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Dienstag, 05.12.2017 SZ-Telefonforum

Schwache Blase – und nun?

Warum String-Tangas Entzündungen fördern und Damenbinden nichts bei Inkontinenz sind, erklären sächsische Ärzte.

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© Bravo/catprintmedia

Gefragte Ärzte: Dr. Anne-Kathrin Sünder, Urologin, Krankenhaus Bethanien, Chemnitz; Dr. Torsten Brosche, Gynäkologe, DRK-Krankenhaus Chemnitz; Dr. Anna Kolterer, Gynäkologin Uniklinik Dresden (v.l.).
Gefragte Ärzte: Dr. Anne-Kathrin Sünder, Urologin, Krankenhaus Bethanien, Chemnitz; Dr. Torsten Brosche, Gynäkologe, DRK-Krankenhaus Chemnitz; Dr. Anna Kolterer, Gynäkologin Uniklinik Dresden (v.l.).

© Felix Birkner

Millionen Frauen und Männer leiden unter Inkontinenz. Viele sprechen aber öffentlich nicht darüber. Entsprechend gefragt war der Rat von Urologen und Frauenärzten am SZ- Lesertelefon.

Ich muss ständig zur Toilette, doch es kommt nur sehr wenig Urin. Was kann ich tun?

Um Ihre Beschwerden richtig behandeln zu können, brauchen wir genauere Angaben. Deshalb ist es wichtig, dass Sie vor dem Arztbesuch notieren, wann Sie zur Toilette müssen und wie groß die Urinmenge ist. Letztere lässt sich mit einem Messbecher ermitteln. Außerdem sollten Sie Ihre Trinkmenge notieren. Der Arzt wird dann eine weitere Diagnostik durchführen, um die Ursache zu ermitteln. Das ist Grundlage einer guten Behandlung.

Ich habe nicht besonders häufig das Bedürfnis, zur Toilette zu gehen. Doch wenn es dann so weit ist, ist der Druck schlagartig extrem hoch, sodass ich es kaum zur Toilette schaffe. Gibt es Hilfe?

Mit Sicherheit. Der Urologe oder Gynäkologe sollte zunächst die Restharnmenge kontrollieren. Ist das Ergebnis in Ordnung, kann medikamentös behandelt werden. Eine basische Ernährung kann die Behandlung unterstützen, denn zu viel Säure kann die Schleimhaut angreifen und Entzündungen verschlimmern. Wichtig ist, dass Sie trotzdem genug trinken.

Ich gehe stündlich zur Toilette, kann aber dann nicht gleich Wasser lassen, sondern habe Krämpfe und Schmerzen. Ist das eine Reizblase?

Ihre Beschwerden sollten gründlich diagnostiziert werden. Eine Dranginkontinenz ist möglich. Es kann auch eine Genital- oder Beckenbodensenkung vorliegen. Für alles gibt es spezielle Behandlungsmethoden. Sie sollten nicht eigenmächtig Medikamente nehmen, sondern sich ärztlich begleiten lassen.

Ich hatte vor etwa 20 Jahren eine Operation gegen meine Blasenschwäche. Bei mir wurde so ein Bändchen um die Harnröhre gelegt. Allerdings hat das nichts gebracht. Kann man das auch wiederholen? Hilft die Entfernung der Gebärmutter?

Die Entfernung der Gebärmutter hat nichts mit der Inkontinenz zu tun, sie bringt in Ihrem Falle nichts. In einer Untersuchung kann geschaut werden, ob das Band richtig liegt und ob ein erneutes Band oder eine andere OP-Methode sinnvoll sind. Zum Beispiel bietet sich die Unterspritzung der Harnröhre mit einem Hydrogel an.

Da ich im Alter gerne noch reisen möchte, bin ich durch meine Blasenschwäche stark eingeschränkt. Es gibt doch Wassertabletten, die die Wasserausscheidung fördern. Gibt es das auch fürs Gegenteil?

Es gibt viele Medikamente gegen Blasenschwäche, doch wichtig ist es, das richtige Mittel zu wählen. Das geht nicht ohne Diagnostik. Deshalb sollten Sie sich von einem Urologen behandeln lassen. Um Ihnen bis dahin mehr Sicherheit zu geben, sollten Sie nicht ohne gute Inkontinenz-Hilfsmittel außer Haus gehen. Bitte keine Damenbinden verwenden, sie sind dafür nicht geeignet.

Wenn sich meine Gebärmutter gesenkt hat und auf die Blase drückt, hilft mir dann noch ein Beckenbodentraining?

