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Mittwoch, 11.10.2017

Sein zweites Leben

Englands Fußball-Legende Bobby Charlton überlebte einen Flugzeugabsturz – jetzt feiert er seinen 80. Geburtstag.

Von Marco Mader

Bobby Charlton 1958 in seinem Krankenzimmer in München.
Bobby Charlton 1958 in seinem Krankenzimmer in München.

© dpa

Was schenkt man einem Mann zum 80. Geburtstag, der alles hat? Einen Fußballplatz. Und so gibt es jetzt den „Sir Bobby Charlton Pitch“ in der Akademie der englischen Fußball-Nationalmannschaft. Bei der Namensgebung offenbarte er den Stars von heute seinen Herzenswunsch. „Die WM ist das große Ding“, sagte der Weltmeister von 1966. „Tut alles, was in eurer Macht steht, um sie zu gewinnen!“ Charlton sprach wie immer mit leiser Stimme. „Ja, ich weiß, ich schwafle jetzt ein bisschen rum“, meinte er selbstironisch. „Aber entschuldigt: ich wünsche es mir einfach so sehr …“

Seit Charlton mit anderen Legenden wie Wembley-Torschütze Geoff Hurst und Kapitän Bobby Moore den Weltpokal gewann, wartet das Fußball-Mutterland vergeblich auf solche Helden. „England konnte 1966 nur gegen uns gewinnen, weil Bobby Charlton ein kleines bisschen besser war als ich“, sagte Franz Beckenbauer einmal. Aber ein Held? So hat sich Charlton, der an diesem Mittwoch sein Jubiläum feiert, nie gesehen. „Er ist ein so bescheidener Kerl, er wusste gar nicht, wie gut er war“, sagte Hurst über Charlton. Und doch: „Wenn man auf der Welt herumreist, kommt man in Gegenden, wo die Leute kein Wort Englisch sprechen. Das einzige, was sie können, ist: ,Bobby Charlton‘.“

Dieser Name ist eng verbunden mit Manchester United. Nur Ryan Giggs hat mehr Spiele für die Red Devils bestritten, nur Wayne Rooney mehr Tore erzielt. Der Schlüsselmoment in Charltons Leben war aber nicht der Triumph von Wembley am 30. Juli 1966, er ereignete sich an jenem tragischen 6. Februar 1958. Als die Maschine von United auf dem Flughafen München-Riem verunglückte, wurde der 20 Jahre alte Charlton aus der Maschine geschleudert – und überlebte. 23 der 44 Flugzeuginsassen fanden den Tod, darunter acht seiner Mannschaftskameraden. „Dieser Tag“, sagte Charlton, „hat mein Leben verändert.“ Sein Bruder Jack, 1966 mit ihm Weltmeister, fragte ihn nach dem Unglück, was passiert sei. „Er wollte erst nicht darüber reden, dann sagte er: ,Ich erzähle es dir jetzt, aber frag mich dann nie wieder danach!‘“ Sein Bruder Tom sagte: „Nach München hat er sich nach außen abgeschottet, ich denke, dass er nie darüber hinweggekommen ist.“

Seit diesem Tag, sagen sie bei United, habe Charlton in jedem Spiel für seine „gefallenen Kollegen“ gekämpft. All seine Erfolge hätten ihn dabei „nie verändert“, betonte Sir Alex Ferguson, den Charlton 1986 bei ManU zum Teammanager machte. Charlton sei der, der er immer war, ein Gentleman, „ruhig, schüchtern – und das ist fantastisch“. An Charltons Seite stand stets seine Frau Lady Norma. Wenn er als United-Direktor oder im Kampf gegen Landminen auftritt, zuppelt sie ihm noch heute die Krawatte zurecht oder ordnet das Besteck. „Dieses Mädchen“, sagte Ferguson, „war sein Fels, sein ganzes Leben lang, sie ist eine unglaubliche Person. Das ist eine wunderbare Partnerschaft.“ (sid)

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