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Montag, 01.01.2018

Schluss mit Tarif- und Preiswirrwarr

Landrat Michael Harig verspricht für 2018 deutliche Veränderungen im Nahverkehr.

Von Reiner Hanke

Die neue Bahnstation in Großröhrsdorf: Ein SZ-Leser fragt, wann endlich Verbandsgrenzen fallen und er mit einem Fahrschein und ohne Zusatzkosten mit dem öffentlichen Nahverkehr in die Kreisstadt fahren kann.
Die neue Bahnstation in Großröhrsdorf: Ein SZ-Leser fragt, wann endlich Verbandsgrenzen fallen und er mit einem Fahrschein und ohne Zusatzkosten mit dem öffentlichen Nahverkehr in die Kreisstadt fahren kann.

© René Plaul

Großröhrsdorf. Neues Jahr neues Glück? Lothar Fraunhain aus Großröhrsdorf hat inzwischen wohl aufgegeben, dass sich etwas tut: mit dem Nahverkehr. Er und mit ihm zahlreiche andere passionierte Nutzer der öffentlichen Nahverkehrsmittel wie Bus und Bahn wohnt an einer Schnittstelle zwischen zwei Verkehrsverbünden. Das macht den Fahrgästen das Leben schwer und den Nahverkehr damit nicht attraktiver. Für den Großröhrsdorfer ist es völlig unverständlich, dass es über viele Jahre nicht gelingt, den Nahverkehr zwischen den Verbünden VVO (Verkehrsverbund Oberelbe mit Dresden) und ZVON (Raum Bautzen Görlitz) kundenfreundlich zu gestalten. Zehn Jahre lang wurde nur diskutiert. Er spricht vom Versagen der Politik und kritisiert, dass nur „irgendwelche Leute an ihren Posten hängen“. Der Großröhrsdorfer fragt, wann er endlich mit einer Fahrkarte von Großröhrsdorf nach Bautzen fahren könne, so wie nach Dresden und zu einem vergleichbaren Preis. So fahre er mit einer Fahrkarte nach Dresden für 4,60 Euro in einer knappen halben Stunde. Nach Bautzen für 10 Euro und brauche mindestens eine Stunde. Am Wochenende sei die Verbindung nach Bautzen auch noch ziemlich schlecht. Ein unhaltbarer Zustand in einem gemeinsamen Landkreis. Er zweifelt am Willen, das zu verändern. Zwei Verkehrsverbände in der Region, in einem Kreis, seien völlig unnötig.

Zumal der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) auch noch in beiden Verbänden an der Spitze steht. Der räumt ein: „Zunächst habe ich für die Äußerungen des Lesers Verständnis.“ Zugleich erinnert er an die Geschichte. Die Verkehrsverbände sind in den 1990er-Jahren per Gesetz als sogenannte Pflichtverbände geschaffen worden. Letzteres sei eine Folge der Privatisierung der Deutschen Bahn (DB AG) gewesen. Der Fernverkehr sei der DB AG zugeordnet worden, die Regionalverkehre wurden kommunalisiert. Den Verbänden gehe es ausschließlich um die Kunden. „Die Verbände verfolgen keinen Selbstzweck. Es geht mit Sicherheit nicht um Posten oder ähnliche Beweggründe.“

Erreichbarkeit als drängende Frage

Freilich seien die angesprochenen Preisunterschiede ärgerlich, räumt der Landrat ein. Sie hätten aber nicht nur in den Verbandsstrukturen ihre Ursachen. So gebe es auch im VVO-Gebiet Probleme, z. B. wenn eine vergleichsweise kurze Reisedistanz über mehrere Tarifzonen führt.

In der Tat bemühe er sich seit 2008 als Landrat um eine Klärung. Tariflich sei das immerhin im Bereich der Zeitkarten gelungen. Noch keine Lösung gibt es bei den Einzelfahrscheinen und eben bei der Fusion oder einem Beitritt des ZVON zum Zweckverband Verkehrsverbund Oberelbe. Michael Harig: „Eine Fusion benötigt die Zustimmung aller Verbandsmitglieder des ZVON.“ Widerstand formulierten erst jetzt wieder die Stadt- und der Landkreis Görlitz.

So wird befürchtet, dass wegen der starken Verkehrsnachfrage in Dresden und im Elbtal der ländliche Raum fernab der Landeshauptstadt benachteiligt werden könnte. Michael Harig: „Mein Ziel ist es, die Gespräche mit dem Oberbürgermeister und dem Landrat aus Görlitz im ersten Quartal 2018 zu einem guten Ende zu bringen.“ Wenn dies nicht gelingen sollte, werde der Landkreis Bautzen in Gänze ins VVO-Gebiet wechseln, sichert Harig zu. Allerdings wäre es für ihn eine schlechte Lösung, weil dadurch das Tarifproblem nur in Richtung Osten verschoben würde.

Neben dem Tarifgeschehen geht es dem Landrat auch um die Verkehrsplanung und die Erreichbarkeit der Städte und Gemeinden innerhalb des Landkreises, die kritisierte Verbindung in die Kreisstadt sicher mit eingeschlossen. Komplexe Fragen seien zu klären. So wären mit einer Tarifveränderung auch Ausgleichsansprüche der Verkehrsunternehmen verbunden. Das bleibe letztlich nicht ohne Auswirkungen auf die Finanzen des Verbundes und des Kreises. „Ich schätze aber ein, dass es auf alle Fragen zufriedenstellende Antworten geben kann“, so Michel Harig.

Lothar Fraunhain ist eher skeptisch, ob diese Kraft zur Veränderung da ist und sagt etwas resigniert: „Ich erlebe es nicht mehr.“ Aber vielleicht gelingt es der Politik ja doch noch, den alten Mann zu überraschen. Das wäre doch mal ein Vorsatz für das neue Jahr. Landrat Michael Harig verspricht: „Ich bin überzeugt, dass ihr Leser noch im Jahr 2018 die Klärung der offenen Fragen im Sinne aller Fahrgäste zur Kenntnis nehmen kann.“