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Dienstag, 21.03.2017

Streit ums Warmbaden im Krokofit

Die neue Ankündigung vom Sportstättenbetrieb verärgert Senioren. Sie hatten das alleinige Vorrecht – das ändert sich.

Von Peter Redlich

So geht es auch: Emilia (5) mit Oma Bärbel Seifert aus Radebeul im Krokofit-Schwimmbad. Senioren und Kinder gemeinsam in der Schwimmhalle.
So geht es auch: Emilia (5) mit Oma Bärbel Seifert aus Radebeul im Krokofit-Schwimmbad. Senioren und Kinder gemeinsam in der Schwimmhalle.

© Arvid Müller

Radebeul. Am Ein- und Ausgang zur Radebeuler Schwimmhalle liegen seit einigen Tagen kleine A5-Zettel. Darauf ist ein Foto mit einer badenden Familie zu sehen und eine Ankündigung der Stadtbäder- und Freizeitanlagen GmbH Radebeul (Sbf) mit der Anrede: Liebe Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Seniorenschwimmen. Im Text heißt es, dass die „bisherige Praxis, an den Freitagen zwischen 10 Uhr und 15 Uhr allein den Senioren die Schwimmhallennutzung zu ermöglichen“, verändert werde.

Es soll mehr Angebote für junge Eltern geben. Daher werde am Freitag, dem Warmbadetag, ab April für alle geöffnet, so Titus Reime, Geschäftsführer der Sbf GmbH. Viele Jahre hatten die Senioren in den fünf Stunden das Schwimmbecken für sich alleine. Das soll sich jetzt ändern und ruft bei den Rentnern Protest hervor.

Thomas Gebauer beispielsweise schreibt: „Meine Frau und ich gehen seit sieben Jahren 14 bis 15 Uhr dorthin. In dieser Zeit wird gleichzeitig auch eine Wassergymnastik angeboten. Diese wird sehr gut genutzt. Die Schwimmhalle wird zwischen 13 und 15 Uhr (immer eine Stunde) von den fast immer gleichen Schwimmern genutzt. Die Bahnen sind alle doppelt belegt. Man kennt und begrüßt sich und jeder nimmt Rücksicht auch auf die langsamen Schwimmer.“ Die Senioren wollen in Ruhe ihre Schwimmbahnen ziehen, ohne springende Kinder oder Jugendliche, schreibt Gebauer. Und setzt noch hinzu „Wir sind es, welche freitags regelmäßig den Umsatz bringen, nicht die Mutti mit Kleinkind, welche mal aller Wochen baden will.“

Sbf-Chef Reime entgegnet dem, dass wiederholt Mütter mit Kindern an der Kasse abgewiesen werden mussten, weil die bisherige Einschränkung gültig ist. Auch Anrufe von jungen Eltern habe es gegeben. Die bisherige Praxis entspreche nicht dem Gleichbehandlungsgrundsatz, schon gar nicht in der jüngsten Stadt im Kreis Meißen mit vielen jungen Familien. Außerdem verlange das Anheben der Temperatur im großen wie im Nichtschwimmerbecken von 27 auf mindestens 30 Grad auch erhebliche Energiekosten, die durch mehr Besucher gedeckt werden müssten als die lediglich im Schnitt 30 Senioren, die über den Tag kommen. Kinder würden sich dann sicher eher im Nichtschwimmerbecken aufhalten, so Reime.

Ihre Beschwerde hat Familie Gebauer auch an CDU-Fraktionschef Ulrich Reusch im Stadtrat gerichtet. Reusch schreibt dazu: „Die Sbf GmbH finanziert sich im Wesentlichen durch einen festen Zuschuss im Rahmen des Konzerns der städtischen Gesellschaften (das sind die derzeit noch erzielten Gewinne aus der Beteiligung an den Stadtwerken Elbtal) und durch eigene Einnahmen.“ Diesen komme angesichts rückläufiger Gewinne der Stadtwerke eine wachsende Bedeutung zu. Folglich müsse die Sbf GmbH nicht nur neue Einnahmequellen erschließen, sondern auch möglichst wirtschaftlich arbeiten. Dabei sei der Ausgleich mit den Wünschen und Vorstellungen einzelner Kundengruppen nicht immer einfach, so der Stadtrat.

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