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Donnerstag, 04.01.2018

So schnell wie möglich wieder malen

Eine schwere Krankheit verändert das Leben von Elvi Schmidt. Jetzt stellt sie im Rathaus anlässlich ihres 70. Geburtstages einige Werke aus. Nicht nur Malerei.

Von Uta Büttner

Die Künstlerin Elvi Schmidt präsentiert einen Teil ihrer Werke in der Ausstellung aus Anlass ihres 70. Geburtstages im Coswiger Rathaus. Einige dieser Bilder – wie das große Gemälde im Vordergrund – sind Leihgaben.
Die Künstlerin Elvi Schmidt präsentiert einen Teil ihrer Werke in der Ausstellung aus Anlass ihres 70. Geburtstages im Coswiger Rathaus. Einige dieser Bilder – wie das große Gemälde im Vordergrund – sind Leihgaben.

© Norbert Millauer

Coswig. Dunkel, fast bedrückend wirkt das große Gemälde einer alten Stadt in der französischen Normandie. „Das Bild mag ich besonders. Wegen der Raumtiefe und der starken Vereinfachung“, sagt Elvi Schmidt. Anlässlich ihres 70. Geburtstages Anfang November präsentiert die Künstlerin Malereien, Grafiken und Plastiken im Coswiger Rathaus.

Elvi Schmidt schaut sehr ernst: „Das ist für mich typisch.“ Warum? „Weil das Leben so ernst ist. Ich kann nicht mehr richtig sprechen und vieles fällt mir aus der Hand.“ Grund ist ein Schlaganfall, den die 70-Jährige im Mai 2015 erlitt – genau am Geburtstag ihres Mannes Peter Adam Schmidt. „Es war ein schöner Tag, ich habe gerade sehr schön gezeichnet, als es wie durch mich durchriss“, erzählt die ehemalige Lehrerin für Kunsterziehung. Die Eheleute waren kurz zuvor von einer ihrer vielen Studienreisen – diesmal aus Marokko – wiedergekommen, die ihr Mann als Präsident für die Mitglieder der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, der Vereinigung für Baumkunde, organisierte.

Noch im Krankenhaus hat Elvi Schmidt nur daran gedacht, so schnell wie möglich wieder zu malen. „Ich habe danach wie ein Weltmeister gearbeitet. Bestimmt zehn Bilder in einer Woche.“ Denn sie hatte so viel Studien aus Marokko mitgebracht. Einige dieser farbenfreudigen Werke sind auch im Rathaus zu sehen. Von Dunkelheit und Traurigkeit keine Spur – trotz ihrer Krankheit, die ihr Leben so verändert hat. „Manche Leute sagen, meine Bilder seien grober geworden, hätten nicht mehr diese Leichtigkeit“, sagt Elvi Schmidt. Und dabei erzählt sie von Folgeerscheinungen des Schlaganfalls und von nötigen Medikamenten, die sie zusätzlich beeinträchtigen.

Vor allem aber ist die Künstlerin traurig, dass sie nicht mehr ihre geliebten, großen Plastiken aus Holz mit Kettensäge und Trennschleifer allein herstellen kann. Doch sie hatte Glück: Der Ingenieur Volkmar Kluck aus Radebeul hörte von ihrem Problem und bot seine Hilfe an. Und so entstanden unter Anleitung der Künstlerin auch in diesem Jahr wieder Plastiken. „Das hat wunderbar geklappt“, sagt Elvi Schmidt dankbar und zugleich erfreut.

Holz – dieses Material aus der Natur inspiriert die Künstlerin immer wieder. Aus altem Holz – egal, ob Stücke von Obstbäumen, Wurzeln oder Schwemmholz – kreiert Elvi Schmidt die schönsten Werke. Mal betont sie nur Nuancen im Holz, mal entsteht ein schlafender Hund, mal eine kleine Stadt im Baumstamm. So vielfältig wie ihre Malereien und Grafiken sind, so vielfältig und beeindruckend sind auch ihre verschiedenen Techniken.

Von der diesjährigen Studienreise im russischen Fernen Osten brachte sie beispielsweise einen halben kleinen Koffer voller Schwemmholz mit. Daraus entstehen kleine Menschen- und Tierköpfe, verrät die Künstlerin. „Dieses Holz lässt sich wunderbar schnitzen, weil es so weich ist.“ Zum Winterseminar der jungen Dendrologen, Februar 2018 im belgischen Flandern, wird sie diese Kunstwerke präsentieren.

Ihr großes Repertoire erklärt Elvi Schmidt mit ihrer früheren Lehrertätigkeit. „Nur wenn ich etwas selbst beherrsche, kann ich es auch den Schülern beibringen.“ Während des Gesprächs über Maltechniken, Farben, Formen und Inspiration scheint Elvi Schmidt die ganze Last in ihrem Leben zu vergessen. Weder wortkarg – wie sie sich selbst als gebürtige Mecklenburgerin bezeichnet – noch ernst erzählt sie über ihre Arbeiten und Motive. „Ich bin glücklich, wenn mir ein Bild gelingt. Dabei ist mein Mann mein stärkster Kritiker“, sagt sie lächelnd. „Er sieht sofort eine Ecke, wenn sie nicht gelungen ist.“

Elvi Schmidt malt schon seit ihrer Kindheit. „Ich habe immer mit meinem Vater gezeichnet.“ Ein Studium an der Kunsthochschule in Berlin Weißensee war ihr Traum. Doch ihre Studienbewerbung war erfolglos. „Mein Vater war nur Volkskünstler, von moderner Kunst hatte er und somit auch ich keine Ahnung. Ich stand wie ein verlorenes Kind da. Die Anforderungen waren damals viel zu hoch für mich“, sagt Elvi Schmidt rückblickend.

Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen hat die Künstlerin ihren festen Platz in der Szene. So hielt der renommierte Kunsthistoriker Rainer Beck die Laudatio zur Vernissage im Rathaus.

Die Personalausstellung Elvi Schmidt, ursprünglich bis 13. Januar geplant, wird aufgrund der lebhaften Resonanz bis Anfang März verlängert, heißt es aus dem Rathaus.