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Freitag, 19.05.2017

Schwierige Grabenreinigung in der Sperrzone

Die Abriegelung vom früheren Bergbaugelände bringt die Gemeinde Lohsa bei der Erfüllung ihrer Pflichten in Not.

Von Mirko Kolodziej

Zum Teil ist der Fischteichgraben am Jahresanfang wieder freigelegt worden. Jetzt kann das Wasser hier zumindest wieder fließen – aber nur unter Vorbehalt.
Zum Teil ist der Fischteichgraben am Jahresanfang wieder freigelegt worden. Jetzt kann das Wasser hier zumindest wieder fließen – aber nur unter Vorbehalt.

© Mirko Kolodziej

Lohsa. Über fast drei Kilometer erstreckt sich auf dem Territorium der Gemeinde Lohsa der Fischteichgraben. Er heißt so, weil über ihn die Ratzener Fischteiche südwestlich von Lohsa zu befüllen und auch zu entleeren sind. Der Graben läuft zwischen ihnen hindurch. Er nimmt aber auch das Wasser des Grenzteichgrabens auf, der unter anderem in Driewitz für trockene Keller sorgt. Das Wasser des Fischteichgrabens fließt schließlich ins Restloch Lohsa. Zumindest soll es das tun.

Seit sechs Jahren liegt der Graben inzwischen in der amtlichen Sperrzone, die auf dem Kippengelände des Tagebaus Lohsa eingerichtet wurde, weil die zuständigen Behörden seiner Stabilität nicht trauen. In dieser Zeit, sagt Wolfgang Tietze, der Sachgebietsleiter Bau- und Immobilienmanagement der Gemeindeverwaltung Lohsa, sei der Graben verlandet. Man habe das festgestellt, als 2013 der erwähnte Grenzteichgraben in Ordnung gebracht wurde. Sein Wasser floss danach nur schwer ab.

Die Entscheidung, den Fischteichgraben im Grunde genommen wieder zu öffnen, war mit allerlei Schwierigkeiten verbunden. Im Sperrgebiet gelten schließlich strenge Restriktionen. Und wie sich inzwischen erwiesen hat, machen sie manches gänzlich unmöglich. Denn am Anfang des Jahres hat es zwar die nötigen Arbeiten gegeben. Man kann aber nicht davon sprechen, dass die Gemeinde nun zufrieden ist. Einerseits haben die Restriktionen das Ganze erheblich verteuert. Schließlich durfte nur Technik mit bis zu fünf Tonnen Gewicht verwendet werden. Statt mit einem Lkw mussten also Gestrüpp, Wurzeln, Schilf und Bäume per Multicar abtransportiert werden. Zwar ist ein Großteil der Arbeiten über den staatlichen Bergbausanierer LMBV finanziert worden, aber die Dimensionen sorgen bei Wolfgang Tietze für Bauchschmerzen. Während Lohsa für alle seine Gräben ein jährliches Wartungsbudget von 60000 Euro zur Verfügung hat, kostete die Aktion am Fischteichgraben ungefähr 300000 Euro. Dabei war sie nur in begrenztem Maß von Erfolg gekrönt.

Das Wasser fließt zwar besser ab, aber die eingesetzte Leicht-Technik hat die Schilfwurzeln nicht aus der Grabensohle reißen können. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Graben wieder zuwächst. Die Idee, einen Schwimmbagger zu nutzen, wurde verworfen: zu schwer. Eine Fräse würde die Fauna im Graben zu sehr in Mitleidenschaft ziehen. Noch dazu gibt es einzelne Stellen, die nach wie vor zugewachsen sind, weil sie für die vereinbarte Technologie nicht zugänglich waren.

Bis zum Ende der Vegetationsperiode im Herbst soll nun eine Lösung gefunden werden, um den Kraftakt anschließend zu vollenden. Nur ist das Problem damit nicht gelöst. „Mit den Aufwendungen, wie wir sie hier hatten, ist die Pflege für uns permanent nicht zu tragen“, sagt Wolfgang Tietze. Denn laut Sächsischem Wassergesetz ist die Gemeinde für so ein Gewässer zweiter Ordnung zuständig. Aus Sicht der Gemeindeverwaltung kommen eigentlich nur zwei Lösungen infrage. Entweder ein Streifen um den Fischteichgraben herum wird bergtechnisch so saniert, dass er mit normalem Gerät zu beräumen ist. Oder aber man verlegt gewissermaßen den Graben unter Nutzung anderer Gräben aus der Sperrzone heraus. Ausgang: offen.

Über aktuelle Entwicklungen zu diesem Thema informiert die Gemeinde Lohsa auch auf der Webseite www.lohsa.de/aktuelles.html