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Dienstag, 14.11.2017 Im Blickpunkt

Star an den Lenkseilen

Bobpilot Wolfgang Hoppe gehörte zu den erfolgreichsten Wintersportlern der DDR. Nun feiert er seinen 60.

Von Frank Kastner

Wolfgang Hoppe – hier im Februar 2016 beim Race of Champions auf der Kunsteisbahn am Königssee – ist eine Bob-Legende.
Wolfgang Hoppe – hier im Februar 2016 beim Race of Champions auf der Kunsteisbahn am Königssee – ist eine Bob-Legende.

© dpa

Eigentlich war Wolfgang Hoppe bei Olympia 1984 in Sarajevo nur Ersatzmann hinter den etablierten DDR-Bobpiloten Bernhard Lehmann und Bernhard Germeshausen. Der damals 27-Jährige galt jedoch als Naturtalent, brachte als sprintstarker Zehnkämpfer und technisch versierter Motocross-Fahrer alles mit.

Beim Training vor den olympischen Rennen fuhr Hoppe Bestzeiten im Minutentakt. So entschied sich die DDR-Führung spontan für den Apoldaer statt für Germeshausen. Doch dann verletzte sich Hoppe beim Abschlusstraining am Rücken. „Es gab so kurz vor dem Rennen keine Rückwechselchance mehr. Ich bin rumgelaufen wie Charlie Chaplin, bekam Spritzen und war nur beim Physio“, erzählt Hoppe, der am Dienstag seinen 60. Geburtstag feiert.

Beim Rennen am 11. Februar 1984 kann er beim Aufwärmen nur Gymnastik machen, setzt alles auf seinen Anschieber Dietmar Schauerhammer. „Ich quälte mich unter Schmerzen in den gummierten Rennanzug. Erst als ich am Startbügel stand, war die Blockierung plötzlich weg“, erinnert sich einer der erfolgreichsten deutschen Wintersportler an Sarajevo. Er siegte vor Lehmann und wiederholte das Kunststück später im Viererbob.

Besser war danach nur sein Nachfolger André Lange, der mit vier Goldmedaillen und einmal Silber bei Olympia zum erfolgreichsten Bobsportler avancierte. „Mein Trainer Matthias Trübner hatte immer gesagt: Wolfgang Hoppe kopieren heißt verlieren, du musst deinen eigenen Weg gehen“, meint Lange schmunzelnd.

Hoppe, der 1983 von Österreich abgeworben werden sollte und seitdem von der DDR-Stasi als IM geführt wurde, hatte nicht nur Fingerspitzengefühl an den Lenkseilen, sondern auch technische Fähigkeiten. Chef-Aerodynamiker Adolf Müller revolutionierte die DDR-Bobs. „Wenn ihr schneller werden wollt, dann müsst ihr schmaler werden und akzeptieren, dass gerade eine Seitenverkleidung beachtliche Verbesserungen bringt. Und ihr müsst eben lernen, darüber zu springen“, sagte er.

Hoppe, der 1992 als erster gesamtdeutscher Fahnenträger bei Olympia das deutsche Team führte, beherzigte das wie kein anderer -– und hatte Erfolg. (dpa)

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