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Donnerstag, 11.01.2018 Kommentar

Summe schlechter Nachrichten bedrückt

Auch wenn die derzeitige Situation in der Lausitz an schlechte Zeiten erinnert, ist Tilo Berger optimistisch, was die wirtschaftliche Zukunft der Region betrifft.

SZ-Redakteur Tilo Berger.
SZ-Redakteur Tilo Berger.

© Wolfgang Wittchen

Ein starker Mittelstand als Rückgrat der Wirtschaft, dazu viel Hilfe beim nötigen Strukturwandel, der Sachsens neuem Regierungschef zufolge kein Schnellschuss werden muss – so schlecht sind die Voraussetzungen für die Lausitz nicht. Auch wenn die derzeitige Situation etwas an die Jahreswende von 1999 zu 2000 erinnert. Damals kündigten mehrere Großunternehmen in der sächsischen Lausitz Massenentlassungen an. Die Zahl der Arbeitslosen kletterte über 70 000.

So schlimm wird es nicht wieder kommen, trotz aller Hiobsbotschaften der jüngsten Wochen. Zurzeit sind in den Landkreisen Bautzen und Görlitz etwa 20 000 Menschen ohne Arbeit, Tendenz weiter sinkend. Bis 2030 gehen rund 70 000 Menschen, die jetzt noch in Lohn und Brot stehen, in den Ruhestand. Da werden massenhaft Stellen frei.

Eine Katastrophe für den Arbeitsmarkt sind die jüngsten Nachrichten also nicht. Aber in Summe schlagen sie aufs Gemüt. Und sie sind Gift für das Gerechtigkeits- und Demokratieempfinden vieler Bürger. Im Kopf hängen bleibt doch nicht, dass dem Waggonbau Niesky seine Münchener Inhaber kein Geld geben oder dass Chinesen der Platz in Rothenburg zu klein ist. Im Kopf hängen bleibt, dass „die“ – wieder mal – versagt haben. Dass „die“ die Lausitz im Stich lassen. Im Topf mit der Aufschrift „die“ finden sich ganz schnell alle wieder, die irgendwie Verantwortung tragen, Unternehmer wie Politiker. Das Vertrauen in „die“ schwindet. Das ist die schlechteste aller Nachrichten.

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