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Mittwoch, 14.02.2018

Stuttgarter Genossenschaft baut Dresdner Wohnungen

Am Sachsenplatz entstehen mehr als 100 Wohnungen. Es ist der erste Standort im Osten für die Schwaben.

Von Nora Domschke

Martin Mezger (l.) ist Prokurist bei der Genossenschaft Flüwo. Erik Weber kümmert sich um die Mieter in den Neubauten an der Heidenauer Straße.
Martin Mezger (l.) ist Prokurist bei der Genossenschaft Flüwo. Erik Weber kümmert sich um die Mieter in den Neubauten an der Heidenauer Straße.

© Rene Meinig

Das erste eigene Bauprojekt liegt am Dresdner Stadtrand. Die großen Wohnungen sind schon alle vermietet, Zweiraumwohnungen sind noch zu haben. Typisch für den Wohnungsmarkt im kinderreichen Dresden – vor allem Familien sind auf der Suche nach dem neuen Heim mit mehr Platz. Für die Stuttgarter Genossenschaft Flüwo ist die kleine Siedlung an der Heidenauer Straße in Niedersedlitz nur die erste Übung. Im kommenden Jahr sollen die Bagger auf einer Brache am Sachsenplatz rollen. Die SZ stellt die Schwaben und ihre Pläne in Dresden vor.

Die Genossenschaft aus Stuttgart: 9 500 Wohnungen in 30 Städten

Die Flüwo ist mit 9 460 Wohnungen und 10 000 Mitgliedern eine der größten Baugenossenschaften in Süddeutschland. Bislang vermietet das Unternehmen in 30 Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg und seit Anfang der 1990er-Jahre auch im Dresdner Raum. Allerdings waren die rund 150 Wohnungen in Coswig und Weißig kein eigenes Bauprojekt, sondern wurden fertig gebaut übernommen. Vor zwei Jahren fiel dann die Entscheidung, in Dresden weiter zu investieren und selbst zu bauen. Den Anfang machen zwei Grundstücke in Niedersedlitz und am Sachsenplatz. Flüwo-Prokurist Martin Mezger hat aber noch andere Flächen im Auge, derzeit in Trachenberge und Mickten. „Wir prüfen die Lage des Baulandes und entscheiden dann, ob wir es machen.“ Dresden sei ein attraktiver Standort, der Leerstand in Mietwohnungen gering. „Das sieht in Cottbus zum Beispiel schon ganz anders aus“, so Mezger.

Das aktuelle Projekt in Niedersedlitz: Preiswerte Mieten im Neubau

Im Juni 2016 hat Flüwo den Grundstein für 67 Wohnungen an der Heidenauer Straße gelegt. Weil nördlich des Grundstücks Züge vorbeirollen, mussten in den acht Neubauten Schallschutzfenster eingebaut werden. Direkt an der Heidenauer Straße sind fünf Einzelhäuser mit jeweils drei großen Wohnungen entstanden, im dahinter liegenden Riegel, den sogenannten Laubenganghäusern, weitere 52 Wohnungen. „Unsere Mieter kommen fast alle aus Niedersedlitz“, sagt Erik Weber, der vor zwei Jahren seine schwäbische Heimat verlassen hat, um ein Regionalbüro der Genossenschaft in Dresden zu eröffnen. Sobald der Bestand in einer Stadt etwa 500 Wohnungen umfasst, investiert die Flüwo in einen Mitarbeiter, der sich vor Ort um die Bauprojekte und vor allem um die Vermietung kümmert.

Mit neun Euro kalt pro Quadratmeter sind die Neubauwohnungen der Stuttgarter Genossenschaft in Dresden vergleichsweise günstig. „Wir sind nicht gewinnorientiert und brauchen keine Rendite von fünf bis sechs Prozent“, erklärt Martin Mezger. In Stuttgart werden in einem Neubau der Flüwo pro Quadratmeter 14 Euro Kaltmiete fällig. Die Drei- und Vierraumwohnungen in Niedersedlitz sind bereits vermietet, einige Zweiraumwohnungen seien noch frei, sagt Erik Weber.

Das Großprojekt am Sachsenplatz: 120 Wohnungen in begehrter Lage

Vor zwei Jahren erfuhr Martin Mezger von einem Projektentwickler, dass ein Grundstück in der Nähe des Sachsenplatzes verkauft wird. Für rund 900 000 Euro wechselte die Fläche zwischen Käthe-Kollwitz-Ufer und Florian-Geyer-Straße den Besitzer, seitdem verweist ein Banner am Bauzaun auf die Pläne der Flüwo. Bei dem relativ zentral gelegenen Bauprojekt sind die Abstimmungen mit den Stadtplanern dann aber doch etwas aufwendiger. „Wir hatten Probleme mit der Fassade, mussten die Details mit der Gestaltungskommission klären“, berichtet Mezger.

In den Gesprächen ging es nicht nur um das Material – eine hochwertige Sandsteinfassade. Genaue Vorgaben gibt es auch zum Farbton, ein bestimmtes Beige ist gewünscht. Nun werden zunächst Muster angefertigt, die dann vor Ort noch einmal geprüft werden, sagt Mezger. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Blickbeziehungen zur Elbe. „Wenn die neuen Mieter schon in dieser Lage wohnen, sollen sie den Blick auch genießen.“ Deshalb werden nun auf der Seite zum Käthe-Kollwitz-Ufer hin kleine Erker angebaut. Auch die Dachform musste noch einmal neu geplant werden, wodurch sich auch die Grundrisse der Wohnungen veränderten.

Die Genossenschaft investiert rund 40 Millionen Euro in die 100 bis 120 Wohnungen. Im ersten Quartal 2019 sollen die Bauarbeiten am Sachsenplatz beginnen.

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