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Samstag, 13.01.2018

Selbst eine Runde auf der Weltcup-Strecke drehen!

Die Weltelite des Langlaufsports misst sich am Elbufer. Auf einem 1,2 Kilometer langen Kurs sprinten die Athleten um Weltcup-Punkte. Hier kann jeder die Runde in einem 360-Grad-Video selbst laufen:

Von Christian Bachmann, Fabian Schröder, Arvid Müller

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Tiril Udnes Weng aus Norwegen am Samstag auf der Strecke.
Tiril Udnes Weng aus Norwegen am Samstag auf der Strecke.

© Arvid Müller

Dresden. Freitag, Punkt 12 Uhr: Schneekontakt bei dichtem Nebel. Die Langläufer, die am Wochenende im Einzel- und Teamwettbewerb um Weltcup-Punkte sprinten, dürfen erstmals auf die Strecke. Stimmt das Wachs? Wie ist der Untergrund? Und welche Punkte auf der Strecke sind entscheidend? Mit ihren Trainern und Technikern absolvieren die Sportler einige Probeläufe - und finden‘s heraus.

Mit dabei fürs deutsche Team ist auch Jakob Winkler. Der Sachse wachst eigentlich die Skier von Sprint-Spezialistin Sandra Ringwald. Ein verantwortungsvoller Job; für uns ist er nebenbei trotzdem auch im Einsatz: Mit Kamera auf dem Kopf und Brettern an den Füßen dreht er eine Runde um die Strecke. So kann jeder aus der Sicht eines Athleten und mit 360-Grad-Rundumblick die Strecke individuell erkunden - bequem auf dem Smartphone, Tablet oder am PC.

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360-Grad-Lauf um die Strecke

Die Strecke am Königsufer ist 1,2 Kilometer lang. Vom Start im Stadion geht es 700 Meter geradeaus bis zum Wendepunkt unterhalb des Weltcup-Hotels Westin Bellevue. Danach geht es zurück zum Stadion, wo sich auch das Ziel befindet. Auf dem Rückweg sind die Schlüsselstellen, analysiert Ski-Techniker Winkler. „Nach der Kehre geht es auf einen kleinen Anstieg zu. Dort müssen sich die Athleten durchsetzen.“ Denn nach dem Anstieg, der etwa fünf Höhenmeter misst, kommt schon fast das Ziel. Nur eine bergab gefahrene S-Kurve folgt. „Hier muss man Ideallinie laufen, um keine Position zu verlieren“, so Winkler.

So entstand die 360-Grad-Panorama-Fahrt

Nachdem sich seine Athleten den besten Ski herausgesucht haben, setzt sich Skitechniker Jakob Winkler (rechts) unseren Helm mit 360-Grad-Kamera auf und dreht eine Panoramarunde.

Am Samstag im Einzel starten die Läufer im Prolog alle 15 Sekunden, die schnellsten 24 qualifizieren sich fürs Viertelfinale. Über das Halbfinale ziehen die besten vier ins Finale ein. Im Teamsprint am Sonntag läuft ein Duo abwechselnd eine und insgesamt sechs Runden. Über die Strecke skaten die Sprinter mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 km/h.

Anders als das Biathlon-Spektakel auf Schalke ist das Langlaufevent in Dresden für viele Athleten eine wichtige Station auf dem Weg zu Olympia. Es geht um Weltcuppunkte, die für die Startreihenfolge in Pyeongchang mitentscheidend sind. Auch der Gesamtweltcupführende und Norwegens neuer Star, Johannes Kläbo, startet. Einige Langläufer hoffen noch auf die Normerfüllung für die Winterspiele, beispielsweise die Deutschen Sebastian Eisenlauer, Victoria Carl oder Katharina Hennig. Die derzeit beste deutsche Sprinterin, Sandra Ringwald, hat schon die Norm, ist in Dresden aber auch dabei.

Interaktive Grafik: Die wichtigsten Stellen auf und neben der Strecke

Vor der Kulisse der Dresdner Altstadt, dem Canaletto-Blick, werden die Sprinter am Wochenende ihre Weltcupsieger küren. Ähnlich war es 2002 bis 2012 bereits am Rhein in Düsseldorf der Fall. „Diese Wettkampfform bringt den Sport direkt in die Mitte der Gesellschaft. Mit der sächsischen Landeshauptstadt Dresden haben wir einen großartigen Veranstaltungsort mit einem großen Einzugsgebiet, das bis in die traditionellen Wintersportregionen Erzgebirge, Vogtland und das Zittauer Gebirge reicht“, sagt Andreas Schlütter, der Sportliche Leiter der deutschen Langläufer.

