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Freitag, 29.12.2017

Schlammschlacht im Lohmgrund

Das Reporter-Leben ist voller Überraschungen. Vier Begebenheiten, die die Redaktion dieses Jahr bewegten.

Von Mareike Huisinga

Unglaublich, fast

Mehr als eine Handbreit Wasser unterm Chassis: Für SZ-Mitarbeiterin Mareike Huisinga wurde ein Termin im Lohmgrund zum Offroad-Trip. Sie war drauf und dran, aufzugeben.
Mehr als eine Handbreit Wasser unterm Chassis: Für SZ-Mitarbeiterin Mareike Huisinga wurde ein Termin im Lohmgrund zum Offroad-Trip. Sie war drauf und dran, aufzugeben.

© Daniel Schäfer

Ich ahne nichts Böses. Ein Bildhauer ruft mich in der Redaktion an. Er und seine Frau haben einen Auftrag für die Restaurierung des Berliner Schlosses. Es geht um Figuren, schöne Figuren. Die Werkstatt befindet sich im Lohmgrund bei Cotta. Ob das vielleicht ein Thema wäre? Ist es!

Der Künstler will mir noch schnell die Anfahrt erklären. Das lehne ich jedoch mit Verweis auf Google Maps ab. Ein gleichermaßen verhängnisvoller wie arroganter Fehler, wie sich herausstellen sollte. Zum Lohmgrund gibt es laut Internet zwei Zufahrten. Ich wähle die Route vom Gottleubatal aus.

Unglaublich, fast

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Der Petry-Coup

Es ist der 24. September, der Abend der Bundestagswahl. Kein einziges Wahllokal im Landkreis ist komplett ausgezählt, da sickert bereits die Nachricht in die Pirnaer SZ-Redaktion durch: Frauke Petry (damals noch AfD) könnte das Direktmandat im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge holen. Als dann die ersten Zählergebnisse aus den Gemeinde-Wahllokalen eintrudeln, rechnen wir eins und eins zusammen: Frauke Petry liegt praktisch vorn. Wann veröffentlichen wir, dass sie das Direktmandat holt? Offiziell bestätigt ist noch nichts, und bei dieser Personalie können wir uns bundesweit lächerlich machen, falls wir falsch liegen. Wir zweifeln aber nicht mehr. Also posten wir 20.14 Uhr: „Petry steht vor Gewinn des Direktmandats“. Es wird eine der meistgelesenen Online-Nachrichten der SZ. Jedenfalls bis 23 Uhr, als Petrys Wahlsieg amtlich ist. Jetzt schreiben es alle. (Gunnar Klehm)

Nur mal kurz gucken

Die Neugier erwischt mich beim Abendbrot. In Heidenau ist eine Bombe gefunden worden. Es ist der Abend des 13. November. Schnell ist klar: Ich geh mal kurz gucken, vielleicht ist es ja eine Geschichte für die Zeitung. Ich gehe also auf die Mühlenstraße, wo die Bombe gefunden wurde, dann zum Polizeieinsatzleiter, ins Pflegeheim und schließlich noch in die Lindgren-Schule, in der Anwohner ausharren, weil sie ihre Wohnungen verlassen mussten. „Nur mal kurz gucken“ endet nach acht Stunden und macht mich wieder um einige Erfahrungen reicher. Dazu gehört auch, immer ein Ladekabel fürs Handy einzustecken. (Heike Sabel)

Cold News

Im Sommer war es noch egal. Aber als die alten Mauern des SZ-Redaktionshauses auf der Pirnaer Schössergasse im Herbst begannen, eine gewisse Kühle zu verströmen, wünschten wir Schreiberlinge uns dann doch eine Heizung. Die allerdings war schon Monate kaputt. Und so bollerten in den Redaktionsstuben bald Elektroheizer vor sich hin. Manchmal quittierte einer den Dauerdienst mit beißendem Brandgeruch, und heizen und gleichzeitig Kaffee kochen ging auch nicht, dann flogen die Sicherungen raus. Ab und zu huschten Heizungsmonteure durch die Räume, drehten an Thermostaten und Entlüftungsventilen, um anschließend fluchend wieder das Weite zu suchen. Keiner fand das Leck in der Heizungsanlage. Kurz vor Weihnachten haben es die Monteure dann geschafft, die Heizung geht. Fast überall. (Christian Eißner)

Die Strecke ist lediglich als Wanderweg ausgeschildert, und mir wird auch schnell klar, warum. Es geht steil bergab, ohne jede Befestigung. Das Auto stöhnt gehörig in jedem tiefen Schlagloch. Fahren? Nur noch Schleichen ist möglich mit Rücksicht auf Auspuff und Ölwanne. Dann stehe ich vor einer Pfütze von der Größe eines Badesees. Mutmaßliche Tiefe? Lieber nicht überlegen. Ist das die Teststrecke für Paris – Dakar? Einen Moment bin ich versucht, zum Handy zu greifen und den Termin sausen zu lassen, weil ich mich nicht weiter traue. Doch dann packt mich der Ehrgeiz und ich jage mein Auto durch den Pfuhl. Rechts und links spritzt das Wasser, schlitternd ziehe ich den Wagen wieder gerade.

Nach zehn Minuten gelange ich auf das Gelände, auf dem sich die Werkstatt befindet. Der Kaminofen verbreitet eine wohlige Wärme. Ich treffe auf zwei freundliche, offene Menschen, die viele Ideen, Enthusiasmus und Zukunftspläne haben. Sie machen Großartiges. Keine Frage, der Termin an diesem versteckten Ort hat sich gelohnt.

Zurück nehme ich den Weg über den Cottaer Kreisel ohne Schlammlöcher, den mir der Bildhauer bei unserem Telefonat erklären wollte. Einen guten Rat sollte man eben nicht leichtfertig ausschlagen.