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Dienstag, 14.11.2017

Stacheliger Hausgast

Einige Igel sind zu klein, um draußen zu überwintern. Eine Pirnaer Zoohandlung nimmt sie auf. Aber nur im Notfall.

Von Mareike Huisinga

Wie helfe ich Igeln?

Uwe-Jens Bartling aus Pirna bringt einen kleinen Igel durch den Winter.
Uwe-Jens Bartling aus Pirna bringt einen kleinen Igel durch den Winter.

© Daniel Schäfer

Der Igel schnuppert erwartungsvoll, als Uwe-Jens Bartling das Gitter öffnet. Frühstück! Der Besitzer einer Zoohandlung aus Pirna füllt seinem Gast den Napf mit frischem Wasser und Katzenfutter auf. Mit gutem Appetit macht sich der Vierbeiner über das Fressen her. Es schmeckt, wie seine Schmatzgeräusche verraten.

Das Stacheltier hat in der Zoohandlung Asyl bekommen. „Eine Familie auf dem Sonnenstein entdeckte ihn im Garten und rief mich an“, sagt Bartling. Sofort ist der Tierfreund hingefahren und hat den Igel eingefangen. Magere 59 Gramm brachte der Vierbeiner auf die Waage. Zu wenig, um es allein durch den Winter zu schaffen. Unter der Obhut von Uwe-Jens Bartling und seinem Team hat der stachelige Freund zwar schon zugenommen, wird aber trotzdem erst im Frühjahr wieder in die Freiheit entlassen.

Wie helfe ich Igeln?

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Die Igel werden in einem Raum, der wärmer ist als 15 Grad, gehalten. Das Gehege sollte mind. 1,5-2 qm groß sein. Es wird mit Zeitungspapier ausgelegt.

Die Gewichtszunahme muss täglich kontrolliert werden. Ideal ist eine Gewichtszunahme von 10 bis 15 Gramm pro Tag bei Jungigeln.

Spätestens, wenn die Igeljungen ein Gewicht von 500 bis 600g erreicht haben und gesund sind, müssen sie zur Überwinterung draußen in ein Freigehege oder auf einen geschlossenen Balkon umgesiedelt werden, wo sie den Winterschlaf halten.

Hier gibt es mehr zu erfahren http://www.pro-igel.de

Bartling ist Profi, schon über 30 Igel hat er durchgefüttert. In der Regel läuft es so ab, dass Gartenbesitzer sehr kleine Fundigel beim Ordnungsamt oder beim Tierheim melden. Die Mitarbeiter vermitteln weiter an Bartling, der die Tiere abholt. „Aber nur im Notfall. Denn, wenn zu viele Igel zusammen auf engem Raum leben, besteht die Gefahr, dass sie sich gegenseitig mit Parasiten anstecken“, berichtet der Fachmann. Der Landkreis übernimmt die Grundkosten, u. a. für Futter. Die Pflege erfolgt ehrenamtlich.

Folglich ist der bessere Weg, wenn die Finder, die Igel selber bei sich aufnehmen und überwintern lassen. Doch dabei sind einige Grundsätze zu beachten. „Nur Tiere, die unter 400 Gramm wiegen, sollten hereingenommen werden“, sagt Bartling. Auf keinen Fall darf man den Tieren Kuhmilch geben. Wichtig ist, dass die Igel häufiger kleine Mahlzeiten bekommen. Sonst haben sie Probleme mit der Verdauung, berichtet Bartling. Fast alle Igel leiden unter Flöhen und müssen behandelt werden.

Bartling schaut auf seinen kleinen Gast, der mittlerweile sein Frühstück verputzt hat. Klar, der Kuschelfaktor ist bei diesem besonderen Haustier eher gering. „Aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Auch Igel bemerken, wer gut zu ihnen ist und entwickeln ein Vertrauensverhältnis zu dem Menschen“, sagt der Zoohändler. Zum Beweis nimmt er den kleinen Igel aus dem Käfig, und der Vierbeiner schleckt ihm sofort die Hand ab. Ein wenig Wehmut wird Bartling begleiten, wenn er seinen Überwinterungsgast je nach Witterung im Frühjahr wieder nach draußen in den Wald setzt. Aber im Kopf weiß er: Die Tiere haben es in der Natur und in der Freiheit besser, als dauerhaft eingesperrt zu sein.