• Einstellungen
Dienstag, 15.05.2018

Teure Kinderbetreuung

Radebeuls Oberbürgermeister fordert mehr Geld vom Freistaat. Damit Stadt und Eltern bei Kindergartengebühren entlastet werden.

Von Nina Schirmer

Radebeul muss Kitas mit mehreren Millionen Euro pro Jahr bezuschussen. Der Anteil der Stadt an der Gesamtfinanzierung ist deutlich gestiegen.
Radebeul muss Kitas mit mehreren Millionen Euro pro Jahr bezuschussen. Der Anteil der Stadt an der Gesamtfinanzierung ist deutlich gestiegen.

© Monika Skolimowska/dpa

Radebeul. Während Vater und Mutter auf Arbeit sind, werden die Kinder kostenlos im Kindergarten betreut – in der DDR noch gang und gäbe, gibt es kostenlos Kitaplätze heutzutage nur selten. Wenige reiche Gemeinden können sich das leisten. Doch das Modell soll wieder Schule machen. Niedersachsen und Hessen wollen den gebührenfreien Kindergarten noch in diesem Jahr einführen. Ein Szenario, das in Radebeul im Moment noch undenkbar ist, sagte Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) kürzlich im Sozialausschuss. Denn der Freistaat Sachsen habe sich trotz der Kostensteigerung für Kitaplätze in den letzten Jahren „elegant zurückgehalten“.

Für die Stadt bedeutet das: Sie muss den Mammutanteil selbst übernehmen. 2017 zahlte die Gemeinde Zuschüsse für Kindertagesstätten in Höhe von rund 6,8 Millionen Euro. 2008 waren es noch 2,9 Millionen Euro – eine Steigerung um 75 Prozent. Das belaste den kommunalen Haushalt extrem, so Wendsche.

Dass die Zahl der Kitaplätze in der Stadt insgesamt deutlich zugenommen ist, erklärt dabei nur einen Teil der Kostensteigerung. Wendsche beklagte vor allem, dass die gestiegenen Betriebskosten vor allem von der Stadt abgefangen werden müssen. Ursprünglich sei eine Ein-Drittel-Regelung angedacht gewesen. Freistaat, Kommune und Eltern sollten die Kosten jeweils zu gleichen Teilen tragen. „Von dieser Fairness hat sich der Freistaat schon lange verabschiedet“, so der Oberbürgermeister. Der Anteil, den die Stadt für Kitaplätze übernimmt, habe sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Der vom Freistaat eingeführte verbesserte Betreuungsschlüssel wird folglich überwiegend von der Gemeinde finanziert.

Es sei nicht so, dass die Stadt kein Geld für die Kitas zahlen wolle, sagte Wendsche. Aber man müsse sich auch bewusst machen, dass das Geld dann eben nicht für andere Aufgaben wie Schulsanierungen oder den Straßenbau zur Verfügung stehe. Er forderte eine automatische jährliche Anpassung der Landeszahlungen an die tatsächlichen Betriebskosten. „Damit wir nicht immer betteln müssen.“

Eine kostenlose Kinderbetreuung sei so keinesfalls möglich. Auf die Stadt kämen zusätzliche Kosten in Höhe von mehreren Millionen Euro zu, wenn sie die Eltergebühren übernehmen würde. „Dafür müssten wir die Grundsteuer um 150 Prozent erhöhen“, sagte Wendsche. Mit den jetzigen Finanzierungsstrukturen sei das nicht machbar.

Seit 2001 hat sich die Zahl der Kitaplätze in der Stadt verdoppelt. Im April 2018 gab es 3 177 Betreuungsplätze. 98 Prozent davon waren belegt. Eine Gefahr, dass in den nächsten Jahren viele Plätze fehlen könnten, sieht der OB nicht. Die Stadt habe ihr Ziel erreicht, allen Eltern einen Vollzeit-Betreuungsplatz für ihre Kinder anbieten zu können. In welchen Kindergarten das Kind geht, können sich die Eltern allerdings oft nicht aussuchen. Anspruch auf eine Wunschkita gibt es nicht. Seit 2002 gibt es auch Tagespflegen von Privatpersonen.

Neben Knirpsen aus Radebeul werden auch 189 auswärtige Kinder in der Stadt betreut. Die meisten davon in der Kita Glücksbärchen, der Betriebskita für das Gewerbegebiet Naundorf. Auch in die Betriebskita der Elblandkliniken kommen Kinder aus anderen Gemeinden. Gleichzeitig besuchen aber auch mehr als 100 Radebeuler Kinder Kitas in anderen Kommunen, etwa in Moritzburg und Dresden, weil ihre Eltern dort arbeiten.

Desktopversion des Artikels