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Donnerstag, 28.12.2017

Sicherheit kommt an neuer Straße noch zu kurz

Fast vier Jahre ist am Innenstadtring in Roßwein gebaut worden. Doch an mehreren Stellen sind Gehwege zu steil. Ein Schutzblinker fehlte.

Von Heike Heisig

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Ein Problem am neuen Innenstadtring ist gelöst. Die Ampel gegenüber der alten Post hat einen blinkenden Hinweis auf Fußgänger, die die Straße queren, bekommen. Diesen hielt die Behörde am Schulweg zunächst für entbehrlich. Dabei sehen Kraftfahrer, die aus Richtung Dresdener- und Döbelner Straße auf die Poststraße abbiegen, erst relativ spät, ob noch ein Fußgänger die Straße überqueren will.
Ein Problem am neuen Innenstadtring ist gelöst. Die Ampel gegenüber der alten Post hat einen blinkenden Hinweis auf Fußgänger, die die Straße queren, bekommen. Diesen hielt die Behörde am Schulweg zunächst für entbehrlich. Dabei sehen Kraftfahrer, die aus Richtung Dresdener- und Döbelner Straße auf die Poststraße abbiegen, erst relativ spät, ob noch ein Fußgänger die Straße überqueren will.

© Dietmar Thomas

Das Postgebäude schränkt die Sicht ein.
Das Postgebäude schränkt die Sicht ein.

© André Braun

Roßwein. Jahrelang sind die Bauarbeiten an den durchs Stadtzentrum führenden Staatsstraßenabschnitten ein Aufreger gewesen. Statt im Sommer 2015 ist der 1,3 Kilometer lange Innenstadtring erst zwei Jahre später fertig geworden. Das hat in nahezu jedem Abschnitt an den Nerven von Anwohnern und Geschäftsleuten gezerrt. Nun ist es aber geschafft. Seit diesem Sommer kann die neue Trasse durchgängig befahren werden. Die Händler feierten das mit einer Einladung zum Nachteinkauf.

Gehwegneigung wird erst nach monatelanger Kritik reduziert

Doch einigen Nutzern ist nicht nach Feiern zumute. Es gibt Sicherheitsbedenken. Die können jedoch erst im Laufe des nächsten Jahres abgestellt werden. Das betrifft zu steile Fußwegabschnitte an der Döbelner Straße/Ecke Markt, in Höhe Frisör und Optiker sowie an der Ecke Dresdener Straße/Brückenplatz.

Dass überhaupt Änderungen in Aussicht stehen, ist auch der Beharrlichkeit der Mitglieder des Behindertenrates zu verdanken. Ihre berechtigten Hinweise, dass das Gefälle des Fußweges in Höhe des Frisörs fast doppelt so groß ist als es die DIN-Vorschriften zulassen, wurden monatelang überhört und vom Auftraggeber bereits als Kompromiss dargestellt. Doch ein vom Beirat organisierter Rundgang mit Hilfsmitteln wie Rollator, Rollstuhl und Blindenstock zeigte: Gerade an den steilen Stellen besteht die Gefahr, dass Rollstühle kippen können, sich Alte und Kranke verletzen.

„Die Verkehrsinfrastruktur muss alle Interessen berücksichtigen!“ – erst nachdem sich Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann (CDU) eingeschaltet und diese Forderung aufgemacht hat, spürten die Vertreter des Beirates und der Kommune ein Einlenken der des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) als Auftraggeber. Es gab Gespräche in Roßwein. Danach einigten sich die Teilnehmer, dass es bauliche Veränderungen geben wird. An der Marktecke soll ein Geländer dafür sorgen, dass Fußgänger und Rollstuhlfahrer nicht auf die Fahrbahn geraten. Der abgesenkte Bordstein an dieser Stelle wird verlegt. Beim Frisörgeschäft ist ebenfalls eine Erhöhung des Bordsteines geplant. Dies und einige andere bauliche Veränderungen sollen ein Abmildern des Gefälles bewirken und möglichst 2018 realisiert werden.

Ebenfalls eine Lösung ist für den Bereich Dresdener Straße/Brückenplatz gefunden worden. Wiederum unter Einbeziehung des Behindertenbeirates ist folgende Lösung im Gespräch: Der relativ steile Fußweg von der Muldenbrücke soll um zu fünf Meter in Richtung Brückenplatz verlängert werden, um die Querneigung zu lindern. Auch das wird erst 2018 passieren.

Zunächst entbehrlicher Hinweis auf Fußgänger ist letztlich doch montiert

Mit den neu ausgebauten Straßenstücken hat Roßwein erstmals mehrere Ampelanlagen bekommen. Auch die verlangen den Kraftfahrern einiges an Umgewöhnung ab. Die Ampeln an der ehemaligen Post hielten Eltern zunächst für so gefährlich, dass einige ihren Kindern verboten, die Straße dort zu queren. Dabei ist nebenan die Schule, und der Weg dahin sollte sicher sein.

Das Lasuv hielt den Hinweisblinker an dieser Stelle für entbehrlich. Kraftfahrer müssten beim Abbiegen immer aufpassen, so die Behörde. Doch damit wollte sich Henning Homann, Landespolitiker und Chef der SPD-Ortsgruppe, nicht abfinden. Er spürte, dass der Unmut der Roßweiner wächst. Er nannte mit der Leisniger Johannistalkreuzung ein Beispiel, wo die Situation genau die gleiche ist – es da aber einen „Blinki“ gibt. Daraufhin wird im Oktober auch an der Postampel einer installiert.

Die Kosten für den Ausbau der S 34/39 in Roßwein sind anfangs mit 1,6 Millionen Euro angesetzt gewesen. Ende 2016 war schon von Mehrkosten in Höhe von rund 400 000 Euro die Rede. Was das Projekt letztlich gekostet hat, steht noch nicht fest. Die Mehrkosten für die Änderungen am Gehweg Döbelner Straße trägt wahrscheinlich dem Steuerzahler. Das befürchtet auch die Bundespolitikerin Bellmann.

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