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Dienstag, 02.01.2018

Schöne Grüße aus Waldheim per Luftpost

Die Senioren im Alloheim lassen lassen jedes Jahr Luftballons mit Karten fliegen. Und sie hoffen auf eine Antwort.

Von Helene Krause

Jedes Jahr lassen die Bewohner der Allo Senioren-Residenz Luftballons steigen und hoffen auf Antwort. Manche fliegen bis Polen oder Frankreich.
Jedes Jahr lassen die Bewohner der Allo Senioren-Residenz Luftballons steigen und hoffen auf Antwort. Manche fliegen bis Polen oder Frankreich.

© André Braun

Waldheim. Fast alle Senioren der Allo Senioren-Residenz „Am Eichberg“ in Waldheim haben sich vor dem Heim versammelt. Die meisten sitzen im Rollstuhl. Alle halten weiße Luftballons mit der blauen Aufschrift des Seniorenheims in den Händen, Karten hängen daran. Auf ihnen sehen die Adresse des Heimes und der Name des Absenders sowie Datum und Uhrzeit. Auf Kommando der Leiterin des Betreuungsdienstes Ramona Möbius lassen die Senioren die Luftballons los. Rasch steigen die achtzig Ballone in den Himmel auf. Vom Wind getrieben verschwinden sie hinter Bäumen und Dächern.

Alljährlich zum Jahresende gibt es für die Senioren des Heimes die Luftballonaktion. Für jeden Heimbewohner steigt einer in den Himmel. So auch für Dietrich Bienhof. Der 62-jährige lebt seit sechs Jahren im Heim. Fünf Mal hat er bei der Luftballonaktion schon mitgemacht. Auch Antworten hat er schon erhalten. Woher die kamen, weiß er nicht mehr. Gabriele Dahm wohnt erst seit zwei Wochen im Seniorenheim.

Aufgrund eines Unfalls in ihrer Wohnung, bei dem sie ihre Beine verletzte, konnte sie nicht mehr allein zu Hause leben. „Die Aktion ist toll“, sagt sie. „Ich hörte schon davon.“ Die 89-jährige hofft auf eine Antwort. Darauf wartet auch der 71-jährige Bernd Schröder. Er wohnte früher in Döbeln-Pommlitz. Im Heim lebt er seit acht Jahren. Eine Antwort auf seine Karte hat er bisher aber noch nie erhalten.

Bis März warten die Heimbewohner auf Antworten.

Bei einem Kaffeetrinken werden dann die drei Senioren, deren Luftballons am weitesten geflogen sind, mit Urkunden, einem Blumenstrauß und einer Schachtel Pralinen geehrt. Der Finder des Ballons, der am weitesten geflogen ist, erhält ein Paket. Darin liegen ein Stadtführer und Souvenirs von Waldheim.

Obwohl die Heimbewohner sich freuen, wenn ihre Karte zurückkommt, ist noch kein weiterer Briefkontakt aus der Ballonaktion entstanden. Das liegt zum Teil daran, dass die meisten der Senioren nicht mehr so fit sind, um Briefe zu schreiben. Trotzdem warten sie schon alljährlich darauf, die Luftballons in den Himmel steigen zu lassen.

„Seit acht Jahren gibt es die Luftballonaktion“, sagt Ramona Möbius. „Nur im vergangenen Jahr fiel sie krankheitsbedingt aus.“ Manche der Luftballons fliegen weit. Antworten erhielten die Waldheimer Senioren schon aus Dänemark, Frankreich, Polen, Tschechien und aus Deutschland. „Eine Karte kam vor zwei Jahren von Leuten, in deren Nähe es ein Allo-Heim gibt“, sagt Möbius. „Die dachten, der Luftballon wäre von dort.“

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