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Freitag, 13.10.2017

„Sich auf einem Pferd zu bewegen, macht süchtig“

Erik Oese vom RFV Moritzburg krönt seine Sportkarriere mit dem EM-Titel. Jetzt steht der Beruf im Fokus.

Von Uta Büttner

Voltigierer Erik Oese auf dem Pferd Calvador. Im August holt er EM-Gold.
Voltigierer Erik Oese auf dem Pferd Calvador. Im August holt er EM-Gold.

© im|press|ions – Carolin Kowsky/Daniel Kaiser

Moritzburg. Er ist musikalisch – doch ein Instrument spielen kann er nicht. Er ist sportlich – doch sich vom Kopf- in den Handstand drücken kann er nicht. Er ist vernarrt in Pferde – doch reiten kann er nicht. Aber nach Musikklängen sich auf einem Pferd elegant, akrobatisch vom Sitz- in den Handstand schwingen – das beherrscht er nahezu perfekt: der Europameister im Voltigieren, Erik Oese. Mit diesem Titel krönte der 30-Jährige im August seine lange sportliche Karriere.

Turniere sind nun nicht mehr geplant. Der für den RFV Moritzburg startende Radebeuler engagiert sich nur noch als Nachwuchstrainer und arbeitet an seinem beruflichen Weiterkommen. Seit August ist der Gymnasiallehrer für Physik und Mathematik vom Luisenstift Radebeul an die TU Dresden abgeordnet worden, um in drei bis maximal fünf Jahren zu promovieren. Dort bildet er auch Lehramtsstudenten in Physikdidaktik aus.

Erik Oese kam bereits mit sechs Jahren mit dem Voltigieren in Berührung. Seine ältere Schwester betrieb diesen Sport. Und er war immer dabei und probierte es bald selbst. Zwei Jahre später regelmäßig. Bei dieser Sportart werden turnerische und akrobatische Übungen auf einem Pferd ausgeführt, das sich im Kreis bewegt und an einer etwa acht Meter langen Leine – der Longe – geführt wird.

Der internationale Durchbruch gelang Erik Oese mit 23 Jahren relativ spät. Gemeinsam mit seinem Trainer und Longenführer Andreas Bäßler sowie seinem Pferd Calvador wurde er 2012 überraschend WM-Zweiter im französischen Le Mans. Quasi nebenan – einmal über den Ärmelkanal – fanden fast zeitgleich die Olympischen Spiele in London statt. Olympia – der Traum eines jeden Sportlers. Der Gedanke daran lässt heute noch die Augen des Europameisters leuchten und Wehmut aufkommen. „Damals dachte ich: Jetzt könnten wir in London sein.“ Aber während die Spring-, Dressur- und Vielseitigkeitsreiter starten dürfen, bleibt den Voltigierern bis heute Olympia versagt.

Erik Oese neigt zur Perfektion und plant seine Schritte. So auch das internationale Comeback 2017. Nach seiner Bronzemedaille 2014 bei den Weltreiterspielen in Aachen – einem der weltweit bedeutendsten Turniere – qualifizierte er sich in den darauffolgenden zwei Jahren weder für die Europa- noch die Weltmeisterschaften. Zu sehr war er beruflich eingebunden. Zeit für Training blieb kaum. Damals fragte er sich, ob er hätte schon aufhören sollen: „Habe ich den Absprung verpasst?“ Deshalb entschied sich Erik Oese Anfang des Jahres, in Teilzeit am Luisenstift zu arbeiten. Sein Ziel: die Qualifikation für die EM. Kurz vor der Bekanntgabe der Nominierten durch das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) im Juli glaubte Oese noch nicht, dass er es geschafft haben könnte. Dann die Erlösung: „Ich war unheimlich glücklich.“ Dass es am Ende EM-Gold wurde, übertraf alle seine Erwartungen. Doch hinter so einem Erfolg, so betont der Voltigierer, steht immer ein ganzes Team. Der Trainer und Longenführer Andreas Bäßler, mit dem er sich allein durch Augenkontakt versteht und natürlich das Pferd Calvador, das der Familie Cramer aus Radebeul gehört.

Für Erik Oese war es immer wichtig, nicht jemanden zu besiegen, sondern die beste Leistung aus sich herauszuholen.

Was ihn am Voltigieren fasziniert, beschreibt er so: „Sich auf einem Pferd bewegen zu können, ist ein besonderes Gefühl, das süchtig macht.“ Aber Reiten hat Erik Oese nie gelernt, deshalb sagt er: „Ich kann nicht reiten.“ Zwar könne er sich halbwegs koordiniert auf dem Pferd bewegen, „aber das ist nicht im Interesse des Pferdes“, meint der Selbstkritiker. Vernarrt in Pferde, seine absoluten Lieblingstiere, ist er allemal. Und da ist es wieder, das Leuchten in Erik Oeses Augen, als er ins Schwärmen über Pferde kommt. „Es sind wunderbare Geschöpfe: groß, sie duften, diese Kraft im Tier und zugleich sind sie so sanft. Und es fühlt sich erhaben an, auf einem Pferd zu sitzen: Es ist schon wie ein königliches Gefühl.“

Wer Lust hat, den Europameister bei seinen akrobatischen, harmonischen Übungen in Glanz und Glamour auf dem Pferd – noch – einmal zu erleben, der muss zur Chemnitzer Pferdenacht am 28. Oktober gehen. Dort ist ein Auftritt mit dem Voltigierteam aus Schenkenberg geplant.