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Freitag, 21.04.2017

Steinwerfern droht Freiheitsstrafe

Die Suche nach den Tätern läuft. Ab kommender Woche sollen die Züge wieder normal fahren.

Von Maria Fricke

Hinter dieser Scheibe des Regionalexpress Dresden-Leipzig saß eine Familie mit Kindern. Ähnlich zerstört wurde das Sicherheitsglas der Scheiben der Regionalbahn 110 Döbeln-Leipzig. Die Züge werden zurzeit repariert.
Hinter dieser Scheibe des Regionalexpress Dresden-Leipzig saß eine Familie mit Kindern. Ähnlich zerstört wurde das Sicherheitsglas der Scheiben der Regionalbahn 110 Döbeln-Leipzig. Die Züge werden zurzeit repariert.

© Bundespolizei Leipzig

Mittelsachsen. Nach den Steinwürfen von Mittwochabend hofft die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB), dass die beschädigten Triebwagen der RB 110 Döbeln-Leipzig bis zur kommenden Woche repariert sind. Bis Sonntag gibt es auf der Verbindung nur ein eingeschränktes Platzangebot. Statt zwei Triebwagen ist auf der Strecke nur einer unterwegs, so ein Sprecher der MRB. Wie es ab Sonntag weitergeht, kann der Sprecher noch nicht sagen. „Es handelt sich bei den zerstörten Scheiben um Sicherheitsscheiben. Diese sind nicht einfach so am Markt erhältlich“, erklärt der Sprecher. Er geht davon aus, dass das Material am Freitag oder Sonnabend geliefert wird. Die Mitarbeiter im Döbelner Eisenbahnbetriebsamt würden Nachtschichten einlegen, um den Schaden so schnell wie möglich zu beheben. Aber es sei nicht vorhersehbar, ob nicht beim Ausbau der Scheiben noch weitere Schäden festgestellt werden.

Die Höhe des Sachschadens beläuft sich auf eine vierstellige Summe im oberen Bereich. Konkretere Angaben gibt es vonseiten der MRB nicht. Hinzukommen noch die Kosten, die der Regiobahn durch das Organisieren und Durchführen des Schienenersatzverkehrs entstehen, wie es ihn am Mittwochabend gegeben hat.

Die Bundespolizei Leipzig ist auf der Suche nach Zeugen, die Hinweise zu den unbekannten Tätern geben können. Diese hatten im Bereich Sellerhausen am Mittwoch gegen 18.45 Uhr zunächst den Regionalexpress Dresden-Leipzig, der in Richtung Leipzig unterwegs gewesen ist, getroffen. Gegen 19.15 Uhr passierte die Regionalbahn 110 den Haltepunkt. Diese war in Richtung Döbeln, also in der Gegenrichtung unterwegs gewesen. An dieser wurden zwei Scheiben an zwei Triebwagen durch Steinwürfe zerstört. Bei der Bundespolizei wurde der Vorfall 19.25 Uhr gemeldet. Bis die Beamten vor Ort waren, waren die Täter bereits verschwunden.

Der Schaden an der Regionalbahn 110 ist vom Zugführer erst am Bahnhof Grimma festgestellt worden. Von dort aus ist der Zug leer bis nach Döbeln und dann nach Leipzig gefahren. Dort haben sich am Mittwoch gegen 22.30 Uhr Beamte der Bundespolizei den Schaden angeschaut.

Die Bundespolizei hat laut Sprecher Jens Damrau die Ermittlungen wegen des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr sowie Sachbeschädigung aufgenommen. Laut Strafgesetzbuch sind für letzteres Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren möglich. Auch Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren droht die Haft, sagt Damrau. Sind die Täter unter 14 Jahre alt und damit noch nicht strafmündig, können ihnen laut dem Sprecher der Bundespolizei Leipzig zumindest die Kosten für die Sachbeschädigung in Rechnung gestellt werden. Sind die Kinder älter als sieben Jahre, sind sie selbst haftbar. Das Geld könne über einen Zeitraum von 30 Jahren eingefordert werden, erklärt Damrau.

Dass Kinder und Jugendliche mit Steinen auf Züge werfen, ist nichts Neues. So etwas sei ab und zu schon vorgekommen, berichtet Damrau. Wenn auch nicht im Bereich Sellerhausen. In diesem Fall handele es sich jedoch um einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr. „Ich würde das schon als extrem klassifizieren“, sagt Damrau. Zwar wurde bei den Steinwürfen kein Fahrgast verletzt, doch zumindest die Familie, die im Regionalexpress nach Leipzig hinter der getroffenen Scheibe saß, hat sich mächtig erschrocken.

Um Straftaten wie diese zu verhindern, geht Damrau mit seinen Kollegen auch in die Schulen der Umgebung. Dort macht er die Klassenkameraden darauf aufmerksam, welche Konsequenzen ein solches Verhalten haben kann. Im Optimalfall kommt er dabei mit denjenigen ins Gespräch, die aus dem Umfeld der Täter kommen, sodass auch ein Bezug zu den Fällen da ist. Doch das ist schwer. Schon allein darum, weil die Schulen nur wenig Zeit für derlei Präventionsarbeit haben.

Hinweise nimmt die Bundespolizei Leipzig unter Tel. 0341 997990 entgegen.

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