Die Senkung wird davon nicht behoben, aber die Beschwerden können gebessert werden. Ihr Gynäkologe kann Ihnen mit Pessaren helfen. Das sind Silikon-Würfel, die in die Scheide eingelegt werden. Falls das nicht zum Erfolg führt, kommt eine OP in Betracht. Die alleinige Entfernung der Gebärmutter löst das Problem nicht.

Ich leide an einer Mischinkontinenz, also Drang- und Belastungsinkontinenz. Hilft mir eine Operation, bei der ein Band um die Harnröhre gelegt wird?

Eine urodynamische Untersuchung kann herausfinden, welche Art der Inkontinenz überwiegt. Diese sollte dann auch in erster Linie behandelt werden. Gegen Dranginkontinenz hilft das Bändchen nicht, es kann die Probleme sogar verschlimmern.

Was passiert bei einer urodynamischen Komplexuntersuchung?

Es ist eine Blasendruckmessung. Dazu wird ein dünner Messkatheter über die Harnröhre in die Blase eingelegt, Eine dünne Messsonde kommt in den Enddarm und Klebeelektroden auf den Damm. Zuerst wird die Blase mit Kochsalzlösung gefüllt. Dabei wird die Blase im Füllzustand untersucht. Dann muss der Patient Wasser lassen. Auch die Entleerungsphase wird überprüft. An den Messkurven kann der Arzt erkennen, ob es ein Blasenmuskelproblem, eine Beckenbodenschwäche oder eine neurogene Störung ist.

Meine Blasenentzündung ist bereits chronisch geworden. Die unterschiedlichsten Medikamente hatte ich schon, auch Hormoncreme und Botoxspritzen. Aber keine Besserung. Gibt es noch etwas, was mir hilft?

Ja, es gibt zum Beispiel eine lokale Blasenbehandlung, bei der bestimmte Präparate direkt in die Blase eingebracht werden. Als stationäre Behandlung gibt es auch eine besondere Therapie, bei der die Medikamentengabe durch Strombehandlung unterstützt wird.

Ich leide ständig unter Blasenentzündungen. Die Entzündung kommt immer wieder, obwohl ich sehr darauf achte, mich nicht zu unterkühlen. Wie kann ich vorbeugen?

Sie sollten auf jeden Fall ausreichend trinken. Die Haupttrinkmenge sollte täglich bis 17 Uhr erreicht sein, um nachts mehr Ruhe zu haben. Wichtig ist es auch, auf gute Sexual- und Genitalhygiene zu achten, zum Beispiel beim Abwischen nach dem Toilettengang nicht in Richtung Harnröhre zu wischen oder nach dem Geschlechtsverkehr die Harnblase zu entleeren. Der Slip sollte möglichst heiß waschbar sein. Stringtangas sind nicht zu empfehlen. Denn einerseits verträgt das Material selten mehr als 30 Grad, andererseits leitet der String die Keime auf direktem Weg vom After zur Harnröhre. Die Einnahme von pflanzlichen Präparaten und Cranberry-Produkten kann außerdem unterstützen.

Vor fünf Jahren wurde meine Prostata aufgrund von Krebs vollständig entfernt. Seitdem bin ich besonders tagsüber inkontinent. Was kann ich tun?

Auch für Männer ist Beckenbodentraining wichtig, kombiniert mit Elektrotherapie. Es dauert ungefähr ein Jahr, bis sich etwas gebessert hat. Ist das bei Ihnen nicht der Fall, und ist die Urinverlustmenge hoch, kommen ein künstlicher Schließmuskel oder eine Operation, bei der ein Band um die Harnröhre gelegt wird, infrage.

Ich hatte einen Gehirntumor und bin am Kopf operiert worden. Seitdem bin ich inkontinent. Kann das etwas mit der OP zu tun haben?

Ja. Eingriffe im Gehirn können Nervenbahnen beeinträchtigen, die für die Blasenkontrolle wichtig sind. Nach einer urodynamischen Untersuchung kann die Behandlung beginnen, zum Beispiel kann Botox in den Blasenmuskel gespritzt werden.

Die Kliniken in Sachsen bieten häufig Inkontinenzsprechstunden an. Braucht man dafür eine Überweisung?

Das wird unterschiedlich gehandhabt. Fragen Sie in den jeweiligen Kliniksekretariaten nach dem Prozedere. Auch auf den Internetseiten der Kliniken findet man oft Informationen dazu.

Notiert von Stephanie Wesely.

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