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Freitag, 29.12.2017 Rückblick 2017

Spitzenweine aus Langebrück

Stefan Bönsch ist hauptberuflicher Winzer. Jetzt hat er die ersten Weine im neuen Haus an der Kirchstraße gekeltert.

Von Thomas Drendel

Winzer Stefan Bönsch in seinem Weinkeller in Langebrück. Das Haus Kirchstraße 13 hat er vor einigen Monaten gekauft. Im Obergeschoss war bis 1988 die Gaststätte Kellerberg untergebracht. Im Untergeschoss wird eine Weinstube entstehen.
Winzer Stefan Bönsch in seinem Weinkeller in Langebrück. Das Haus Kirchstraße 13 hat er vor einigen Monaten gekauft. Im Obergeschoss war bis 1988 die Gaststätte Kellerberg untergebracht. Im Untergeschoss wird eine Weinstube entstehen.

© Thorsten Eckert

Langebrück. Der Keller ist wie gemacht für Wein: dicke Mauern, fensterlos, konstante Temperatur und ausreichend Platz für mehrere Eichenfässer. „Das Klima ist ideal. Die Gewölbe stammen vermutlich aus dem Jahre 1730. Damals wurde sehr solide gebaut“, sagt Stefan Bönsch. Er ist Langebrücks einziger Winzer im Hauptberuf. Im Haus Kirchstraße 13 richtet er jetzt seine „Werkstatt“ ein. Neben den Fässern soll hier die Weinpresse untergebracht werden und alles, was ein Winzer so braucht. Wo Wein gelagert wird, will er auch getrunken werden. „Deswegen kommt in den Vorraum des Gewölbes eine Weinstube. Schön urig, mit langen Bänken und Tischen. Allein die Natursteinwände schaffen ja schon eine wunderbare Atmosphäre.“ Bei Bedarf können auch mehrere Tische in den Vorgarten gestellt werden. Inzwischen hat er hier die ersten Weine gekeltert, vor allem weiße: Graurießling, Grüner Veltliner, Spätburgunder.

Für Stefan Bönsch ist das Haus ein Glücksgriff, wie er sagt. Nicht nur wegen des Kellers. „In der Kirchstraße 13 war früher die Gaststätte Kellerberg untergebracht. Deswegen gibt es hier eine gewisse gastronomische Tradition. Die älteren Langebrücker haben hier noch ihr Bier getrunken. Sie war bis 1988 in Betrieb.“ Die Gaststube im Obergeschoss sieht noch so aus, als hätten die letzten Zecher sie erst vor Kurzem verlassen. Zwar fehlen Tische und Stühle, doch an den Wänden hängen noch die alten Bilder und die Tapete von damals. Auch der DDR-typische gusseiserne Ofen könnte sofort wieder angeheizt werden. Sogar eine Preisliste aus der damaligen Zeit ist noch zu finden: Tasse Kaffee 65 Pfennige, ist da zu lesen. Unten Weinstube und oben wieder Gaststätte? Stefan Bönsch winkt ab. „Nein, ich bin Winzer, kein Gastwirt. Was genau aus den Räumen wird, wissen wir noch nicht. Vielleicht richten wir eine Ferienwohnung ein.“ Das Haus hatte er vor einigen Monaten gekauft. „Wir waren lange auf der Suche. Nichts hat so richtig gepasst. Als wir das hier gesehen haben, war klar, das ist es und dann noch mit der Tradition.“ Außerdem ist es nicht weit bis zu seinen Rebstöcken. 20 Minuten braucht er bis zu seinen Hängen bei Radebeul, Meißen und Niederwartha. Etwa einen Hektar bewirtschaftet der Langebrücker insgesamt. Allein. Nur die Familie und seine Freunde packen mit an.

Gewaltige Umstellung

Ursprünglich wollte der gebürtige Dresdner Meteorologe oder etwas ähnliches werden. „Mir war es vor allem wichtig, dass ich draußen arbeiten kann. Das habe ich auch bei der Berufsberatung gesagt. Daraufhin hat die Mitarbeiterin mir empfohlen, Winzer zu werden“, erzählt Stefan Bönsch. So kam es dann auch. Im Weingut Schloss Wackerbart machte er seine Ausbildung, ging anschließend ins Burgenland nach Österreich, um dazuzulernen. „Ein Jahr hat es mich dort gehalten. Wegen der Familie bin ich dann wieder zurück und habe wieder bei Wackerbart angefangen.“ In der renommierten Weinbauschule in Weinsberg bildete er sich zum Küfermeister aus. Schon nebenbei bewirtschaftete er allerdings einen eigenen kleineren Weinberg. „Das war mein Hobby. Allerdings hatte ich schon immer den Gedanken, daraus mal meinen Hauptberuf zu machen.“ Als ihm dann noch ein halber Hektar angeboten wurde, griff er zu und gab die Stelle bei Wackerbart auf. „Das war schon eine gewaltige Umstellung. Ich hatte ja jetzt eine Firma, die musste wirtschaftlich geführt werden. Meine Frau hilft mir seitdem sehr, sie ist Betriebswirtschaftlerin und übernimmt den buchhalterischen Teil. Außerdem ist sie sehr kreativ, wenn Stände geschmückt und Veranstaltungen geplant werden müssen.“ Vollständig kann der Winzer von seinem Weinberg noch nicht leben. „Drei Tage in der Woche bin ich noch in der Weinmanufaktur Mariaberg in Meißen angestellt, vier Tage arbeite ich für mich.“ 6 000 Flaschen produziert er jetzt jedes Jahr. Vom Geschmack seiner Weine können sich künftig auch die Langebrücker im Kellerberg überzeugen. Er plant mehrere Weinfeste. Die genauen Termine stehen allerdings noch nicht fest.

stefanboensch.wordpress.com