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Freitag, 13.04.2018

So soll es den Bauern besser gehen

Jedes Land soll Kontrollen einrichten, um die Agrarbetriebe vor unlauteren Handelspraktiken der Lebensmittelketten zu schützen. Um die Preise geht es später.

Von Detlef Drewes, SZ-Korrespondent in Brüssel

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Seit Jahren schon protestieren Bauern immer wieder für faire Preise und faire Behandlung. Jetzt soll sich da etwas tun.
Seit Jahren schon protestieren Bauern immer wieder für faire Preise und faire Behandlung. Jetzt soll sich da etwas tun.

© Maja Hitij / dpa

Frisches Obst und Gemüse, preiswerte Milch, hohe Qualität bei Fisch – der Verbraucher erwartet im Einzelhandel ein breites und gutes Angebot. Trotzdem kommen viele Landwirte und andere Hersteller nicht auf einen grünen Zweig. Nun greift die Brüsseler EU-Kommission ein und will für faire Bedingungen auf dem Markt sorgen. Und sie legt die großen Nahrungsmittelketten an die Leine.

Um welche Praktiken geht es?

Die EU-Experten haben den Markt etliche Jahre beobachtet und Beispiele gesammelt. Ihnen sind viele Vorgänge aufgefallen, die am Donnerstag in Brüssel als „die schädlichsten unlauteren Handelspraktiken“ bezeichnet wurden und nun abgestellt werden sollen. Da werden leicht verderbliche Nahrungsmittel oft erst Monate später bezahlt. Einzelhandelsketten kürzen die bestellte Menge von Agrarprodukten wenige Stunden vor der Lieferung, sodass der Bauer oder Fischer die Ware nicht anderweitig verkaufen kann. Es gibt unzuverlässige Vereinbarungen über Lieferhäufigkeit, -zeitpunkt, - umfang oder zum Preis. In einigen Fällen wurden Landwirte oder kleine Erzeugergenossenschaften gezwungen, sich an Werbemaßnahmen der Ketten finanziell zu beteiligen. Insgesamt beziffern sich die negativen Folgen für die Betriebe nach Angaben aus Brüssel auf elf Milliarden Euro im Jahr.

Wie soll das denn nun geändert werden?

In jedem Mitgliedstaat muss eine entsprechende Kontrollbehörde (in Deutschland die Gewerbeaufsicht) installiert werden, sofern sie nicht bereits vorhanden ist. Sie ist Ansprechpartner für unlautere Vertragsbedingungen, soll aber auch aktiv kontrollieren und einschreiten.

Und das soll die Bauern schützen?

Ja, es geht zunächst darum, vor allem kleine und mittlere Betriebe vor Zwangsmaßnahmen der Handelsketten zu bewahren. Konkret sind das Betriebe mit weniger als 250 Beschäftigten oder einem Jahresumsatz von weniger als 50 Millionen Euro oder einer Jahresbilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro. Darunter fallen also kleine Fischerei-Betriebe ebenso wie die bäuerlichen Familien-Höfe.

Wie soll das überwacht werden?

Die Kommission fordert, dass die komplette Lieferkette künftig kontrolliert wird: vom einzelnen Erzeuger, den Erzeugerorganisationen über die Genossenschaften und Verarbeiter bis hin zum Großhändler.

Was ist mit Agrarbetrieben, die die EU beliefern, sich selbst aber nicht in einem EU-Land befinden?

Auch die Erzeuger in Drittländern sollen in die Maßnahmen einbezogen werden. Die Kommission will verhindern, dass es durch die verstärkte Überwachung unfairer Praktiken zu Wettbewerbsverzerrungen auf dem EU-Markt kommt. Denn dieses Risiko wäre groß, weil die Supermärkte ihre Waren dann eben billiger in Drittstaaten einkaufen könnten.

Müsste Brüssel nicht auch die Preise genauer ansehen?

Das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt. In diesem ersten Schritt hat die EU-Verwaltung noch von einer derart durchgreifenden Maßnahme Abstand genommen. Aber Agrarkommissar Phil Hogan, der das neue Paket gestern in Brüssel vorstellte, kündigte bereits an, dass es in der zweiten Jahreshälfte weitergehende Vorschläge geben soll. Denn die Frage der Preisgestaltung sorgt immer wieder für Unmut. So beschwerten sich beispielsweise die Milchbauern in der Vergangenheit immer wieder darüber, dass ihre Produkte teils unter dem Einkaufspreis angeboten wurden.

Müssen die Verbraucher damit rechnen, dass Lebensmittel teurer werden?

Die Kommission sieht diese Gefahr nicht. Denn die unlauteren Praktiken führen, so die Behörde, nicht zu Niedrigpreisen für die Verbraucher, sie schmälern nur die Einkommen der Bauern als dem schwächsten Glied der Kette. Derzeit verbleiben nur rund 21 Prozent des Umsatzes beim Erzeuger, 28 Prozent beim verarbeitenden Betrieb. 51 Prozent allerdings steckt der Handel ein. Das soll nicht so bleiben.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. drops

    Ich gebe zu, dass ich wenig Einblick in die Gemengelage der Lebensmittelbranche habe. Aber wenn ich die Prozentzahlen in letzten Absatz lese, erkenne ich eigentlich kein Drama. Ca. 50% Vermarktungskosten stecken in beinahe jedem Produkt, was über die Theke geht, bei manchen vllt. etwas weniger, bei anderen etwas mehr. Das Problem liegt wahrscheinlich zuerst bei uns - da werden Angebotsblättchen durchforstet und der letzte gesparte Cent noch als Triumph gefeiert. Der Handel befeuert das mit dämlichen "Rabatt"schlachten. Wenn beim Erzeuger nicht mehr das ankommt, was jenseits hochindustrialisierter Herstellung nötig wäre, dann gibt es ein echtes Preisproblem. Bewusster einkaufen als Teil der Lösung? Eigentlich haben wir Kunden viel Macht - nur wir nutzen Sie zu wenig.

  2. Joachim Herrmann

    Ja, wo entstehen denn nun die überbordenden Kosten. Beim Erzeuger wohl nicht. Bei den Transporten durch halb Europa wohl schon eher- weil die "Umwandlung" macherorts ein paar Cent spart. Bei der Haltbarmachung- ein eigenes Kapitel wert, denn, warum müssen soviele LM eingeschweißt, pastorisiert und mit Chemikalien vergiftet werden- hm- na, ja?! Dann die Transportwege zum "Finallisten"- die endlosen LKW- Schlangen auf Autobahnen, kaum Bahn- dann die Haupt-, Zwischen- und Endlager- dann die Kühlstrecken- und, und, und?! Dann die Preisstrukturen, die sicher auch mit dem "Wettbewerb" einher gehen und auch mit dem Verbraucher- "Denken". Und auch mit der zügellosen Werbung, die wieviele "Arbeitsplätze" sichert?Dabei müsste eigentlich Jedem mittlerweile ins Bewusstsein gehämmert worden sein-"Alles was beworben wird-sollte man nicht kaufen, machen oder tun"!Dazu kommt noch der gewöhnliche Kapitalismus,der sich hinter dem Kürzel soz.-MW. versteckt.Geld und Konzerne haben das Sagen- Bauern nicht!

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