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Mittwoch, 15.11.2017

Schnäppchen-Karte soll Hotels füllen

Touristen erhalten ab Ende des Monats Rabatte für Operette und Museen. Kein Anlass zum Neid, findet die Branche.

Von Sandro Rahrisch

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Mehr Rabatte, mehr Hotelbuchungen? Dresden versucht es.
Mehr Rabatte, mehr Hotelbuchungen? Dresden versucht es.

© Sven Ellger

Dresden. Früh zur Löwenfütterung in den Zoo, abends zu „Hänsel und Gretel“ in die Operette, und das zum Schnäppchenpreis: Touristen kommen ab Ende November günstiger in die städtischen Kultureinrichtungen hinein. Alle Übernachtungsgäste erhalten die neue Dresden-Card, eine Rabattkarte, mit der wieder mehr Besucher an die Elbe gelockt werden sollen.

Städtische Museen, Stadtgalerie, Kunsthaus, Philharmonie, Musikfestspiele, Theater Junge Generation, Operette und Zoo werden für Eintritt und Karten einen Rabatt gewähren. Wahrscheinlich 20 Prozent, wie es der Oberbürgermeister bereits im Sommer angekündigt hatte. Darüber hinaus will die Stadt Restaurants und Geschäfte als Partner gewinnen, die Touristen spezielle und zum Teil auch nur zeitlich begrenzte Aktionen bieten.

Nein, die Karte habe nichts mit der Bettensteuer zu tun und sei keine Gegenleistung für den Zimmeraufpreis, sagt Matthias Hundt von der Dresden Information GmbH (DIG), welche die Einführung der Karte koordiniert. „Wir schaffen ein Angebot für Privat- und Geschäftsreisende, um den Tourismus anzukurbeln.“ Man wolle Gästen, die vielleicht nur Frauenkirche, Gemäldegalerie und Semperoper besuchen würden, die kulturelle Vielfalt der Stadt zeigen, zu der auch die städtischen Einrichtungen gehörten. Die DIG, die zur DDV-Mediengruppe gehört, in der auch die Sächsische Zeitung erscheint, will selbst unter anderem ihre Welcome Cards günstiger verkaufen, mit denen Gäste etwa in Bus und Bahn fahren können und die Staatlichen Kunstsammlungen besuchen dürfen.

Rabattschlacht verhindern

Beschlossen wurde die neue Vorteilskarte im August 2016. Damals musste Dresden um jeden einzelnen Gast kämpfen. Fast Monat für Monat wurden neue Besucherrückgänge verkündet – wegen Pegida, Terrorangst und der Bettensteuer, wie Dresdens ehemalige Tourismuschefin Bettina Bunge sagte. Seit zwei Jahren verlangt die Stadt einen Aufschlag von rund sieben Prozent des Übernachtungspreises. Im vergangenen Jahr kamen somit fast zehn Millionen Euro zusammen, die allerdings nicht direkt zurück in den Tourismus geflossen sind. Die etwa 20 000 Mitarbeiter starke Tourismusbranche begann, Alarm zu schlagen und warnte vor Entlassungen.

Inzwischen hat sich das Geschäft wieder etwas berappelt. Zwischen Januar und August stieg die Zahl der gebuchten Nächte um 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Trotzdem führe man die Karte am 25. November ein, so Hundt. „Wir sind noch nicht auf dem Niveau, wo wir gern hinwollen.“ Dresden habe Aufholbedarf. Die Karte sei ein Instrument, diesen Bedarf zu decken. Touristen müssten animiert werden, ihren Urlaub in Dresden zu buchen, und nicht woanders. Die Hoteliers könnten den Gästen außerdem mal wieder etwas in die Hand drücken, anstatt nur die Übernachtung abzurechnen.

Die Stadt lässt sich Produktion und Vertrieb der Karten gut eine halbe Million Euro im Jahr kosten. Von jährlich etwa 1,8 Millionen Gästen geht sie aus, denen die neue Dresden-Card zusteht. Einen finanziellen Ausgleich erhalten die privaten Partner nicht für ihre Teilnahme. Für sie sind die Rabatte Werbung.

Mit den Verkehrsbetrieben, der Bädergesellschaft und den Sportstätten sei man derzeit ebenfalls im Gespräch über Sonderangebote. „Wir würden uns sehr freuen, wenn auch Eventveranstalter mitmachen würden“, so Hundt. Konzerte zum Beispiel seien hervorragende Anlässe für eine Reise. Dresden habe als erste Großstadt Deutschlands ein solches Angebot für seine Gäste ins Leben gerufen.

Dass die Touristen-Karte einen gewissen Neid der Dresdner schüren könnte, befürchtet Matthias Hundt nicht. Auswärtige Besucher kämen ja nicht komplett kostenlos in die Museen hinein. Auch eine Rabattschlacht wolle man nicht in Gang setzen. „Wenn es dem Tourismus in Dresden wieder besser geht, kommt das am Ende des Tages der ganzen Stadt zugute“, sagt er. Außerdem versuche die Branche, etwas für die Dresdner zu tun. So würden Dixieland-Karten für bestimmte Spieltage zur Hälfte des üblichen Preises angeboten, nur für Einwohner der Elbmetropole. Und mit „Urlaub in deiner Stadt“ könnten Dresdner im Januar und Februar zum Schnäppchenpreis in den Hotels der Stadt einchecken und sich verwöhnen lassen.

Die Dresden-Card wird pünktlich zur Eröffnung des 583. Striezelmarktes eingeführt. Der Dezember gehört zu den stärksten Monaten in der Beherbergungsbranche. Europaweit wird Dresden mit Plakat- und Anzeigenaktionen als Weihnachtsstadt vermarktet.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Hundling

    "Wir wollen keine Rabattschlacht entfachen, aber wir entfachen sie." Sehr konsistent.^^

  2. Halbe Mille

    Eine halbe Million = 500.000 € für die Herstellung und den Vertrieb? Wird da jede Karte einzeln mit dem Taxi in die Hotel's gefahren? Da sollten aber mal schleunigst die Damen und Herren vom Landesrechnungshof prüfen. Das richt doch ganz gewaltig vor Vorteilsnahme.

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