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Dienstag, 14.11.2017

Sorgen mit Bahnsteig 5

Der Bahnhof Coswig hat sich gemausert. Mit schickem Vorplatz und gut erreichbaren Bahnsteigen. Bei einer Ausnahme.

Von Ines Scholze-Luft

Aussicht: Weniger schön. Soll sich aber ändern, die Bahn will den Bahnsteig 5 des Coswiger Bahnhofs noch sanieren.
Aussicht: Weniger schön. Soll sich aber ändern, die Bahn will den Bahnsteig 5 des Coswiger Bahnhofs noch sanieren.

© Norbert Millauer

Coswig. Schlecht gelaufen. Oder besser gestiegen. Denn der Mann, der gerade sein Rad hoch schleppt zum Bahnsteig 5 – er will gar nicht hierher. Sondern auf den Nachbarbahnsteig, wie er nach intensivem Blick auf den vergilbten Fahrplan in der Infotafel feststellt. Also Rad geschnappt und flinke Hufe gemacht. Sein Zug fährt gleich.

Was ihm den Weg ein wenig versüßen dürfte: Nebenan gibt es einen Aufzug. Und ein ordentliches Dach, sehr nützlich bei immer stärker tropfendem Regen.

Das sind zwei Welten. So der erste Gedanke des Reisenden, der auf dem Coswiger Bahnhof versehentlich auf Bahnsteig 5 landet. Und eigentlich zu den Bahnsteigen 1/2 und 3/4 will, zur S-Bahn nach Dresden oder Meißen, zur Regionalbahn, beispielsweise nach Ruhland. Auf diese Bahnsteige kommt er problemlos, per Aufzug, durch den hellen Tunnel. Doch wer ein anderes Ziel hat, nach Dresden-Hauptbahnhof über Cossebaude und Friedrichstadt, der muss weiter zu Nummer 5.

Doch dabei wächst der Eindruck, nach Bahnsteig 4 endet das Moderne. Die 5er-Treppe schmaler, Überdachung und Wände des Aufgangs teils blickdicht, teils nur leicht lichtdurchlässig und – die Vandalen lassen grüßen – beschädigt wie das Oberteil der Infotafel. Grüner Wildwuchs am Boden, dafür aber keine Überdachung. Und vor allem: kein Aufzug.

Geht es hier vielleicht durch die Wand? Wie bei Harry Potter und seiner geheimnisvollen Abfahrt im Londoner Bahnhof Kings Cross von Gleis 9 3/4 zur Zauberschule Hogwarts? Doch eben so wenig, wie der Normalsterbliche im Bahnhof der Themse-Stadt durch eine Ziegelwand verschwinden und den Hogwarts-Express besteigen kann, kommt er in Coswig in eine Märchenwelt. In eine andere als auf den Bahnsteigen davor schon. In eine etwas am Rand.

Dabei hat der Bahnhof Coswig viel zu bieten. Zwei schicke Mittelbahnsteige, einen für die S-Bahn, den anderen für Fernzüge. Seit dem großen, vor zwei Jahren beendeten Umbau, der beide Verkehre voneinander trennt und der S-Bahn der Viertelstundentakt ermöglicht. Neue Gleise entstanden, neue Bahnsteige samt Stützwänden, Überdachung und Aufzügen.

So gelangt der Fahrgast bequem vom Bahnhofsvorplatz bis zum Zug. Das geht schon auf dem Vorplatz los. Die Bushaltestelle wurde erst kürzlich auf Vordermann gebracht, ebenso die überdachten Fahrradständer. Und damit die grauen Tunnelwände keine Depressionen auslösen, sind sie jetzt bunt – profimäßig verschönert.

Nur Bahnsteig 5 ist ein Sorgenkind. Das auch schon den Weg in den Stadtrat fand, weil eine Frau mit Kinderwagen hilflos vor der Treppe stand. Da tut sich noch was, versichert OB Frank Neupold (parteilos). Und deutet an, dass auch dort noch saniert wird. Wobei es Probleme mit den Platzverhältnissen für den Zugang gebe, für Schrägen oder einen Aufzug.

Die DB-Pressestelle wird auf SZ-Anfrage etwas konkreter und erklärt: Die DB will den Bahnsteig 5 erneuern. Nach heutigem Planungsstand wird der Bau voraussichtlich 2021 und 2022 stattfinden. Vorgesehen ist der Ersatzneubau des Bahnsteigs 5 inklusive eines stufenfreien Zugangs.

Damit ist zumindest die Annahme vom Tisch, der Bahnsteig könne abgerissen werden. Doch wie soll der stufenfreie Zugang aussehen? Ein Aufzug, eine Rampe? Für beide Varianten plus Treppe ist eigentlich zu wenig Platz, macht Ordnungsamtschef Olaf Lier anhand eines Luftbildes klar. Tatsächlich verengt sich der Gleisbereich, rückt ran an die 5. Kompliziert, weil  Mindestabstände einzuhalten sind. Nur Aufzug geht nicht, dann fehlt die Sicherheitsvariante ohne Strom. Die Bahn sucht noch, die Stadt drängt, so Olaf Lier.

Für Andreas Franzke ist das alles eher kein Problem. Er ist mit Fahrkartenverkauf und Imbiss im Bahnhofsgebäude eingemietet, sagt, dass bei ihm nicht so viele Anfragen wegen Bahnsteig 5 landen. Mit einer Abfahrt pro Stunde friste der eher ein Schattendasein, erklärt Andreas Franzke. Er werde eher mit anderen Problemen konfrontiert. Wenn die Bahn ausfällt, wie in den vergangenen Tagen gleich mehrfach. Dann suchen die Fahrgäste bei ihm Rat.