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Sonntag, 21.01.2018

Schrauber-Romantik am Barockpalais

In Zabeltitz trafen sich Ladas und Nivas. Die Autoschrauber erweisen sich dabei als echte Feingeister.

Von Manfred Müller

Claudia Farcau und Jozsef Szabo haben ihren Lada erst kürzlich aus Budapest mitgebracht. Damit reisten sie nun zum Lada-Treffen in Zabeltitz aus Teltow an.
Claudia Farcau und Jozsef Szabo haben ihren Lada erst kürzlich aus Budapest mitgebracht. Damit reisten sie nun zum Lada-Treffen in Zabeltitz aus Teltow an.

© Kristin Richter

Zabeltitz. Mehr als 40 Ladas und Nivas rollten am Samstagvormittag auf den Zabeltitzer Palais-Vorplatz. Die Fan-Gilde des russischen Fahrzeugherstellers AwtoWAS hatte zum Schraubertreffen gerufen. An die 80 Leute waren der Einladung gefolgt. Die Teilnehmer kamen hauptsächlich aus Sachsen und Brandenburg, aber auch aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Jozsef Szabo und Claudia Farcau brachten sogar etwas internationales Flair in die Veranstaltung. Das ungarisch-rumänische Pärchen kam zwar aus Teltow angereist – ihren Lada 2105 aber haben die beiden in Budapest gekauft.

„Ich stehe einfach auf Ostblock-Autos“, sagt Jozsef Szabo. Er habe vom Trabi über den Wartburg bis hin zum Lada 1200 schon alles durchprobiert. Durch die einfache technische Ausstattung müsse man nicht wegen jeder Lappalie gleich eine Werkstatt ansteuern. Zündkerzen austauschen oder Öl wechseln – kein Problem. Außerdem gebe es unter Lada-Fahrern einen ganz speziellen Zusammenhalt. Da gehe man auf dem Autobahn-Rastplatz schon mal aufeinander zu, komme ins Gespräch und tausche ein paar Nettigkeiten aus.

Wer hinterm Lenkrad des russischen Lizenz-Fiats sitzt, pfeift auf den Komfort dieser Welt und ist stolz drauf. Rostflecken, für die sich jeder andere Autobesitzer schämen würde, trägt der Lada-Ritter selbstbewusst zur Schau. Er transportiert auch immer etwas Fett und Kontaktspray im Kofferraum, um quietschende Scharniere und flackernde Lämpchen wieder auf Vordermann zu bringen. „Was, deiner hat erst 200 000 Kilometer runter?“, ist eine beliebte Killer-Frage in der Lada-Gemeinde.

Beim Geländemodell Niva ist das im Grunde genauso. Sebastian Barzick hat seinen Single-Pointer ohne großen Aufwand sogar zum Rallye-Fahrzeug aufgemotzt. Schon zweimal ist er damit durch die Sahara gedüst. Zwar nicht bei der berühmten Paris-Dakar-Rallye, sondern bei einer kleinen Veranstaltungs-Schwester in Tunesien. Aber dort hat der Wilsdruffer immerhin die Kategorie „Seriennahe Fahrzeuge“ gewonnen. „Fast 3 000 Kilometer durch die Wüste – das muss ein Auto erst einmal überstehen“, sagt Sebastian Barzick. Ein entscheidender Vorteil sei das geringe Gewicht seines Nivas gewesen. Wenn sich das Gefährt doch einmal in einer Düne eingegraben habe, sei es relativ leicht wieder herausgekommen. An Motorleistung habe es natürlich etwas gefehlt, aber das könne man durch gute Navigation wieder ausgleichen. Und seine Lebensgefährtin, sagt der 42-Jährige, sei eine erstklassige Navigatorin.

Joachim Kogler hat mit seinem Niva „Taiga“ sogar die mehr als 600 Kilometer von Oberösterreich bis in die Röder-Gemeinde auf sich genommen. Nicht auf einen Ritt; denn mehr als 120 Kilometer pro Stunde sind mit dem Gefährt kaum drin. Der Niva sei ziemlich gutmütig und leicht zu beherrschen, fast wie ein Trecker, sagt Kogler. Der Busfahrer aus Linz war zunächst ein Landrover-Fan. Aber die Engländer seien im Vergleich zu den Russen doch ziemlich anfällig. Einen Taiga könne man hunderttausend Kilometer über den Acker prügeln, und er sei immer noch in Ordnung, so der Österreicher. Wenn doch einmal etwas kaputt geht, lasse er sich mit einfachem Hauswissen reparieren. In Sibirien müsse schließlich jeder Dorfschmied in der Lage sein, das Auto wieder fahrtüchtig zu machen.

„Mein erstes West-Auto nach der Wende war ein Lada“, erzählt Eckehard Franke, der Initiator des Zabeltitzer Autotreffens. „Mit ERP-Kredit gekauft.“ Franke ist als Gartenbau-Experte auf geländetaugliche Fahrzeuge angewiesen und hat schon früh seine Liebe zu der unverwüstlichen russischen Technik entdeckt. Im Januar 2004 organisierte er zusammen mit dem Dresdner Tamas Wend das erste Zabeltitzer Ladatreffen. Seitdem kommen jedes Jahr im Januar zwischen 30 und 50 der sibirientauglichen Fahrzeuge ins Röderdorf. Jedes Jahr gibt es eine Ausfahrt zu Kulturstätten in der Umgebung – am Sonnabend stand Pulsnitz auf dem Programm.

Und am Abend erwiesen sich die handfesten Autoschrauber sogar als Feingeister. Der passionierte Klavierspieler Franke gab im Palais für die Lada-Fans ein Klavierkonzert – eine musikalische Zeitreise von Barock bis Blues.