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Donnerstag, 28.12.2017

Tierpark jetzt Ein-Mann-Unternehmen

Seine Pfleger musste Heiko Drechsler ziehen lassen, weil er kein Fördergeld mehr erhält. Jetzt bangt ihm vor dem Winter.

Von Peter Anderson

Seine Tiere geben Meißens Tierparkchef Heiko Drechsler Kraft, die schwierige kalte Jahreszeit zu überstehen.
Seine Tiere geben Meißens Tierparkchef Heiko Drechsler Kraft, die schwierige kalte Jahreszeit zu überstehen.

© Claudia Hübschmann

Der Transporter ist sein letzter warmer Rückzugsraum. In dem VW-Bus gönnt sich Meißens Tierparkchef Heiko Drechsler eine Pause. Die Abläufe in der Anlage in Siebeneichen hat er in den zurückliegenden Wochen so optimiert, dass sie gerade so für eine Arbeitskraft mit etwas Hilfe zu schaffen sind. Früh lässt er die Tiere hinaus, füttert und putzt. Am Abend wird wieder zugesperrt. An einen Einlassdienst für die in der kalten Jahreszeit nur seltenen Besucher ist nicht zu denken. Drechslers drei Tierpfleger haben das Unternehmen verlassen. Als Grund verweist er auf ausbleibende Fördermittel der Stadt. Diese hatte ihn zwei Jahre lang freiwillig mit insgesamt 60 000 Euro unterstützt. Anfang Herbst drehten die Stadträte den Geldhahn zu. Sie machten geltend, dass die Finanzspritze nur einen zeitlich begrenzten Engpass abdecken sollte, nicht als dauerhafter Zuschuss gedacht war. Wiederholt forderten sie von dem Tierparkchef ein kostentragendes Betriebskonzept.

Konto weit überzogen

Drechsler kann über solche Argumente nur mit dem Kopf schütteln. Er kenne keinen Tierpark in einer Stadt mit ähnlicher Größe wie Meißen, der sich selbst trage. Der 54-Jährige vermutet dagegen, dass ihm das unbedachte Aufhängen von AfD-Wahlplakaten am Kassenhäuschen zur Bundestagswahl die Absage der Stadträte einbrachte. Es mache ihn traurig, dass dadurch nun kaputt gehen könnte, was er in rund 15 Jahren aufgebaut habe.

Schluss mit der Aufwärmpause. Es muss noch eine Ladung Futterrüben unter Dach und Fach gebracht werden. Für das Wohl der Tiere sei zumindest in den nächsten drei Monaten gesorgt, sagt der Dresdner. Er hoffe, mit seinen Vorräten bis März hinzukommen. Rüben, Heu, Vogelfutter – das alles sei ausreichend vorhanden. Um mehrere Tausend Euro habe er das Unternehmenskonto überzogen für diese unumgänglichen Einkäufe.

Was ihm allerdings Sorgen bereitet, sind laufende Kosten für Strom, für Wasser, die Raten für Haftpflichtversicherung und Berufsgenossenschaft. „Ich habe ja jetzt für mindestens drei Monate keinerlei Einnahmen aus dem Ticketverkauf“, sagt Drechsler. Erst wenn es wieder wärmer und sonniger werde, lohne es sich, das Kassenhäuschen zu besetzen. Um bis dahin über die Runden zu kommen, hofft er auf Spenden.

Nochmals enttäuscht äußerte sich der Tierparkchef in diesem Zusammenhang über den Förderverein, der nach einer Idee des früheren Meißner Wirtschaftsförderers Martin Raupp ins Leben gerufen worden war. Die Arbeit des Vereins sei letztlich darauf beschränkt gewesen, die Fördermittel der Stadt weiterzugeben und dafür noch Kosten zu berechnen. Spendenbescheinigungen als Anreize für Unterstützer hätten wegen fehlender Gemeinnützigkeit nicht ausgestellt werden können. „Es wäre ja aber möglich gewesen, den Spendern durch Werbetafeln im Tierpark zu danken“, so Drechsler. Er verstehe nicht, weshalb diese Möglichkeit ungenutzt blieb.

Bei aller Trauer über vertane Chancen, es gibt einen Lichtstreif am Horizont, an dem Drechsler sich festhält. Es solle Gespräche zu einem Erbbauverhältnis für das Gelände geben. Im Gegensatz zum jetzigen Pachtvertrag könnte der Tierpfleger dann einfacher an Bankkredite kommen und investieren.

Zudem liegen ihm nach eigener Aussage für diesen Fall umfangreiche Hilfsangebote befreundeter Unternehmer vor. So könnte er sich vorstellen, das Angebot um einen Märchenpark zu erweitern.

Spenden für den Tierpark bitte auf das Commerzbank-Konto IBAN DE 04 8508 0000 0303 9535 00

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