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Freitag, 29.12.2017

Sündhaft teure Festtagsfreuden

Stolze 83 000 Euro für eine Plastiktanne: Die Belgrader Weihnachtsdekoration sorgt für Ärger und Spott.

Von Thomas Roser

Als Proteste und Hohn überhandnahmen, wurde der 18 Meter hohe Plastikbaum zum Geschenk erklärt.
Als Proteste und Hohn überhandnahmen, wurde der 18 Meter hohe Plastikbaum zum Geschenk erklärt.

© dpa

Ausgerechnet eines der ärmsten Balkanländer übt sich dieses Jahr in der Kunst des großen Festtagsprassens: Nicht nur eine sündhaft teure Plastiktanne, sondern auch irrwitzig hohe Ausgaben für Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt und für diverse Silvesterkonzerte überschatten im serbischen Belgrad die Festtagsfreuden: Die Ausschreibungen dafür wurden offenbar kräftig verschoben.

Wenn in Westeuropa die ersten Festtagsfichten schon wieder aus den Wohnstuben fliegen, fängt im orthodoxen Serbien der Vorweihnachtstrubel erst richtig an. Doch es sind weniger die zum Auftakt der verspäteten Feiertagssaison noch ziemlich hohen Preise für das heimische Weihnachtsgeflügel, die in der Hauptstadt Belgrad die Gemüter erhitzen. Für vorweihnachtlichen Unfrieden sorgt ausgerechnet der mit 18 Metern höchste Weihnachtsbaum des Landes in der Fußgängerzone. Denn die Stadtväter ließen sich wahrlich nicht lumpen: Umgerechnet rund 83 000 Euro blätterten sie für das Kunststoffgewächs hin.

Selbst die zwei Meter höhere Naturtanne vor dem Rockefellercenter in New York koste deutlich weniger als der vermutlich teuerste Baum Europas, rechnet das serbische Antikorruptionsportal istaljka.rs den verblüfften Landsleuten vor. Der Weihnachtsbaum sei dabei aber nur die „Spitze eines Eisbergs der Korruption“, ärgert sich die Belgrader Zeitung Blic: „Er ist das Plastikbeispiel dafür, wie und mit welchen Zielen die Gelder aus dem Stadtbudget entwendet werden.“

Tatsächlich erstaunt es, in welchem Ausmaß sich ausgerechnet einer der ärmsten Balkanstaaten in der Kunst des vorweihnachtlichen Geldausgebens übt: Bei durchschnittlichen Gehältern von knapp 400 Euro und Renten von weniger als 200 Euro im Monat ist es nämlich nicht nur die sündhaft teure Plastiktanne, sondern sind es zudem auch noch die unfassbar hohen Ausgaben für die städtische Festtagsbeleuchtung und die Silvesterkonzerte, die die vorweihnachtlichen Freuden in der Hauptstadt überschatten.

Empörte Proteste und eine Flut höhnischer Internetkommentare verfehlten dann aber ihre Wirkung nicht. Er sei über den hohen Preis „überrascht“ und habe sofort die Aufkündigung des Vertrags veranlasst, versicherte eilig Belgrads Skandalbürgermeister Sinisa Mali. Der Lieferant, die Firma Keep Light, erklärte daraufhin den Baum des Anstoßes flugs zu einem „Geschenk“ an die Stadt. Tatsächlich sind die 83 000 Euro nur ein Klacks im Vergleich zu den Summen, die die Stadt auch sonst ihren geschäftstüchtigen Lichtbringern zuzuschustern pflegt.

Noch bevor in Belgrad die Fernwärme in den Wohnungen zu blubbern begann, gingen Ende September die von Keep Light für die nächsten fünf Monate installierten Weihnachtslichter an. Seit 2014 hat Belgrad über vier Millionen Euro für Festbeleuchtung verpulvert: Alle Ausschreibungen wurden von Keep Light gewonnen.

Empörte Rufe nach Justizermittlungen scheinen die Rathausherren dabei kaum zu stören: Nicht kleckern, sondern klotzen ist angesichts nahender Kommunalwahlen ihre Devise. Mit 800 000 Euro hat sich das Budget für die Silvesterkonzerte seit 2014 sage und schreibe um das Zwanzigfache erhöht. Das größte Honorar streicht übrigens ein – mit dem Bürgermeister gut befreundeter – Barde ein.

Mit der Erwartung erhöhter Besucherzahlen begründet Bürgervater Mali die Politik der offenen Stadtschatullen: „Wir machen das, weil wir die Gelegenheit sehen, Geld zu verdienen.“

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