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Freitag, 21.04.2017

Schwein George aus der Fabrikstraße

Das schwarzwollige Tier büxt manchmal aus und hat auch schon die Polizeistreife mobilisiert. Doch ein Terror-Schwein ist es nicht.

Von Peter Redlich

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Ralph Schulz und sein „Haustier“ Georg im Gewerbehof an der Fabrikstraße. Möhren und Kartoffelschalen gibt es auch von den Nachbarn.
Ralph Schulz und sein „Haustier“ Georg im Gewerbehof an der Fabrikstraße. Möhren und Kartoffelschalen gibt es auch von den Nachbarn.

© Arvid Müller

Inzwischen noch stabiler gesichert: Das Gatter von Schwein Georg.
Inzwischen noch stabiler gesichert: Das Gatter von Schwein Georg.

© Arvid Müller

Radebeul. Schwein George hat in den letzten Wochen viele Schlagzeilen bekommen. Erst in der Presse, dann auch im Fernsehen. „Terror-Schwein“ stand beispielsweise in der Bild-Zeitung. Der Anlass dafür: George ist ausgebüxt und hat Anwohner in der Fabrikstraße in Radebeul-West verunsichert. Sogar die Polizei wurde gerufen.

Im Meißner Revier bestätigt Vizechef Jörg Ettelt: „Ja, es gab einen Anruf am 11. März, 14.50 Uhr. Zwei Streifenwagen waren vor Ort in der Fabrikstraße. Der Auftrag: „Dort rennt ein Schwein herum. Einfangen.“ Das gelang dann auch. Der Besitzer des Tieres heißt Ralph Schulz, ist Motorradmechaniker. Gemeinsam mit den Polizisten lockte er George mit Möhren an, lud das ausgewachsene Tier in den Beiwagen seines Motorrades und brachte es wieder heim ins Gehege.

Inzwischen kann die Kreuzung aus Siam-Schwein und ungarischem Wollschwein wahrscheinlich nicht mehr ausbüxen. Das Gatter im Gewerbeareal an der Fabrikstraße 9 ist nicht nur mit kräftigen Holzbohlen verstärkt. Ralph Schulz hat an den kritischen Durchwühlstellen auch Blechplatten angebracht. „An denen kann der Eber sich mit Schnauze und Hufen abarbeiten, aber kommt nicht durch“, sagt der Halter.

Üblicherweise ist George auch absolut friedlich und hört sogar, wenn er gerufen wird. Schulz hat die schwarzwollige Steckdosenschnauze einst mit sechs Monaten von einem Bauernhof aus Kamenz geholt. „Wir haben hier den Platz neben unserer Werkstatt. Warum soll ich kein Schwein halten?“

George frisst die Bioabfälle auf. Früher hatte Schulz einen Komposthaufen, der sei nun nicht mehr nötig. Auch die Nachbarn würden ihre Schalen von Kartoffeln und Möhren inzwischen rüberbringen. Das sei doch sehr nützlich, sagt der Halter. Außerdem hat George einen kleinen Kartoffelacker zum Wühlen, der auch so aussieht, als ob das Tier hier ordentlich gearbeitet hat. Kurz, das Schwein hat eigentlich richtig Schwein bei seinem Herrchen.

Und: Georg ist inzwischen beinahe berühmt, seit er in den Medien die Runde macht. Selbst Schulkinder kommen im Hof an der Fabrikstraße vorbei und Ralph Schulz muss dann viel erzählen. Zum Beispiel, dass der Schwarze mit Hunden aufgewachsen ist. Zwei Jack Russel sind auch jetzt noch hier, bewachen das Gelände und vertragen sich bestens mit George. Bis vor wenigen Monaten hatte es auch Hühner als Freunde. Doch die hat Stück für Stück der Fuchs geholt – trotz der wachsamen Hunde. Zu schlau wahrscheinlich, vermutet Schulz.

Wie George über den Winter kommt, wenn es so kalt ist, wollen die Kinder wissen und ob er manchmal doch noch aus dem Gatter raus darf. Mit der Kälte sei das kein Problem. Zum einen, weil die Hütte im Gatter zusätzlich gedämmt wird. Jetzt ist für das robuste Schwein schon beinahe Sommer. Zum anderen, weil ungarische Wollschweine ohnehin das ganze Jahr draußen leben und in der Puszta genügsam nach Wurzeln und Flechten suchen. Wegen dem vom Naturleben so gut durchwachsenem Fleisch, wird aus ihnen übrigens die ungarische Salami hergestellt. Das drohe George in absehbarer Zeit aber nicht. „George soll hier leben bis ans Ende seiner Tage“, sagt Ralph Schulz.