Auch für den Techniker Jakob Winkler ist der Weltcup etwas Besonderes. Worin der Reiz an dem City-Lauf genau liegt, erklärt er in diesem Clip:

Das größte Problem: der Schnee. „Na klar hätten wir uns gewünscht, dass nicht nur die Wettkampfstrecke weiß ist“, meint Mitinitiator Püschel. Auf dem Dresdner Flughafen ist der Schnee produziert worden. Am Donnerstag haben Pistenarbeiter mit Raupen alles verteilt. Ursprünglich sollten es 1,4 Kilometer sein. Nun ist die Piste auf 1,2 Kilometer eingeschmolzen.

Das steht auf dem Programm

Die angesagten Temperaturen ermöglichen es aber, dass der Schnee eine ganze Weile liegen bleiben wird. Soll er auch, denn in der nächsten Woche wird der Dresdner Schulsport ans Königsufer verlegt. Auch Vereine können die Strecke zum Training nutzen. Tobias Angerer, zweimaliger Weltcup-Gesamtsieger und erster Sieger der Tour de Ski, bietet Schnupperkurse für Kinder an. „Ich möchte den sächsischen Schülern die Freude und den Spaß an dem Sport weitergeben, sie begeistern“, sagt Angerer.


Viel Begeisterung, viel Kritik

Die Idee für den Weltcup kommt von den beiden Sportjournalisten René Kindermann und Torsten Püschel. Sie haben den Deutschen Skiverband, den Weltskiverband FIS, die Landesregierung und Lokalpolitik überzeugt und Sponsoren gefunden. Fast überall haben sich Türen geöffnet, die Bereitschaft, das Projekt umzusetzen, sei überall groß gewesen. „Egal ob bei der Finanzierung, der Organisation oder der freiwilligen Hilfe: Es wurde uns nicht besonders schwer gemacht“, lobt Kindermann die Unterstützung. Fünf Jahre lang wird Dresden nun diesen Weltcup veranstalten.

Die Begeisterung ist groß. Doch die Kritik an der Veranstaltung ebenso. Sächsische Umweltschützer kritisieren die Austragung des Skiweltcups im derzeit komplett schneefreien Dresden. „Über den Nonsens, einen Ski-Weltcup dort durchzuführen, wo kein Schnee liegt“, mache sich offenbar niemand Gedanken, erklärte Felix Ekardt, Vorsitzender des sächsischen Landesverbandes des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), am Freitag. Um die Wettkämpfe der Langläufer am Samstag und Sonntag veranstalten zu können, sind gut 5.000 Kubikmeter Schnee nötig. Ein Großteil der weißem Pracht wurde künstlich in Schneekanonen hergestellt, der Rest aus dem Erzgebirge geholt.

Die Veranstalter hätten sich mit dem Begriff Nachhaltigkeit geschmückt. Es gibt ein Mehrwegpfandsystem beim Catering, elektronische Kommunikation und Tickets sowie Mülltrennung. Außerdem soll der Schnee nach dem Ereignis weiter genutzt werden. Für Ekardt ist die Sache klar: „Hier haben wir wieder ein klassisches Beispiel dafür, dass jemand den Begriff Nachhaltigkeit nicht verstanden hat.“ Wenn Selbstverständlichkeiten wie Mülltrennung, Mehrwegsystem und E-Mail-Kommunikation als Belege für Nachhaltigkeit angeführt würden, spreche das für sich selbst. (mit mw/jr/dpa/epd)

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 52 Kommentare

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  1. Der Freitag

    Was für eine Verschwendung. Ein reiches Land wie Deutschlan sollte sich um die Probleme im eigenen Land, in der EU und in der Welt verdient machen. Schnee in die Stadt schaffen, damit verwöhnte Kinder aud 110 NN Mehreshöhe in der Stadt Ski fahren können, das ist ein Beispiel für die Dekadenz der spätbürgerlichen Gesellschaft. Am besten, nächstes Jahr auf dem Neumarkt einen Berg errichten, damit die lieben Kleinen einmal Abfahrtsski erleben können, Mülltrennung und Internet sollte dabei sein..

  2. Berg

    Ebensolcher Unsinn wurde schon ein paar Mal verzapft: Sand aufn Altmarkt gekarrt, damit zwei Barfüßige gegen zwei Barfüßige einen Ball über ein Netz pritschen. Mit Turnschuhen wäre kein Sand nötig......

  3. Ein Düsseldorfer

    Lieber Dresdner, googelt mal nach: Skiweltcup und Düsseldorf. Die Stadt hat 10 Jahre lang den Weltcup ausgetragen - teilweise mit 200 000 Zuschauern. Was hört man aus Dresden: nur MECKERN UND MOTZEN. So klingen echte Jammer-Ossis. Passt zur Bundestagswahl ... Schönes Wochenende.

  4. MoDD

    @ 1&2 Mimimimi ...

  5. Oswin

    Hausen wir die ganze Piste ein, dann kann der Michel auch im Sommer mit Oma und Opa dort fahren. Lactosefreien Glühwein gibt es dann auch.

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