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Sonntag, 31.12.2017

Schmerz kommt oft erst Neujahr

Zu Silvester häufen sich die Verletzungen durch Böller und Stürze. Mancher bemerkt die erst im nüchternen Zustand.

Vor allem illegales Feuerwerk ist gefährlich.
Vor allem illegales Feuerwerk ist gefährlich.

© Arno Burgi/dpa

Tragisch endete 2014 eine Silvesterparty nahe der Gaststätte „Zur Wiesenmühle“ im Striegistaler Ortsteil Mobendorf. Ein 19-Jähriger wurde am Neujahrstag gegen 0.30 Uhr beim Zünden eines Feuerwerkes so schwer verletzt, dass er noch am Unglücksort verstarb. Ein 18-Jähriger wurde schwer verletzt. Ein tragischer Einzelfall in der Region, doch Jahr für Jahr wieder warnen Polizei, Landratsamt und Rettungsdienst vor den Gefahren durch Pyrotechnik. Und das nicht ohne Grund, wie der leitende Oberarzt der Notaufnahme des Klinikums Döbeln sagt.

„Zwischen dem 31. Dezember und dem 1. Januar haben wir schon vermehrt Patienten mit silvesterbedingten Verletzungen in der Notaufnahme“, so Dr. Matthias Richter. „Es kommen vor allem jüngere Patienten unter 40 Jahren“, ergänzt er. Die meisten hätten Verbrennungen sowie Schnittwunden an den Händen. „Häufig sind es eher leichte Verletzungen“, sagt der 40-Jährige. Obwohl in der Region bereits seit einigen Tagen geknallt wird, seien bisher noch keine Patienten mit feuerwerksbedingten Verletzungen in der Notaufnahme des Klinikums behandelt worden.

Meist ist Alkohol im Spiel

Typisch sei, dass viele Verletzungen aus der Kombination von Alkohol und unachtsamem Umgang mit der Pyrotechnik resultieren. „In vielen Fällen spielt der Alkohol eine Rolle, auch wenn wir bei den meisten Patienten den Alkoholspiegel nicht mit messen“, sagt der Oberarzt. Problematisch ist der Alkohol aber nicht nur beim Umgang mit den Knallern, sondern auch, wenn es zu Verletzungen gekommen ist.

Erste Hilfe in der Silvesternacht

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Verbrennungen: Kleinere Wunden schnell kühlen, großflächige nicht (Gefahr der Unterkühlung droht). Mit Verbrennungen, die größer als die Handfläche sind, zum Arzt gehen.

Handverletzungen: Größere Wunden sofort steril abdecken. Bei hohem Blutverlust sofort den Notarzt rufen. Abgetrennte Gliedmaßen bergen und dem Rettungsdienst mitgeben.

Augenverletzungen: Immer beide Augen verbinden, damit das verletzte nicht mehr bewegt wird. Bei ernsten Verletzungen den Notruf wählen.

Alkoholvergiftung: Bricht jemand wegen überhöhtem Alkoholgenuss zusammen, müssen Atmung und Puls geprüft werden. Bleibt die Person bewusstlos, den Notarzt alarmieren. Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen, um Ersticken durch Erbrechen zu verhindern. Patienten im Freien warm halten.

Quelle: DRK Sachsen

„Viele Betroffene kommen erst am Neujahrstag zu uns, wenn die Wirkung des Alkohols nachgelassen hat und sie die Schmerzen richtig spüren“, berichtet Matthias Richter von seinen Erfahrungen. Seit 14 Jahren ist der Mediziner im Bereich der Notaufnahme sowie Notfallmedizin tätig. Er rät den Patienten, die Verletzungen möglichst steril abzudecken und rasch in die Notaufnahme zu kommen. Verbandsmaterial sollte im Notfall zu Hause oder zumindest im Verbandskasten des Pkw vorhanden sein. „Bei schwereren Verletzungen, die glücklicherweise seltener vorkommen, ist der Rettungsdienst zu alarmieren“, empfiehlt Matthias Richter.

In der Notaufnahme der Helios-Klinik in Leisnig rechnet Peter Lorenz vor allem am Neujahrestag mit Patienten, die mit den Folgen der Silvesternacht zu kämpfen habe. „Die Patienten, meist relativ jung und männlich, stürzen in der Nacht unter Alkoholeinfluss und verletzen sich“, berichtet der ärztliche Leiter der Notaufnahme. „Solche Fälle haben wir oft nach Festen in der Stadt.“ Nur wenige machten sich dann direkt auf den Weg ins Krankenhaus. Viele kämen erst am Nachmittag des Folgetages, wenn sie ausgeschlafen haben, um ihre Prellungen oder Frakturen an Handgelenk und Ellenbogen sowie Schnittverletzungen behandeln zu lassen.

Alarmplan für größere Einsätze

„Ich hatte mal einen Mann, der hatte sich den Unterarm aufgeschnitten und das erst am nächsten Tag bemerkt, weil in seinem Bett Blut war“, schildert der 55-Jährige. Verletzungen durch Pyrotechnik gebe es in Leisnig dagegen seltener. „An größere Verletzungen, die stationäre behandelt werden mussten, oder bei denen eine Überweisung in die Handchirurgie notwendig war, kann ich mich nicht erinnern“, so Lorenz.

Das Patientenaufkommen in Leisnig sei zu Silvester zwar etwas höher als an einem normalen Wochenende, aber ähnlich dem, wie zu Ostern oder Pfingsten. Der Grund: Viele Arztpraxen nutzen die Feiertage, um im Vorfeld oder danach urlaubsbedingt zu schließen. „Die Ärzte sind zwar angewiesen, eine Vertretung für diese Zeit zu organisieren. Diese wird auch auf dem Anrufbeantworter oder per Aushang bekannt gegeben.

Aber viele Patienten gehen trotzdem lieber gleich ins Krankenhaus“, schildert der Leisniger Oberarzt der unfallchirurgischen Station. Mehr Personal sei an diesem Wochenende, ebenso wie in Döbeln, nicht im Einsatz. „Aber es gibt einen Alarmplan. Wenn sich zum Beispiel ein Unglück mit vielen Verletzten ereignet, sind innerhalb von ein bis zwei Stunden ausreichend Ärzte vor Ort“, erklärt Lorenz.

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