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Samstag, 12.08.2017

Tönender Abschied

Peter Kubath wechselt als Kantor nach Radebeul. Viele Spuren seiner langen Arbeitszeit in Herrnhut werden bleiben.

Von Anja Beutler

Peter Kubath war 17 Jahre lang Herrnhuts Kantor und spielte dabei – unter anderem – auch Orgel. Er übernahm zudem Aufgaben als Synodaler der Brüdergemeine und im Ältestenrat. Wer seine Nachfolge antritt, ist derzeit noch nicht klar. Die Ausschreibung für die Kantorenstelle in Herrnhut läuft derzeit.
Peter Kubath war 17 Jahre lang Herrnhuts Kantor und spielte dabei – unter anderem – auch Orgel. Er übernahm zudem Aufgaben als Synodaler der Brüdergemeine und im Ältestenrat. Wer seine Nachfolge antritt, ist derzeit noch nicht klar. Die Ausschreibung für die Kantorenstelle in Herrnhut läuft derzeit.

© Paul Peucker

Wie anders sollte Herrnhut Peter Kubath verabschieden als mit Musik? Was genau aber an diesem Sonnabend bei der traditionellen Singstunde um 19 Uhr im Herrnhuter Kirchensaal erklingen wird, ist durchaus noch geheimnisvoll, kündigt Pfarrer Peter Vogt schon mal schmunzelnd an. 17 Jahre lang hat Peter Kubath als Kantor in Herrnhut – und auch über die Stadtgrenzen hinaus – den Takt angegeben. Nun wechselt er zum September nach Radebeul auf eine neue Stelle.

Dass ein Kantor nicht lebenslang an einem Ort bleibt, ist in der Brüdergemeine nichts Ungewöhnliches, betont Peter Vogt. Das bringe auch immer wieder frischen Wind für alle und neue Chancen für die Kantoren selbst. Und so ist es auch in diesem Fall: In Radebeul, nahe der Landeshauptstadt Dresden, sieht Peter Kubath ganz persönlich neue, andere musikalische Herausforderungen, auf die er sich freut. „Dort sind sehr viele junge Familien in den letzten Jahren hingezogen und es gibt eine lebendige Chorarbeit“, weiß er.

Gemeinsames Singen – auf diesem Gebiet wird Kubath in Herrnhut definitiv einen deutlichen Stempel hinterlassen. Allein drei Chöre mit rund 50 Kindern – vom Kita-Alter bis zu den Teenies – hat er aufgebaut, geleitet und dabei die Kinder zum Teil mit innovativen Methoden aus dem englischsprachigen Raum fürs Singen begeistert. Wie gut ihm das gelungen ist, hat man erst vergangenen Dezember beim Fernsehgottesdienst im ZDF sehen können.

Besonders eingesetzt hat er sich aber auch für die Orgel im Kirchensaal. Viele Jahre lang organisierte er Benefizkonzerte für die Sanierung des Instruments, das in einem recht schwierigen Zustand ist. Inzwischen kommen Ensembles auch aus England und Amerika gern nach Herrnhut und geben Konzerte – ein Verdienst des Kantors. Seit Kurzem gibt es nun auch für die Orgel viel Hoffnung: Dem Verein Freunde und Förderer des Herrnhuter Kirchensaals ist es nicht nur gelungen, eine reine Sanierung auf den Weg zu bringen, sondern für das Instrument auch eine Erweiterung um typische, historische Klänge zu ermöglichen. Und so wird die Orgel im Herrnhuter Kirchensaal dereinst wieder so klingen wie im 18. Jahrhundert. „Dazu sind viele weiche, sanfte Töne und Flötenregister nötig“, erklärt Kubath. Dass er diese Geschichte weiterverfolgen und irgendwann auch selbst auf der Orgel spielen wird – davon geht der Noch-Kantor fest aus.

Ohnehin wird Peter Kubath sich nicht ganz aus Herrnhut verabschieden, auch wenn er nun in den Dienst der Evangelischen Landeskirche Sachsens tritt: Peter Kubath und sein Mann Olaf Nippe bleiben quasi mit einem Bein in Herrnhut, zumal Letzterer weiterhin im Unitätsarchiv arbeiten wird. „So werde ich immer wieder hier sein“, sagt der Musiker. Erhalten bleibt er den Herrnhutern auch auf andere Weise: Peter Kubath hat viele Jahre an der Überarbeitung und Herausgabe eines neuen Gesangbuches und eines Choralbuches für die deutschsprachige Brüdergemeine mitgearbeitet. Das war durchaus auch eine Würdigung seiner musikalischen Fähigkeiten. Dass er sich als Kantor aber immer auch auf seine Sänger und Mitspieler eingestellt hat, haben viele an ihm geschätzt, bilanziert Pfarrer Vogt. Zum letzten Mal in Herrnhuter Diensten zu hören ist er zum Schulanfangsgottesdienst am 20. August. Da verabschiedet er sich dann selbst – natürlich mit Musik.

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