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Donnerstag, 23.03.2017

Stärkerer Wille gesucht

Die Eislöwen wollten in den Play-offs ihre Schwächen abstellen. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

Von Cornelius de Haas

Enttäuscht: Das Finale sollte es für Eislöwen-Trainer Bill Stewart mindestens sein. Doch nach vier von maximal sieben möglichen Spielen im Play-off-Viertelfinale der DEL2 steht sein Team schon kurz vor dem Aus.
Enttäuscht: Das Finale sollte es für Eislöwen-Trainer Bill Stewart mindestens sein. Doch nach vier von maximal sieben möglichen Spielen im Play-off-Viertelfinale der DEL 2 steht sein Team schon kurz vor dem Aus.

© Thomas Kretschel

Nach dem Erfolg vom Sonntag war Kapitän René Kramer noch optimistisch. 3:0 hatten seine Eislöwen da im dritten Play-off-Viertelfinale gegen Kaufbeuren gewonnen. „Mental haben wir jetzt einen kleinen Vorteil“, zeigte sich der 29-Jährige überzeugt. Zwei Tage später, im vierten Spiel der Best-of-7-Serie in der Deutschen Eishockey Liga 2, war davon nichts zu sehen. Die Dresdner verloren bei den Allgäuern mit 3:6 und liegen gegen den ESV in Summe nun mit 1:3 zurück. Trainer Bill Stewart stellte anschließend konsterniert fest: „Ich bin seit 21 Jahren im Trainergeschäft unterwegs. Dieses Ergebnis gehört zu den peinlichsten Momenten meiner Trainerkarriere.“

Das vor der Saison ausgegebene Minimalziel ist in weite Ferne gerückt. Stewart wollte mit seinem Team besser abschneiden als in der vorangegangenen Spielzeit. Damals stießen die Eislöwen ins Play-off-Halbfinale vor. Die Spieler machten sich noch mehr Druck und erklärten die Meisterschaft zum Ziel. Bei einer Niederlage am Freitag vor eigenem Publikum droht nun bereits das Saisonende im Viertelfinale.

Zwar stand nach dem Ende der Hauptrunde mit Rang vier die beste Platzierung der Vereinsgeschichte. Doch schon in diesen 52 Partien zeigte sich das Problem der Dresdner, mit dem sie auch in der bisherigen Play-off-Runde zu kämpfen haben – die mangelnde Konstanz. Zum Beispiel aus Ergebnissicht: Auf souveräne Auftritte wie die 5:1- und 8:2-Siege bei den Kassel Huskies, immerhin amtierender DEL 2-Meister, folgten unnötige Niederlagen – in besagten Fällen je 1:3 bei den Wölfen Freiburg und eben gegen Kaufbeuren.

Zu Erklären ist das – trotz 169 geschossener Tore – vor allem mit der mangelnden Chancenverwertung der Sachsen, die sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht. Nicht nur Stewart, auch seine Spieler beschworen mehrfach, der Druck auf das gegnerische Tor müsse erhöht, die Chance zum Nachschuss aktiver gesucht werden.

Verschärft wird das Problem seit Mitte Februar noch durch personelle Sorgen. Kurz nacheinander verletzten sich Förderlizenzspieler Lucas Dumont sowie der mit zwölf Treffern in zehn Spielen gerade in Torlaune gekommene Martin Davidek derart schwer, dass für beide die Saison wohl beendet ist. So musste am Sonntag mit Sebastian Zauner ein Abwehrspieler im Sturm aushelfen.

Zudem fällt Toptorjäger Brendan Cook vor allem vermehrt durch seine Beteiligung an Rangeleien auf dem Eis denn durch spielentscheidende Treffer auf. Auch der Transfer von Juuso Rajala, Anfang Januar mit der Empfehlung von 40 Scorerpunkten aus Bad Nauheim nach Dresden gekommen, erwies sich bislang nicht als die gewünschte Verstärkung. Zuletzt landete der 28 Jahre alte Finne, der den nach Bietigheim gewechselten Ex-Kapitän Marcel Rodman ersetzte, häufiger als überzähliger Ausländer auf der Tribüne.

Eine weitere Baustelle der Eislöwen: Zu selten gehen sie über 60 Minuten hellwach und konzentriert zu Werke. So verspielten sie in eigener Halle gegen die Löwen aus Frankfurt drei sicher geglaubte Punkte. 4:1 stand es nach 40 Minuten, am Ende hieß es 5:6. Gegen die Teams aus der unteren Tabellenhälfte reichte es trotzdem noch oft genug zum Sieg. Doch für die Play-offs reicht das nicht. Nur beim Heimerfolg am vergangenen Sonntag waren die Dresdner von Beginn an im Spiel.

So sah sich Stewart nach der jüngsten Pleite genötigt, sein Mantra zu wiederholen: „In den Play-offs geht es einzig und allein darum, einen stärkeren Willen zu entwickeln als der Gegner. Und zwar von der ersten Minute an.“ Man könne ein Spiel verlieren, wenn man zuvor Willen und Leidenschaft gezeigt hat, aber „das haben wir nicht“. Die Hoffnung gibt der 59-Jährige deswegen noch lange nicht auf: „Wir atmen noch.“ Schließlich rechnet der Kanadier damit, dass das Duell erst nach sieben Spielen entschieden ist. Damit es dazu kommt, ist ein Sieg der Eislöwen am Freitagabend die erste Voraussetzung.

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