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Donnerstag, 12.10.2017

Storchensaison mit Hindernissen

Die meisten Vögel haben sich auf den Weg gen Süden gemacht. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Von Jens Trenklerund Susanne Sodan

Blick auf das Storchenhotel auf dem Turm der Kodersdorfer Kirche im Sommer dieses Jahres. Auch hier überlebte ein Jungstorch nicht. Foto: Jens Trenkler
Blick auf das Storchenhotel auf dem Turm der Kodersdorfer Kirche im Sommer dieses Jahres. Auch hier überlebte ein Jungstorch nicht. Foto: Jens Trenkler

Schon vor Wochen haben sich die meisten Zugvögel auf den Weg in die warmen Regionen gemacht. Auch zwischen Kodersdorf und Niesky, Weigersdorf und Rothenburg stehen die Horste auf Kirchtürmen und Strommasten nun wieder leer. Viele der Tiere sind gut durch den Sommer gekommen. Es gab aber auch einige Schicksale in der Region.

Im Juni hatte die Feuerwehr Niesky mittels ihrer Drehleiter drei verletzte Störche aus ihrem Horst in Biehain gerettet. Einen Monat später beobachtete ein Ornithologe in Ullersdorf ein Tier, welches sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Bei näherer Betrachtung wurde die Schwere der Verletzung schnell sichtbar. Der Storch hatte sich in einem Seil verfangen. Nachdem das Tier im Görlitzer Tierpark Unterschlupf fand und von einem Tierarzt untersucht wurde, musste dieser Storch eingeschläfert werden. Auch einer der Kodersdorfer Jungstorche überlebte seine erste Saison nicht. Bei einem der ersten Flugversuche verunglückte das Tier und wurde wenig später tot aufgefunden.

In Kunnersdorf bei Löbau hingegen kann sich ein Storch nicht von seiner bekannten Umgebung trennen. Seit dem 20. August hat der ehemalige Bernstädter Bürgermeister einen Mitbewohner, den Storch, der da auf seinem Dach steht. „Er ist nicht beringt, ich weiß nicht, woher er plötzlich gekommen ist“, erzählt Gunter Lange. Wie zum Beweis streckt der Storch das linke Bein nach hinten. Ein bisschen Bewegung auf dem Dach. Das Tier wechselt gerne seinen Platz, auf dem Vierseithof hat es schließlich auch vier Dächer zur Auswahl. Am liebsten aber steht es auf dem Wohnhaus. „Das ist das höchste der Gebäude“, erklärt Gunter Lange. Vielleicht hält der Storch ja Ausschau nach dem einen oder anderen Artgenossen. Nur, alle sind alle schon weg und vor geraumer Zeit nach Süden geflogen.

Völlig neu ist es nicht, dass ein Storch versucht, in der Region zu überwintern, erklärt auch der Vogelkundler Ernst Gottschlich aus Horka. „Es gab schon lange keine harten Winter mehr in der Region. So finden die Tiere auch in den Wintermonaten ihr Futter“, sagt Ernst Gottschlich. Aus seiner Kenntnis heraus war dieses das schlechteste Storchenjahr, was er seit Jahren erlebt hat. Viele der jungen Vögel wurden durch andere Tiere angegriffen oder verletzten sich anderweitig. Einige der Tiere konnten jedoch im Görlitzer Zoo aufgepäppelt werden und starteten im August wieder in die Freiheit.

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