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Donnerstag, 04.01.2018

Schluss mit dem Laster-Gepolter

In Tauscha-Anbau hat die Sanierung der Ortsdurchfahrt begonnen – der eigentliche Straßenbau startet allerdings erst im Frühjahr.

Von Manfred Müller

Gewaltig erstreckt sich die Baugrube für das Regenrückhaltebecken an der Staatsstraße in Tauscha-Anbau.
Gewaltig erstreckt sich die Baugrube für das Regenrückhaltebecken an der Staatsstraße in Tauscha-Anbau.

© Kristin Richter

Thiendorf. Wenn ein schwer beladener Transporter auf der Staatsstraße 100 den Weiler Tauscha-Anbau passiert, dann tanzen bei den Anwohnern die Tassen auf dem Frühstückstisch. Das liegt vor allem an der maroden Pflastersteindecke, aber auch am Straßen-Unterbau, der nicht für größere Lasten ausgelegt ist. Im Juni 2018 soll damit Schluss sein. In den nächsten Monaten wird die Ortsdurchfahrt grundhaft saniert und erhält eine lärmschluckende Asphaltdecke. Die ersten Arbeiten haben bereits begonnen: am Regenrückhaltebecken, das am Ortsausgang in Richtung Königsbrück errichtet wird. Mit dem eigentlichen Straßenbau, der anhaltend frostfreies Wetter erfordert, soll zum Ende des Winters begonnen werden.

Es gab in den vergangenen Jahrzehnten bereits zwei Anläufe, die Holperpiste in Tauscha-Anbau zu sanieren. Im August 1994 und im Mai 2003 lagen die Vorplanungen schon auf dem Tisch, der Straßenbau scheiterte aber am Widerstand etlicher Grundstücksbesitzer. Um auf eine vorschriftsmäßige Straßenbreite zu kommen, die auch einen Fußweg einschließt, hätten die Straßenanlieger etwas Fläche von ihren Vorgärten abgeben müssen. Einige von ihnen hofften stattdessen auf eine Ortsumfahrung. Das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) aber machte klar: Für 500 Meter Straße mit nur wenigen Häusern auf beiden Seiten und mit einer Verkehrsbelastung von nur 2000 bis 3000 Fahrzeugen pro Tag würde es die nicht geben. Da beide Seiten nicht von ihrem Standpunkt abwichen, verschwanden die Pläne immer wieder in der Schublade.

Erst, als sich Tauschas letzter Bürgermeister Hans-Ullrich Scheibe der Sache annahm und den Bürgern in geduldigen und verständnisvollen Gesprächen die Notwendigkeiten näher brachte, kam Bewegung in die Sache. Durch die Eingemeindung nach Thiendorf im Jahr 2016 war auch die Finanzierung gesichert. Der Ausbau der Ortsdurchfahrt ist ein Gemeinschaftsprojekt des Freistaates und der Gemeinde Thiendorf. Die Kommune finanziert die Regenwasserableitung und die Gehwege und hat dafür rund 400 000 Euro an Baukosten veranschlagt. Drei Viertel der Summe werden über Fördermittel bereitgestellt. Unabhängig davon muss Thiendorf die neue Straßenbeleuchtung finanzieren, die noch einmal etwa 60 000 Euro kostet.

Neben einem vernünftigen Unterbau und dem geräuscharmen Straßenbelag soll am Ortseingang und -ausgang jeweils eine Verkehrsinsel gebaut werden, die die Fahrzeuge zur Verringerung der Geschwindigkeit zwingt. Der zwei Meter breite Fußweg wird auf der Südseite angelegt und gewährleistet einen sicheren Zugang zum Sportplatz und zur Mehrzweckhalle. Auf der anderen Straßenseite gibt es nur einen befestigten Randstreifen von einem halben bis einem Dreiviertelmeter Breite. Ebenfalls auf der Südseite in Richtung Königsbrück wird das Auffangbecken für Regenwasser gebaut, so dass künftig nichts mehr von der Straße in die Grundstücke fließen kann. Für ihre Wohngrundstücke müssen die Anlieger allerdings separate Versickerungsmöglichkeiten schaffen. Ein Anschluss an die Straßenentwässerung ist nicht vorgesehen.

Nachdem die Bagger nun angerollt sind, hat der fast ein Vierteljahrhundert währende Planungsmarathon nun ein Ende. Auch von der anfänglichen Skepsis gegenüber dem Straßenbau spürt man in Tauscha-Anbau nichts mehr. Eine gewisse Vorbildwirkung hatte dabei wohl die Sanierung der Ortsdurchfahrt im nahegelegenen Würschnitz. Dort hatten die Anwohner, um eine Verbreiterung des Fußweges zu ermöglichen, nicht auf jeden Quadratmeter ihrer Vorgärten gepocht.

Heute sind sie mit dem aufgewerteten Ortsbild und der höheren Sicherheit, die der Straßenausbau mit sich brachte, sehr zufrieden.