Inter- und Transfeindlichkeit. Ein Zeichen für mehr Toleranz und Vielfalt wurde anlässlich dessen am Donnerstag erstmals in Bautzen gesetzt. Etwa 20 Interessierte, Betroffene und Unterstützer hatten sich zum Rainbow-Flash auf dem Hauptmarkt versammelt. Zu dessen Auftakt betonte Oberbürgermeister Ahrens (SPD): „Ich kann absolut nichts Negatives daran finden, wenn Menschen einander lieben“ und „Toleranz tut nicht weh.“

Leicht gesagt, findet Britta Borrego, die weiß, dass es alternative Lebensformen fernab der Großstädte schwer haben: „Hier gibt es kaum Beratungsmöglichkeiten oder Orte, an denen sich Betroffene treffen“, erzählt sie und ist froh, dass es inzwischen mobile Angebot gibt, die in die Dörfer kommen und dort gut angenommen werden.

Froh ist auch Jace: „Es fühlt sich gut an, dass es Leute gibt, die sich so für das Thema einsetzen und das ganz normal finden“, sagt sie und wird wohl auch am nächsten 17. Mai wieder da sein. Denn nach Wunsch von Ahrens und Borrego soll der IDAHIT in Bautzen künftig traditionell ein Zeichen für mehr Respekt und Toleranz setzen.