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Mittwoch, 15.11.2017

Schotten dicht!

Die Zahl der Laubeneinbrüche steigt im Landkreis. Allerdings können sich Kleingärtner vor ungebetenem Besuch schützen.

Von Mareike Huisinga

Tipps für sichere Lauben

Irmfried Knorr steht vor der Laube seines Nachbarn. Dieser hat sein Eigentum besonders gut mit einer Kamera, einem Strahler und dem nachträglichen Einbau einer Jalousie geschützt.
Irmfried Knorr steht vor der Laube seines Nachbarn. Dieser hat sein Eigentum besonders gut mit einer Kamera, einem Strahler und dem nachträglichen Einbau einer Jalousie geschützt.

© Daniel Schäfer

Pirna. Mit beiden Händen drückt Irmfried Knorr gegen die stabile Jalousie. „Das ist schon ein guter Schutz gegen Einbrecher“, sagt das Vorstandsmitglied des Kleingartenvereins Sonnenblick am Fuße des Kohlbergs in Pirna. Er steht auf dem Grundstück seines Nachbarn, der seine Laube besonders aufwendig gesichert hat. Denn außerdem wurden oben an der Hauswandecke noch ein Scheinwerfer und eine Kamera angebracht.

Zahl der Laubeneinbrüche im Landkreis ist gestiegen

Zu Beginn der dunklen Jahreszeit steigt bei den Kleingärtnern die Angst vor unerwünschten Gästen in ihren Lauben. Nicht unbegründet, wie die Statistik beweist. 2016 registrierte die Polizei im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 218 Einbrüche in Gartenlauben, im Jahr davor waren es 169 Delikte. Sachsenweit wurden 2016 insgesamt 10 250 Straftaten in Kleingärten, Gartenlauben und Bungalows gemeldet, teilt das Landeskriminalamt mit. Dabei entstand ein Sachschaden in Höhe von rund zwei Millionen Euro. Zwischen Oktober und März fanden die meisten Diebstähle statt. Neun von zehn Tatverdächtigen waren deutsche Bürger.

Jalousien von innen und von außen schützen vor Einbruch

Auch die Sparte Sonnenblick war vor drei Jahren betroffen. „Unbekannte drangen in mehrere Lauben ein“, erinnert sich Irmfried Knorr. Er weiß, es gibt keinen hundertprozentigen Schutz, wohl aber zahlreiche Möglichkeiten, Dieben das unbefugte Eindringen zu erschweren. „Wir haben in unserer Anlage sehr unterschiedliche Sicherheitssysteme. Jalousien und auch von innen vor den Fenstern angeschraubte Holzplatten halten nicht nur Diebe fern, sondern auch die Laube warm“, weiß der Experte, der seine Parzelle bereits seit 1976 gepachtet hat. Nach einem brutalen Einbruch ins Spartenheim mit Hacken installierten die Vereinsmitglieder eine Alarmanlage an dem Gebäude.

Tipps für sichere Lauben

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Alle Fenster der Gartenlaube bzw. des Bungalows sollten von außen vollflächig mit einer massiven Voll- oder Schichtholzplatte abgedeckt werden.

Spaten, Hacken oder andere Geräte, die zum Eindringen in die Gartenlaube genutzt werden können, sollten nicht offen im Garten gelagert werden.

Buntbartschlösser und die sogenannten „Dreipunktsicherungen“ sind für den Einbrecher kein Hindernis. Die Polizei empfiehlt fachgerecht eingebaute Zylinderschlösser und Sicherheitsschließbleche.

Äußerlich sichtbare Technik, z. B.. Satelliten-Schüsseln, sollten abgebaut sowie leicht zu transportierende Gegenstände, wie Fernseher und Radio-Anlagen, an einem sicheren Ort gelagert werden. (hui)

Knorr selber hat besonders solide Türen und Fenster in seiner Laube von einem Fachmann einbauen lassen. Winterfestmachung bedeute aber auch, alles, was man in dieser Zeit nicht brauche, aus der Laube zu entfernen. „Wenn ein Einbrecher durchs Fenster hineinleuchtet und sieht, dass nichts zu holen ist, zieht er meistens weiter“, sagt Knorr.

Überwachungskameras müssen weit oben angebracht werden

Videoüberwachung nütze aus seiner Sicht nur etwas, wenn sichergestellt ist, dass der Einbrecher diese nicht zerstören oder stehlen kann. Einige seiner Kleingärtnerfreunde haben eine App, mit der sie das Signal der Videoüberwachung auf ihrem Smartphone empfangen können. Auf jeden Fall empfiehlt Knorr die Installation von Strahlern mit Bewegungsmeldern, die auch an seiner Laube angebracht sind. „Steht der Einbrecher im Rampenlicht, bemerken es die Nachbarn, da unsere Anlage glücklicherweise von Wohnhäusern an Kohlbergstraße und Postweg umgeben ist“, erklärt der Pirnaer.

Keine Zweitschlüssel auf dem Gelände verstecken

Ganz eindringlich warnt Irmfried Knorr davor, Zweitschlüssel im Garten oder am Haus zu verstecken. Die gefährlichen Klassiker: das Hinterlegen des Schlüssels unter dem Abstreicher oder oberhalb des Türrahmens. „Da schauen die Profis zuerst nach und haben dann ein leichtes Spiel.“ Auch im Handel erhältliche Aufbewahrungsorte, zum Beispiel ein Stein mit einer Öffnung an der unteren Seite, seien längst keine sicheren Verstecke, erläutert der 65-Jährige.

Richtige Versicherung des Gebäudes und des Inventars

Wichtig ist die richtige Versicherung des Gebäudes und des ständigen Inventars, das über die Hausratsversicherung mit abgedeckt wird. Der Laubenbesitzer sollte sich unbedingt gegen Einbruchs- oder Vandalismusschäden versichern, denn oft ist der Sachschaden an dem Gebäude größer als der Schaden, der durch entwendete Gegenstände verursacht wird. Trotzdem ist Irmfried Knorr skeptisch, wenn einige Bungalowbesitzer ihre Türen unverschlossen lassen, damit ein Einbrecher zumindest keine Einbruchsschäden hinterlässt. „In diesem Fall stellt sich die Frage, ob die Versicherung bei Vandalismus zahlt, da das Gebäude frei zugänglich war.“

Kontrollgänge am Tag sind sinnvoll

Unmittelbar nach den Einbrüchen vor drei Jahren organisierten die Mitglieder des KGV Sonnenblick nächtliche Streifen. Doch davon ist man schnell abgekommen. „Das geht in Richtung Selbstjustiz“, urteilt Irmfried Knorr. Hingegen erachtet er es für sinnvoll, tagsüber regelmäßig im Garten nach dem Rechten zu schauen und dabei auch einen aufmerksamen Blick auf das Grundstück des Nachbarn zu werfen. „Damit man im Ernstfall zeitnah Spuren sichern kann“, sagt Irmfried Knorr.

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