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Samstag, 14.04.2018

Schöner als Mona Lisa

Von Steffen Klameth

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Ein Traum aus Stein und Stahl: Der Louvre Abu Dhabi hat im November 2017 eröffnet und ist das erste Projekt auf der Museumsinsel Saadiyat.
Ein Traum aus Stein und Stahl: Der Louvre Abu Dhabi hat im November 2017 eröffnet und ist das erste Projekt auf der Museumsinsel Saadiyat.

Die „Mona Lisa“? Der Museumswärter weiß nicht so recht, ob die Frage ernst gemeint ist. Schließlich entscheidet er sich für ein freundliches Lächeln und bescheidet mit knappen Worten, dass da Vincis Meisterwerk selbstverständlich immer noch im Pariser Louvre hängt – und nicht hier, im Louvre Abu Dhabi.

Merke: Für Geld kann man sich nicht alles kaufen. Aber durchaus eine Menge. Einen Louvre zum Beispiel. Eine Milliarde Euro soll das Emirat Abu Dhabi den Franzosen allein für Namen, die kuratorische Begleitung und rund 300 Leihgaben gezahlt haben. „Jedes Emirat hat einen eigenen Herrscher mit eigenen Visionen“, erklärt Reiseleiter Mohammed. „Abu Dhabi legt vor allem Wert auf Natur und Kunst.“

Die Grenze zwischen Dubai und Abu Dhabi ist unsichtbar, kein Schild und kein Kontrollposten weisen darauf hin, dass man gerade in ein anderes Emirat eindringt. Trotzdem merkt man es sofort: Beidseits der breiten Autobahn zieht sich plötzlich ein grünes Band, die Laternen auf dem Mittelstreifen haben sechs statt zwei Leuchten. Und hat man nach einer Stunde Autofahrt schließlich Abu Dhabi-Stadt erreicht, ist auch dem Letzten klar: Hier gehen die Uhren langsamer.

Dem Gigantismus des Nachbarn Dubai setzen die Scheichs von Abu Dhabi Gelassenheit entgegen. Die schöpfen sie aus dem Bewusstsein, dass sie – mit Abstand – nicht nur das größte, sondern auch – mit Abstand – das reichste aller Emirate regieren. 90 Prozent der Ölreserven befinden sich auf ihrem Territorium, sie sollen noch 140 Jahre lang reichen. Als Dubai 2008 in den Strudel der Finanzkrise geriet, half Scheich Khalifa aus Abu Dhabi mit annähernd sieben Milliarden Euro aus. Das höchste Gebäude der Welt, der Burj Khalifa, trägt deshalb bis in alle Ewigkeit seinen Namen.

Wolkenkratzer gibt es auch in Abu Dhabi, aber längst nicht so viele wie in Dubai. Umso mehr fällt die futuristische Architektur ins Auge. Grandios, und das im wahrsten Sinne des Wortes, ist die nach dem „Vater der Emirate“ benannte Scheich-Zayed-Moschee. Über 1 000 Säulen, 82 Kuppeln, 24 verschiedene Marmorarten, der weltgrößte Teppich und der weltgrößte Kronleuchter – das Gotteshaus ist ein Tempel der Superlative und versetzt auch Nichtgläubige in Staunen. Das weltliche Pendant heißt Emirates Palace. Für den Baedeker ist es „das wohl luxuriöseste Hotel der Welt“, Reiseveranstalter preisen es als ein „Märchen aus 1001 Nacht“. Gold, wohin man schaut. Auf Wunsch sogar auf dem Cappuccino.

Gold empfängt auch den Besucher des Louvre Abu Dhabi. Eine Goldmaske aus vorchristlicher Zeit markiert den Beginn eines Streifzugs durch die Menschheits- und Kulturgeschichte. Man staunt über eine Statue von Ramses II. und einen Torso aus dem Römischen Reich. Neben der „Jungfrau mit Kind“ tanzt eine Shiva-Skulptur. Und wo Tizian, Manet und van Gogh einträchtig versammelt sind, darf auch da Vinci nicht fehlen. Er hat ja nicht nur die „Mona Lisa“ gemalt. Nur eines stiehlt allen die Show: das Bauwerk selbst. Architekt Jean Nouvel hat den Komplex aus 55 Quadern regelrecht zusammengewürfelt, künstliche Wasserbecken hinzugefügt und alles mit einer netzartigen Stahlkuppel überzogen.

Ein Traum, der bald seine Fortsetzung finden soll. Die Pläne für ein Guggenheim-Museum (Architekt: Frank Gehry) liegen in der Schublade, Norman Foster zeichnet für das Zayed-Nationalmuseum verantwortlich. Über Termine redet man in Abu Dhabi nicht so gern, aber die Kunstwelt ist längst in heller Aufregung.

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