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Samstag, 12.08.2017 Kommentar

Schlechte Zeit, gute Zeit

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SZ-Autor Olaf Kittel.
SZ-Autor Olaf Kittel.

© robertmichaelphoto.de

Den Sommer 2002 wird niemand vergessen, der ihn an der Elbe erlebt hat. Jeder weiß noch, was er wann getan, gedacht, gefühlt hat. Das ist wie mit dem Tag der Maueröffnung oder dem 11. September 2001. Das geht SZ-Mitarbeitern genauso, die damals das geflutete Redaktionshochhaus in Dresden und mehrere Lokalredaktionen räumen und unter abenteuerlichen Bedingungen Zeitung machen mussten. Die Hauptredaktion floh damals ins trockene Bautzen, dort entstand nach der Flutwelle die emotionale Schlagzeile in großen Lettern über die ganze, schwarz-weiß gedruckte Zeitungsseite hinweg: „Unser Elbtal ist verwüstet“.

Unvergesslich die starken Geschichten, die SZ-Reporter Tag für Tag über die Autobahn nach Bautzen brachten oder sogar telefonisch durchgeben mussten, weil die Brücken gesperrt waren und das Redaktionssystem ausgefallen war. Dramatische Fotos und Berichte von der Rettungsaktion in Weesenstein, dem überfluteten Röderau oder der Bergung der Kunstschätze im Dresdner Zwinger. Geschichten vor allem aber über Menschen, die über sich hinauswuchsen und Kräfte entwickelten, die sie sich selbst niemals zugetraut hätten. Geschichten von Menschen, die tagelang uneigennützig bis zur Erschöpfung Betroffenen halfen. Geschichten von Fremden, die extra nach Sachsen gekommen waren, weil sie das Gefühl hatten, uns helfen zu müssen. Geschichten von SZ-Lesern abseits der Elbe, die tief in ihr Portemonnaie griffen und für Lichtblick spendeten, weil sie wenigstens auf diesem Weg ihren Teil beitragen wollten.

Heute ist fast alles wieder aufgebaut und viel Geld investiert worden in den Hochwasserschutz. Oft erinnern nur noch die Flutmarken an die schlimme Zeit. Zurück bleibt das Staunen: Was für eine Kraft! Was für ein Zusammenhalt!

Damals, während der schlimmsten Zeit, riefen unentwegt Journalisten aus allen Teilen Deutschlands bei der SZ an und baten um Unterstützung. Sie wollten Artikel schreiben und Sendungen produzieren über die Flut. Es wurden Heldengeschichten über uns Sachsen.

Lang ist’s her.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Carsten

    In der Tat: Lang ist´s her. Heute würde das mit der Hilfsbereitschaft und dem Zusammenhalt sicherlich ganz anders ablaufen, denn heute ist sich jeder selbst der Nächste. Und das zu Recht - seit der Zäsur von 2015 sollte jeder sehen, wie er mit dem Hintern an die Wand kommt. Und solange diese unsägliche, machtzerfressene Frau in Berlin noch "am Ruder" ist sowieso. Für diesen Staat keinen Finger krumm...

  2. jk

    Es ist erwiesen, dass, je multikultureller ein Gemeinwesen wird, um so unsolidarischer wird es auch, da es kein Wir-Gefühl, keine gemeinsame Identität gibt. „Der Wohlfahrtsstaat beruht in seinem Kern auf Solidarität und Vertrauen innerhalb eines politisch begrenzten, genau definierten Raums, nämlich des Nationalstaats…Ein globaler Sozialstaat ist eine Utopie.“ (Sieferle) „Alle Dax-Konzerne zusammen haben bis Mitte 2016 gerade einmal 54 Migranten eingestellt. 70% derer, die eine Ausbildung begonnen haben, haben sie nach ein paar Monaten wieder abgebrochen… Die Bundesarbeitsministerin geht schon davon aus, dass lediglich rund 10% der Immigranten vermittelbar sind.“ (Sieferle) Das haben wir uns ganz feine Goldstücke ins Land geholt. Es wird noch ein ganz übles Erwachen geben in diesem Land.

  3. Aleister Crowley

    @jk: Noch dazu kommt, dass jetzt die Autoindustrie als Schlüsselbranche in Deutschland kaputtgemacht werden soll. Leider vergisst man, dass damit der Sozialstaat faktisch zusammenbrechen würde - und dann gnade uns Gott, Satan und wer auch immer...

  4. Martin H.

    Heute kommen aus Sachsen leider weniger Heldengeschichten. Eher Fremdschäm-Geschichten. Wie die zwei (alt-)neurechten Kommentare @1 und @2 beweisen. Auch heute, trotz der "Asylflut" von sage und schreibe 30.000 Personen in Sachsen würden Sachsen helfen und Sachsen geholfen. Sogar von Asylbewerbern. Der Hilfsreflex ist nämlich von Rasse und Volk unabhängig. Selbst Identitäre, die im Mittelmeer gleich Schiffbruch erlitten haben, wurden von der "Asylindustrie" aus dem Wasser gefischt. Offensichtlich ist dieser Hilfsreflex nur bei Rechten genetisch verkümmert. Sie halten sich lieber in ihren Echoräumen auf und lesen Schundpostillen von Compact und Sieferle. Hilfe zwecklos.

  5. Aleister Crowley

    @Martin H.: Was Sie über die Identitären mit der "C Star" schreiben, ist totaler Blödsinn. Da wurde niemand aus dem Wasser gefischt. Warum zitieren Sie hier immer die "Alpen Prawda"?

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