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Mittwoch, 16.05.2018

Schmierereien und Respektlosigkeit gegenüber Kunstwerken

Die Chefin der Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser ärgert sich über Schmierfinken. Eine Anzeige ist erstattet.

Von Christian Köhler

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© Christian Köhler

Unbekannte haben das Wandbild mit einem „Tag“ beschmiert.
Unbekannte haben das Wandbild mit einem „Tag“ beschmiert.

© Christian Köhler

Mit viel Leidenschaft und mit Herzblut engagiert sich die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser mbH (WBG) seit Jahren dafür, das Stadtbild mit Fassadenbildern zu verschönern. Das kostet nicht nur jede Menge Energie, sondern auch Geld. Schließlich könnten die Fassaden auch einfach nur grau gestrichen werden statt sie aufwendig etwa mit einem Eishockeyspieler oder einem Fußballer zu verschönern. Am vergangenen Wochenende nun musste WBG-Chefin Petra Sczesny feststellen, dass die stadtbekannte Tänzerin am Boulevard/Rosa-Luxemburg-Straße verunstaltet wurde. „Ich bin immer noch fassungslos über so viel Respektlosigkeit“, sagt sie gegenüber dem TAGEBLATT. In all den Jahren, in denen die WBG gemeinsam mit den Künstlern Thomas Strauss und Markus Hillegaart aus Cottbus zahlreiche große Fassadenbilder geschaffen hat, sei ihr so ein Vandalismus noch nicht untergekommen. „Ich muss ehrlich sagen, ich schäme mich für Weißwasser“, sagt sie, „und auch dafür, dass die Künstler nun aus der Presse erfahren, wie einige Chaoten ihre Kunst wertschätzen.“ Die WBG habe nun Anzeige gegen die (noch) unbekannten Frevler erstattet und hofft, dass sich aus der Bevölkerung Zeugen melden, welche die Schmierer beobachtet haben.

Unverständnis in Sozialen Medien

„Die Sinnlosigkeit und der Zerstörungswille einzelner Mitmenschen machen mich wütend“, erklärt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Manche Menschen hätten „keinen Anstand vor Kunst und Kreativität und Werten“, schreibt er auf Facebook. Dort haben sich viele der Meinung des Stadtoberhauptes angeschlossen: „Kein Respekt vor fremdem Eigentum und sich dann beschweren, dass die Stadt hässlich ist“, heißt es da beispielsweise. „Bestimmte „Tags“ sind doch in der Szene bekannt“, sagt etwa André Böhme und fügt an: „Und in der Regel toleriert die «Szene» solche Idiotien auch nicht und sollte gewillt sein, dies aufzuklären.“ Und tatsächlich markieren Sprayer ihr Revier oder ihre Werke mit Schriftzügen, sogenannten „Tags“. Allerdings sagt ein ungeschriebenes Gesetz, dass Sprayer gerade von Kunstwerken die Finger lassen. Offenbar nicht in Weißwasser. Sprüher Uwe Krasel, der beispielsweise das Stromhäuschen an der Heinrich-Heine-Straße mit einem Fuchs verziert hat, schreibt auf Facebook: „O nein, hoffentlich lassen sie meine Bilder in Ruhe. Schade um die viele Arbeit.“

Boulevard als Toilette genutzt

Doch mit all dem noch nicht genug: Die Rhododendren am Boulevard auf dem Weg zur Rosa-Luxemburg-Straße werden immer häufiger als Toilette genutzt, berichtet Petra Sczesny. Gerade Mitarbeiter vom Wirtschaftshof und von der Lebenshilfe, die mit viel Akribie die Grünanlagen pflegen, ärgern sich darüber, dass einige hier ihre Notdurft hinterlassen. Gerade zu Beginn des Frühlings, wenn das Wetter Trinkgelage am Springbrunnen zulässt, sei es besonders schlimm.

Auch gibt es immer wieder Ärger wegen Zerstörungen auf Spielplätzen in der Stadt. Ein Beispiel: Auf dem ehemaligen Armee-Spielplatz in Weißwasser an der Heinrich-Heine-Straße hatte die Stadt neue Netze an die Tore gehängt. Keine zwei Wochen später, so Torsten Pötzsch, waren diese wieder zerrissen. „Wir können doch nicht jeden Monat neue dort anbringen“, sagt er. Inzwischen hatte sich ein privater Spender gefunden, der neue Netze kaufte und sie dort hingehängt hat. Und wer hätte es gedacht: Nach nur einer einzigen Woche waren die Tornetze erneut zerschnitten ... „Man kann in Weißwasser auch nichts neu machen, alles wird kaputt gemacht, von irgendwelchen Deppen“, kommentiert Jens Kreisel die Aktion.