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Montag, 16.04.2018

Tausende Gäste in den Backstuben

Die Pulsnitzer Pfefferküchler öffneten ihre Betriebe für Neugierige. Das war auch eine gute Werbung für die Stadt.

Von Reiner Hanke

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 Bei Max Spitzer zeigte Inhaberin Claudia Ostrowski an der Schokomaschine, Maximilian aus Chemnitz wie die Schokolade auf die Pfefferkuchen kommt.
Bei Max Spitzer zeigte Inhaberin Claudia Ostrowski an der Schokomaschine, Maximilian aus Chemnitz wie die Schokolade auf die Pfefferkuchen kommt.

© Matthias Schumann

Rocco Ostrowski hatte am Teigbottich in der Backstube viel zu erklären.
Rocco Ostrowski hatte am Teigbottich in der Backstube viel zu erklären.

© Matthias Schumann

Pulsnitz. Wenn die Pulsnitzer Pfefferküchler ihre Backstuben öffnen, dann ist Andrang vorprogrammiert. Am Sonntag war das erst zum dritten Mal seit 2008. Damals feierten sie ihr 450. Jubiläum. In diesem Jahr gewährten sie erneut den Blick hinter die Kulissen. Aber es ist ja nicht nur der Blick. Hier kommen wohl alle Sinne zum Zug, um in die Geheimnisse dieses Handwerks einzutauchen. Da ist ja auch der Duft exotischer Gewürze wie Koriander und Nelke. Und der Geschmack des reinen Gebäcks oder mit den unterschiedlichsten Füllungen und mit Schokoladenüberzug.

Und natürlich auch die berühmten Pulsnitzer Spitzen, wie in der Pfefferküchlerei Max Spitzer. Am Tag nach dem Großereignis sagt Pfefferküchler Rocco Ostrowski. „Wir waren auf jeden Fall zufrieden.“ Es habe sich gelohnt die Backstuben für Neugierige zu öffnen. Gerade auch die Kinder seien begeistert gewesen. Sie durften sich ihren Lieblingspfefferkuchen ausstechen und nach dem backen mitnehmen. Nun hoffen Ostrowskis wie allen anderen Pfefferküchler auch auf den positiven Effekt. Dass zufriedene Besucher wiederkommen und ihre Erlebnisse weitererzählen.

Gerade so ein Tag sei doch die beste Werbung fürs Handwerk, sagt Obermeister Peter Kotzsch. Vor seinem Betrieb standen schon vor zehn Uhr die ersten Neugierigen vor der Backstubentür, um in die Details der Pfefferküchlerei einzutauchen. Wegen der Enge im Betrieb setzt der Meister auf Führungen. Am Ende zählte er allein in seiner Backstube 550 Gäste.

Wartezeiten verkürzte Tochter Maria und schenkte Kaffee zu Kostproben aus. Etliche ließen am Ende wissen: „Das Warten hat sich gelohnt.“ So wie für einen Besucher aus Thüringen. Selbst Bäcker, war er angereist, um zu erfahren wie die „Echten Pulsnitzer Pfefferkuchen“ gebacken werden“. Denn hier pflegen die Meister die Tradition immerhin seit fast 500 Jahren.

Gefühl für Zuckerröschen

Aber nicht nur die Geheimnisse aus der Backstube fesselten das Publikum, sagt Gabi Kotzsch, die Frau des Obermeisters. Die Besucher staunten zum Beispiel nicht schlecht, wie viel Geschick nötig ist, um den Pfefferkuchen zu garnieren. Da darf die Hand nicht zittern, wenn sie den zarten Zuckerfaden korrekt platziert und dem Pfefferkuchenbären sein Gesicht gibt. Und jedes Zuckerröschen ist garantiert ein Unikat: gekonnt und mit ordentlich Muskelkraft aus der Spritztüte gepresst.

Gabi Kotzsch: „Das ist natürlich alles nicht so zu sehen, wenn die Kunden bei uns im Laden einkaufen. Ein Besucher sagte zu mir: ,Ich werde so eine Tüte Pfefferkuchen künftig mit einem anderen Bewusstsein öffnen und mehr genießen.“

Sie werden sicher nicht die einzigen sein. Andreas Jürgel, Geschäftsführer der Pulsnitzer Kultur- und- Tourismusgesellschaft schätzt ein: „Wir mussten das Regal mit den Info-Flyern mehrfach nachfüllen. Ich denke der Tag war sehr lohnenswert für die Stadt und eine gute Werbung.“ Er bestätigt, dass 10 Uhr die ersten Gäste ins Museum mit der Pfefferkuchenschauwerkstatt wollten und das Haus voll war. Auch Pulsnitzer nutzten den Tag, um mal in das Museum zu gehen. Gäste seien aber auch aus Dresden und bis aus Berlin und Chemnitz gekommen.

Um den Tag abzurunden hatten auch die Pulsnitzer Innenstadthändler geöffnet. Und wer bei seinem Rundgang in diesem Jahr noch nicht alles gesehen hat, dem sei versichert: Der nächste Tag der offenen Pfefferküchlerei kommt doch bestimmt? Rocco Ostrowski sagt: „Die Pfefferküchler müssen den Tag nun auswerten und darüber entscheiden.“ Voll wird die Stadt auf jeden Fall wieder in der ersten Novemberwoche sein. Dann ist wieder der nächste Pfefferkuchenmarkt in der Pulsnitzer Innenstadt.